Mi, 10:44 Uhr
06.11.2013
Boxer bekommen ein Gesicht
Das Gesicht ist eingepresst in einen blauen oder roten Kopfschutz, der unter dem Kinn mit einem Klettverschluss befestigt ist. Die Ohren sind verdeckt. Zu sehen sind nur ein paar Haarstoppeln, Augen, Nase und Mund. Das Sichtfeld ist durch den Schutz eingeschränkt. In den vergangenen Jahren gehörte der Kopfschutz beim Amateurboxen zur Pflichtausstattung. Seit dieser Saison nun nicht mehr...
In der Sommerpause wurde hinter den Kulissen des deutschen Boxverbandes überlegt, wie man das Amateurboxen noch transparenter, noch attraktiver gestalten könnte. Die Fans und die Zuschauer der Faustkämpfer müssen sich auf einige Regeländerungen einstellen. Die gravierendste: der Kopfschutz entfällt.
Nicht aber im Frauen- und Nachwuchsbereich. In der Weltliga wird ohne Kopfschutz gekämpft. Man möchte das Amateurboxen immer mehr dem Profisport anpassen, um mehr Aufmerksamkeit auch in den Medien zu erhalten, sagt Michael Döring, Mannschaftsleiter der Bundesligaboxer des Nordhäuser SV.
Diese Regelung birgt Gefahren: das Verletzungsrisiko steigt. Wenn die Boxer im Nahkampf mit ihren Köpfen zusammenrangeln, dann ist die Gefahr beispielsweise einer Augenverletzung um einiges höher als mit Schutz. Beobachtet hat Döring die Umsetzung der Regelung bereits Anfang September bei den Deutschen Meisterschaften in Oldenburg. Und das nicht unbedingt mit einem guten Gefühl. Was massiv auffiel, waren die Cutverletzungen über den Augen.
Fallen dadurch ein, zwei Aktive in einer Gewichtsklasse aus, dann wird es schon schwierig einen gleichwertigen Ersatz zu finden. Für den Fall einer Verletzung über den Auge müssen die Trainer eine zusätzliche sogenannte Cutman-Ausbildung absolvieren, um den Sportler im Notfall in der Ringecke zu behandeln. Auch für einige Sportler stellt die Änderung eine extreme Umstellung dar. Diese Regelung kommt vor allem all denen entgegen, die einen auf Angriff orientierten Kampfstil haben.
Neben den Risiken gibt es auch positive Aspekte: So hat der Sportler ohne seinen Kopfschutz ein besseres Sichtfeld. Er ist nicht mehr eingeschränkt. Der Boxer bekommt ein Gesicht, so dass ihn auch die Zuschauer besser sehen können. Das ist für beide Seiten ein anderes Boxen, erläutert Döring die Vorteile.
Neu geregelt wird zudem das Gewicht der Handschuhe: Bis 64 Kilogramm wird nun mit zehn Unzen (entspricht 283,5 Gramm) gekämpft und die schweren Gewichtsklassen steigen mit zwölf Unzen (entspricht 340,2 Gramm) in den Ring. Der Verein muss für einen entsprechenden Satz für die Heim- und die Gastmannschaft sorgen. Unser Lieferant hat bereits Probleme bei der Auslieferung, weil fast alle Vereine aufgrund der neuen Regelung bei ihm bestellt haben, weiß Döring.
Mehr Transparenz verspricht man sich vom ten point must system. Jeder der sechs Boxer in seiner jeweiligen Gewichtsklasse kämpft vier Runden á drei Minuten. Bewertet werden die Kämpfe von drei Punktrichtern, die nun mehr auf den Kampfverlauf, die Technik und die Taktik schauen. Bewertet wird nach jeder Runde, ein Unentschieden gibt es nicht mehr. Der Punktrichter muss sich nach jeder Runde entweder für rot oder blau festlegen, erklärt Döring.
Der Sieger pro Runde erhält zehn Punkte, der Unterlegende je nach Aktivität neun beziehungsweise weniger Zähler. Aktuell steht in den Statuten geschrieben, dass es keine Zwischenanzeigen nach den jeweiligen Runden geben wird. Nach vier Durchgängen werden die Punkte addiert. Der Ringrichter zeigt durch Heben der jeweiligen Arms an, wer den Kampf gewonnen hat - ein Unentschieden ist ebenfalls noch möglich. Spannung ist bei den kommenden Boxabenden also weiterhin garantiert. Und das nicht nur, weil der sichere Kopfschutz entfällt.
Sandra Arm, Johann Reinhardt
Autor: redIn der Sommerpause wurde hinter den Kulissen des deutschen Boxverbandes überlegt, wie man das Amateurboxen noch transparenter, noch attraktiver gestalten könnte. Die Fans und die Zuschauer der Faustkämpfer müssen sich auf einige Regeländerungen einstellen. Die gravierendste: der Kopfschutz entfällt.
Nicht aber im Frauen- und Nachwuchsbereich. In der Weltliga wird ohne Kopfschutz gekämpft. Man möchte das Amateurboxen immer mehr dem Profisport anpassen, um mehr Aufmerksamkeit auch in den Medien zu erhalten, sagt Michael Döring, Mannschaftsleiter der Bundesligaboxer des Nordhäuser SV.
Diese Regelung birgt Gefahren: das Verletzungsrisiko steigt. Wenn die Boxer im Nahkampf mit ihren Köpfen zusammenrangeln, dann ist die Gefahr beispielsweise einer Augenverletzung um einiges höher als mit Schutz. Beobachtet hat Döring die Umsetzung der Regelung bereits Anfang September bei den Deutschen Meisterschaften in Oldenburg. Und das nicht unbedingt mit einem guten Gefühl. Was massiv auffiel, waren die Cutverletzungen über den Augen.
Fallen dadurch ein, zwei Aktive in einer Gewichtsklasse aus, dann wird es schon schwierig einen gleichwertigen Ersatz zu finden. Für den Fall einer Verletzung über den Auge müssen die Trainer eine zusätzliche sogenannte Cutman-Ausbildung absolvieren, um den Sportler im Notfall in der Ringecke zu behandeln. Auch für einige Sportler stellt die Änderung eine extreme Umstellung dar. Diese Regelung kommt vor allem all denen entgegen, die einen auf Angriff orientierten Kampfstil haben.
Neben den Risiken gibt es auch positive Aspekte: So hat der Sportler ohne seinen Kopfschutz ein besseres Sichtfeld. Er ist nicht mehr eingeschränkt. Der Boxer bekommt ein Gesicht, so dass ihn auch die Zuschauer besser sehen können. Das ist für beide Seiten ein anderes Boxen, erläutert Döring die Vorteile.
Neu geregelt wird zudem das Gewicht der Handschuhe: Bis 64 Kilogramm wird nun mit zehn Unzen (entspricht 283,5 Gramm) gekämpft und die schweren Gewichtsklassen steigen mit zwölf Unzen (entspricht 340,2 Gramm) in den Ring. Der Verein muss für einen entsprechenden Satz für die Heim- und die Gastmannschaft sorgen. Unser Lieferant hat bereits Probleme bei der Auslieferung, weil fast alle Vereine aufgrund der neuen Regelung bei ihm bestellt haben, weiß Döring.
Mehr Transparenz verspricht man sich vom ten point must system. Jeder der sechs Boxer in seiner jeweiligen Gewichtsklasse kämpft vier Runden á drei Minuten. Bewertet werden die Kämpfe von drei Punktrichtern, die nun mehr auf den Kampfverlauf, die Technik und die Taktik schauen. Bewertet wird nach jeder Runde, ein Unentschieden gibt es nicht mehr. Der Punktrichter muss sich nach jeder Runde entweder für rot oder blau festlegen, erklärt Döring.
Der Sieger pro Runde erhält zehn Punkte, der Unterlegende je nach Aktivität neun beziehungsweise weniger Zähler. Aktuell steht in den Statuten geschrieben, dass es keine Zwischenanzeigen nach den jeweiligen Runden geben wird. Nach vier Durchgängen werden die Punkte addiert. Der Ringrichter zeigt durch Heben der jeweiligen Arms an, wer den Kampf gewonnen hat - ein Unentschieden ist ebenfalls noch möglich. Spannung ist bei den kommenden Boxabenden also weiterhin garantiert. Und das nicht nur, weil der sichere Kopfschutz entfällt.
Sandra Arm, Johann Reinhardt


