Di, 10:56 Uhr
22.10.2013
Ernst Tollers Schwalbenbuch
Am Wochenende wird in Limlingerode der Schriftsteller Ernst Toller mit seinem Gedichtzyklus Das Schwalbenbuch vorgestellt. Er wurde am 1. Dezember 1893, also vor 120 Jahren, im heutigen Polen als Sohn eines jüdischen Getreidehändlers geboren und hatte mit dem Studium der Rechtswissenschaft in Grenoble begonnen, als der 1. Weltkrieg ausbricht...
Karin Kisker: Aufzeichnungen zu Verszeichen (Foto: Archiv Kneffel)
Der 20-Jährige meldet sich wie viele andere im August 1914 freiwillig. Bei Kämpfen vor Verdun im Januar 1917 wird er schwer verwundet aus dem Heer entlassen. Toller verabscheut nun den Krieg und wird ein sozialistischer Revolutionär. Sein Studium setzt er in München und Heidelberg in Philosophie und Literaturwissenschaft fort.
Mit Kurt Eisner organisiert Toller 1918 die großen Anti-Kriegs-Streiks in München. In der nur kurze Zeit existierenden Münchner Räterepublik hat er wichtige Positionen inne. Als die Revolution scheitert, wird in München auf Plakaten nach ihm gefahndet: Toller ist von schmächtiger Statur und etwa 1,65 bis 1,68 Meter groß, hat ein blasses Gesicht, trägt keinen Bart, hat große braune Augen, scharfen Blick, schließt beim Nachdenken die Augen, hat dunkle beinahe schwarze wellige Haare, spricht schriftdeutsch.
10.000 Mark Belohnung sind für das Ergreifen ausgesetzt. Er wird gefasst und im Juni 1919 wegen Hochverrats zu fünf Jahren Festungshaft in Niederschönenfeld verurteilt. Ein vergleichsweise mildes Urteil, denn Mitkämpfer werden hingerichtet. Die Jahre im Gefängnis werden seine künstlerisch produktivsten.
In der Zelle, oft heimlich und im Kerzenschein, schreibt er die Dramen Masse Mensch, Die Maschinenstürmer, Hinkemann und Der entfesselte Wotan. Es sind Zeitstücke, verwurzelt in der Weimarer Republik. Ein Glanzstück seiner dichterischen Leistung wird das große Gedicht: Das Schwalbenbuch, das er 1923 im Festungs-Gefängnis verfasst. In meiner Zelle nisteten im Jahr 1922 zwei Schwalben … Von den Ufern des Senegal, vom See Omandaba kommt ihr, meine Schwalben, von Afrikas heiliger Landschaft. Seine damals entstandene Autobiografie endet 1924 mit seiner Entlassung: Ich bin 30 Jahre, mein Haar wird grau. Ich bin nicht müde.
Karin Kisker: Aufzeichnungen zu Verszeichen (Foto: Archiv Kneffel)
In der Endphase der Weimarer Republik erhält Toller immer wieder Morddrohungen, Nazi-Trupps stören die Aufführungen seiner Stücke, Goebbels bezeichnet ihn als Staatsfeind Nummer eins. 1933 emigriert er über die Schweiz, Frankreich nach England und ab 1936 in die USA. Seine Stücke werden in Deutschland verboten, seine Bücher verbrannt, sein Eigentum beschlagnahmt. Als Künstler verstummt Toller fast vollständig, als politischer Mensch nicht.
Aus dem Exil kämpft er weiter gegen das Nazi-Regime, hält über 200 Ansprachen, Vorträge und Rundfunkreden. Er ist eine der wichtigsten und meist gehörten Stimmen eines anderen Deutschlands. Am 22. Mai 1939, wenige Tage nach der Siegesparade Francos in Spanien, gibt Toller auf - er erhängt sich im New Yorker Mayflower-Hotel mit dem Gürtel seines Bademantels, 45 Jahre alt.
In der Langen Reihe 11 in Limlingerode sind noch bis Ende Dezember die variationsreichen farbigen Zeichnungen und solche in Schwarz-Weiß von der Künstlerin Karin Kisker unter dem Titel Aufzeichnungen zu Verszeichen ausgestellt und käuflich zu erwerben.
Heidelore Kneffel
Am 26. Oktober ab 14.30 Uhr
Autor: red
Karin Kisker: Aufzeichnungen zu Verszeichen (Foto: Archiv Kneffel)
Der 20-Jährige meldet sich wie viele andere im August 1914 freiwillig. Bei Kämpfen vor Verdun im Januar 1917 wird er schwer verwundet aus dem Heer entlassen. Toller verabscheut nun den Krieg und wird ein sozialistischer Revolutionär. Sein Studium setzt er in München und Heidelberg in Philosophie und Literaturwissenschaft fort. Mit Kurt Eisner organisiert Toller 1918 die großen Anti-Kriegs-Streiks in München. In der nur kurze Zeit existierenden Münchner Räterepublik hat er wichtige Positionen inne. Als die Revolution scheitert, wird in München auf Plakaten nach ihm gefahndet: Toller ist von schmächtiger Statur und etwa 1,65 bis 1,68 Meter groß, hat ein blasses Gesicht, trägt keinen Bart, hat große braune Augen, scharfen Blick, schließt beim Nachdenken die Augen, hat dunkle beinahe schwarze wellige Haare, spricht schriftdeutsch.
10.000 Mark Belohnung sind für das Ergreifen ausgesetzt. Er wird gefasst und im Juni 1919 wegen Hochverrats zu fünf Jahren Festungshaft in Niederschönenfeld verurteilt. Ein vergleichsweise mildes Urteil, denn Mitkämpfer werden hingerichtet. Die Jahre im Gefängnis werden seine künstlerisch produktivsten.
In der Zelle, oft heimlich und im Kerzenschein, schreibt er die Dramen Masse Mensch, Die Maschinenstürmer, Hinkemann und Der entfesselte Wotan. Es sind Zeitstücke, verwurzelt in der Weimarer Republik. Ein Glanzstück seiner dichterischen Leistung wird das große Gedicht: Das Schwalbenbuch, das er 1923 im Festungs-Gefängnis verfasst. In meiner Zelle nisteten im Jahr 1922 zwei Schwalben … Von den Ufern des Senegal, vom See Omandaba kommt ihr, meine Schwalben, von Afrikas heiliger Landschaft. Seine damals entstandene Autobiografie endet 1924 mit seiner Entlassung: Ich bin 30 Jahre, mein Haar wird grau. Ich bin nicht müde.
Karin Kisker: Aufzeichnungen zu Verszeichen (Foto: Archiv Kneffel)
In der Endphase der Weimarer Republik erhält Toller immer wieder Morddrohungen, Nazi-Trupps stören die Aufführungen seiner Stücke, Goebbels bezeichnet ihn als Staatsfeind Nummer eins. 1933 emigriert er über die Schweiz, Frankreich nach England und ab 1936 in die USA. Seine Stücke werden in Deutschland verboten, seine Bücher verbrannt, sein Eigentum beschlagnahmt. Als Künstler verstummt Toller fast vollständig, als politischer Mensch nicht. Aus dem Exil kämpft er weiter gegen das Nazi-Regime, hält über 200 Ansprachen, Vorträge und Rundfunkreden. Er ist eine der wichtigsten und meist gehörten Stimmen eines anderen Deutschlands. Am 22. Mai 1939, wenige Tage nach der Siegesparade Francos in Spanien, gibt Toller auf - er erhängt sich im New Yorker Mayflower-Hotel mit dem Gürtel seines Bademantels, 45 Jahre alt.
In der Langen Reihe 11 in Limlingerode sind noch bis Ende Dezember die variationsreichen farbigen Zeichnungen und solche in Schwarz-Weiß von der Künstlerin Karin Kisker unter dem Titel Aufzeichnungen zu Verszeichen ausgestellt und käuflich zu erwerben.
Heidelore Kneffel
Am 26. Oktober ab 14.30 Uhr

