Fr, 18:42 Uhr
20.09.2013
Rätselhaftes "Abendmahl" im Tabakspeicher
Die Person des italienischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci und sein berühmtes Wandgemälde "Das Abendmahl" standen im Mittelpunkt einer spannenden und mit Musik untermalten Präsentation am Donnerstagabend im Museum Tabakspeicher. Für die "nnz" war Hans-Georg Backhaus dabei...
Vortrag im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Im Rahmen der beliebten Veranstaltungsreihe Kunst, Gott und die Welt nahm der aus Nordhausen stammende Kunsthistoriker und Theologe Walter Martin Rehahn seine Gäste mit auf eine Reise in das macht-politisch zersplitterte Italien des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Dabei fokusierte er seine Ausführungen auf eine Künstlerpersönlichkeit, die (fast) ohne Beispiel ist: Leonardo da Vinci.
Der kam am 15. April 1452 in einem kleinen Dorf Nähe der Stadt Vinci als unehelicher Sohn eines Notars zur Welt. Die Mutter stand als Magd im Dienste des Vaters. Leonardo fand aber gute Aufnahme in der Familie. Lesen und Schreiben erlernte er nur mühsam. Doch der Vater förderte ihn, erkannte er doch in seinem Sohn dessen vielseitige Talente. Schon bald schickte er ihn nach Florenz zu einem Bekannten namens Andrea del Verocchio - einem einflussreichen Restaurator und Bildhauer jener Zeit. Dort stellte Leonardo alsbald seine künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis. Seine frühe Meisterschaft und Genialität zeigte sich schon in den ersten Werken, wie beisspielsweise in dem Gemälde "Madonna mit der Nelke" oder im Porträt "Ginevra de` Benci". In der Person da Vinci waren Maler und Bildhauer, Restaurator und Erfinder vereint. Ihn faszinierten Maschinen, er befasste sich mit Wehrtechnik und Festungsbau, mit dem Menschen und der Natur. Tausende von Zeichnungen existieren von ihm, Erläuterungen sind in Spiegelschrift abgefasst. Leonardo hatte keine Kinder, war möglicherweise homosexuell veranlagt.
Zu seinen bekanntesten Werken aber zählen zweifellos die "Mona Lisa" und "Das Abendmahl". Letzteres entstand ab 1495 im Auftrag des Herzogs Ludovico Sforza im Refektorium (Speisesaal) des Klosters Santa Maria delle Grazie. In sorgfältigen Einzelstudien bereitete Leonardo die Köpfe der 12 Apostel vor, ihre Mimiken und Gesten. Probleme bereiteten ihm die Feuchtigkeit der Mauer und das Experimentieren mit organischen Farben. Das hatte zur Folge, dass das Gemälde schon zu Lebzeiten da Vincis schwer geschädigt wurde.
Über weite Flächen blätterte die Farbe ab. Zu allem Übel wurde noch eine Tür in die Wand eingebaut. Und dieser fielen die Füße Jesu zum Opfer, die ursprünglich noch dargestellt waren. Zudem war seine Arbeitsweise von unterschiedlicher Intensität geprägt: Mal fand er kein Ende beim Malen, vergaß gar Essen und Trinken. Dann gab es Tage, an denen er nur ruhte.
Da Vincis "Abendmahl" lehnt sich an frühere Darstellungen an, präsentiert sich aber lebhafter. Er verzichtet auf die üblichen Heiligenscheine, ebenso auf die bildhafte Ausgrenzung des Judas als Verräter. Die Apostel sind in vier Gruppen dargestellt, die auf die Worte Jesu "Einer von euch wird mich verraten" ganz unterschiedlich reagieren. Bezeichnend beispielsweise die Gruppe mit Petrus, Judas und Johannes: Judas sitzt im Halbschatten und hat schon den Geldbeutel (Belohnung für seinen Verrat an die römischen Soldaten) bei sich.
Die angedeutete Drehung drückt die Abwendung von den Aposteln aus, die die Worte ihres Herrn kaum begreifen und dies schließlich auf unterschiedliche Art zum Ausdruck bringen. Jesus ist im roten Gewand und einem blauen Überwurf dargestellt. Seine Bedeutung wird durch den dargestellten Lichteinfall in besonderer Weise hervorgehoben. An seiner Seite sein Lieblingsjünger Johannes, der den Kopf beugend und auf den Tisch sich stützend, dargestellt ist. Also anders, als es die Bibel beschreibt. Dort heißt es: Johannes lag an der Brust Jesu. Das Gemälde hat eine Größe von 460 X 880 cm und seine Ausführung wird als Secco-Malerei (Trockenmalerei) bezeichnet.
Insgesamt gab es sieben Restaurierungsversuche, die allesamt problematisch verliefen. Erst bei der jüngsten Restaurierung (1978 bis 1999) gelang es mittels moderner Techniken, den weiteren Verfall des Bildes aufzuhalten. Heute steht das berühmte Werk unter besonderem Schutz. Nur in kleinen Gruppen von höchstens 25 Besuchern dürfen für 15 Minuten in das Refektorium, um eines der bekanntesten Werke Leonardo da Vincis zu bewundern.
Das Publikum dankte Walter Martin Rehahn, der bereits zum dritten Mal im Tabakspeicher weilte, mit reichlichem Beifall. Und der bot an, im nächsten Jahr mit einem neuen Vortrag über eine ebenso bekannte Persönlichkeit zu referieren, was nicht nur von Museumsleiter Jürgen Rennebach mit Freude aufgenommen wurde.
Hans-Georg Backhaus
Autor: red
Vortrag im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Im Rahmen der beliebten Veranstaltungsreihe Kunst, Gott und die Welt nahm der aus Nordhausen stammende Kunsthistoriker und Theologe Walter Martin Rehahn seine Gäste mit auf eine Reise in das macht-politisch zersplitterte Italien des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Dabei fokusierte er seine Ausführungen auf eine Künstlerpersönlichkeit, die (fast) ohne Beispiel ist: Leonardo da Vinci. Der kam am 15. April 1452 in einem kleinen Dorf Nähe der Stadt Vinci als unehelicher Sohn eines Notars zur Welt. Die Mutter stand als Magd im Dienste des Vaters. Leonardo fand aber gute Aufnahme in der Familie. Lesen und Schreiben erlernte er nur mühsam. Doch der Vater förderte ihn, erkannte er doch in seinem Sohn dessen vielseitige Talente. Schon bald schickte er ihn nach Florenz zu einem Bekannten namens Andrea del Verocchio - einem einflussreichen Restaurator und Bildhauer jener Zeit. Dort stellte Leonardo alsbald seine künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis. Seine frühe Meisterschaft und Genialität zeigte sich schon in den ersten Werken, wie beisspielsweise in dem Gemälde "Madonna mit der Nelke" oder im Porträt "Ginevra de` Benci". In der Person da Vinci waren Maler und Bildhauer, Restaurator und Erfinder vereint. Ihn faszinierten Maschinen, er befasste sich mit Wehrtechnik und Festungsbau, mit dem Menschen und der Natur. Tausende von Zeichnungen existieren von ihm, Erläuterungen sind in Spiegelschrift abgefasst. Leonardo hatte keine Kinder, war möglicherweise homosexuell veranlagt.
Zu seinen bekanntesten Werken aber zählen zweifellos die "Mona Lisa" und "Das Abendmahl". Letzteres entstand ab 1495 im Auftrag des Herzogs Ludovico Sforza im Refektorium (Speisesaal) des Klosters Santa Maria delle Grazie. In sorgfältigen Einzelstudien bereitete Leonardo die Köpfe der 12 Apostel vor, ihre Mimiken und Gesten. Probleme bereiteten ihm die Feuchtigkeit der Mauer und das Experimentieren mit organischen Farben. Das hatte zur Folge, dass das Gemälde schon zu Lebzeiten da Vincis schwer geschädigt wurde.
Über weite Flächen blätterte die Farbe ab. Zu allem Übel wurde noch eine Tür in die Wand eingebaut. Und dieser fielen die Füße Jesu zum Opfer, die ursprünglich noch dargestellt waren. Zudem war seine Arbeitsweise von unterschiedlicher Intensität geprägt: Mal fand er kein Ende beim Malen, vergaß gar Essen und Trinken. Dann gab es Tage, an denen er nur ruhte.
Da Vincis "Abendmahl" lehnt sich an frühere Darstellungen an, präsentiert sich aber lebhafter. Er verzichtet auf die üblichen Heiligenscheine, ebenso auf die bildhafte Ausgrenzung des Judas als Verräter. Die Apostel sind in vier Gruppen dargestellt, die auf die Worte Jesu "Einer von euch wird mich verraten" ganz unterschiedlich reagieren. Bezeichnend beispielsweise die Gruppe mit Petrus, Judas und Johannes: Judas sitzt im Halbschatten und hat schon den Geldbeutel (Belohnung für seinen Verrat an die römischen Soldaten) bei sich.
Die angedeutete Drehung drückt die Abwendung von den Aposteln aus, die die Worte ihres Herrn kaum begreifen und dies schließlich auf unterschiedliche Art zum Ausdruck bringen. Jesus ist im roten Gewand und einem blauen Überwurf dargestellt. Seine Bedeutung wird durch den dargestellten Lichteinfall in besonderer Weise hervorgehoben. An seiner Seite sein Lieblingsjünger Johannes, der den Kopf beugend und auf den Tisch sich stützend, dargestellt ist. Also anders, als es die Bibel beschreibt. Dort heißt es: Johannes lag an der Brust Jesu. Das Gemälde hat eine Größe von 460 X 880 cm und seine Ausführung wird als Secco-Malerei (Trockenmalerei) bezeichnet.
Insgesamt gab es sieben Restaurierungsversuche, die allesamt problematisch verliefen. Erst bei der jüngsten Restaurierung (1978 bis 1999) gelang es mittels moderner Techniken, den weiteren Verfall des Bildes aufzuhalten. Heute steht das berühmte Werk unter besonderem Schutz. Nur in kleinen Gruppen von höchstens 25 Besuchern dürfen für 15 Minuten in das Refektorium, um eines der bekanntesten Werke Leonardo da Vincis zu bewundern.
Das Publikum dankte Walter Martin Rehahn, der bereits zum dritten Mal im Tabakspeicher weilte, mit reichlichem Beifall. Und der bot an, im nächsten Jahr mit einem neuen Vortrag über eine ebenso bekannte Persönlichkeit zu referieren, was nicht nur von Museumsleiter Jürgen Rennebach mit Freude aufgenommen wurde.
Hans-Georg Backhaus




