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Mi, 12:19 Uhr
18.09.2013

Hunderter gegen Pumpspeicherwerk

Sechs Langstreckenwanderer begaben sich am vergangenen Wochenende auf die 103 Kilometer lange Strecke des 9. Harz-Hunderters. Nach übereinstimmender Meinung der Teilnehmer gehörte er zu den schwersten der bisher im Harz von Bodo Schwarzberg geführten Touren...

Gewandert (Foto: B. Schwarzberg) Gewandert (Foto: B. Schwarzberg)

Hierzu trugen vor allem die schweren Anstiege bei, die sich wiederum vor allem aus der Position der anzuwandernden 13 Harzer Wandernadeln ergaben. Insgesamt mussten die Wanderer aus Berlin, Dresden, dem Raum Halle und Nordhausen mehrmals auf zum Teil sehr kurze Distanzen mehrere Hundert Höhenmeter bewältigen, so zwischen Nordhausen und der Burgruine Hohenstein, zwischen Stolberg und dem Birkenkopf bzw. Poppenberg, zwischen Ilfeld und der Wetterfahne auf dem Herzberg und zwischen Ellrich und dem Aussichtspunkt Roter Schuss im Ellricher Stadtwald und in der Fortsetzung bis zum Jägerfleck bei Rothesütte.

Die Tour sei genau nach dem Geschmack der Wanderprofis gewesen, so Schwarzberg gegenüber der nnz. Hierzu hätten natürlich auch die Einkehren beigetragen: Besonderer Dank geht an das Ehepaar Leukefeld vom Gasthaus Sägenmühle (nach 19 km), Herrn Schmidt vom Hotel Harzparadies in Ilfeld nach 52 km (und dessen nette Bedienung) und dem Ehepaar Pförtner von der Gaststätte Waldfrieden in Rothesütte (zum Frühstück nach 90 km).

Die Tour führte über Neustadt nach Stolberg, von dort in Richtung Hufhaus/Poppenberg, dann nach Ilfeld, hinauf zur Wetterfahne und dann wieder hinab in Richtung Appenrode und Ellrich. Durch die Gedenkstätte Juliushütte und den Ellricher Stadtwald ging es auf dem Grenzweg schließlich hinauf bis zum Jägefleck. Die Langstreckenwanderung endete mit dem "Abstieg" durch das Steinmühlental bis zum Ziel Ilfeld.

Allerdings gab es auch kleinere Unregelmäßigkeiten während der Tour: "Zwischen Stolberg und der Breitensteiner Chaussee habe ich mich wegen eines Fehlers in der eigenen Wegbeschreibung kräftig verlaufen. In dem Glauben, dass auch die anderen, kurz vor mir laufenden Teilnehmer den verkehrten Weg eingeschlagen haben, ging ich jedoch weiter, um sie einzuholen und um sie auf den richtigen Weg zurückzuführen, traf aber auf niemanden. So kam ein gehöriger Umweg zustande, der mich anderthalb Stunden kostete", so der Wanderleiter. Allerdings wanderten die Teilnehmer insgesamt erfolgreich nach seiner dreiseitigen, detaillierten Wegbeschreibung.

Schwarzberg holte die Gruppe in Ilfeld erst zur Abendbrotpause im Hotel Harzparadies gemeinsam mit der einzigen Teilnehmerin, Katrin Behrend aus Dresden, wieder ein. Katrin Behrend absolvierte im Südharz übrigens ihren 342. Hunderter.

Desolate Ausschilderung

Diese genaue Routenbeschreibung war notwendig, weil das Südharzer Wegesystem fast durchweg lückenhaft ausgeschildert ist. Dies wurde von praktisch allen Teilnehmern bemängelt. Der Südharzer Tourismusverband könne einfach nicht von Erfolgen sprechen, wenn die grundlegende Infrastruktur des von ihm favorisierten sanften Tourismus nicht gegeben ist, so Schwarzberg.

Das gilt übrigens auch für den Landkreis Mansfeld Südharz. Für eine ordentliche Bezahlung würde sich Schwarzberg bereit erklären, künftig das Wegesystem im Gebiet ein wenig besser auszustatten. "Damit man sich gegenüber anderen Wandergebieten in Mitteldeutschland nicht mehr schämen müsse", so der Nordhäuser.

Zerstörte Wandernadeln

Erst vor wenigen Tagen hatte Schwarzberg die intakten Wandernadeln im Gebiet gelobt. "Zur Tour aber fanden wir allerdings schon wieder die Stempel am Roten Schuss und am Dreiländereck bei Rothesütte (90 bzw. 47) ohne Stempelgummi vor. Innerhalb weniger Tage haben egoistische Souvenierjäger das Stempelsammeln offenbar falsch ausgelegt ", sagt er.

Waschküchenwetter mit Schirm

Ein häufiger Begleiter der Wanderer waren Sprühregen und des nachts im Bereich von Birkenkopf und Poppenberg z.T. die Orientierung erschwerende Nebelbänke. Am besten sei es gewesen, keine langen Pausen zu machen, um sich durch die auf die Haut durchdringende Feuchtigkeit nicht auskühlen zu lassen, so der Wanderleiter. Das wichtigste Utensil bei Regenwetter ist für die Teilnehmer übrigens nicht etwa ein Ostfriesennerz, sondern ganz unspektakulär ein Schirm.

Erst gegen Ende der Tour klarte es auf. "Das Steinmühlental passierten wir bei herrlichem Sonnenschein", so Schwarzberg.

Unsägliches Vorhaben

Das wichtigste Ziel der Wanderung aber bestand darin, den Teilnehmern mit den ausgedehnten Buchenwäldern zum einen den Schatz schlechthin zu zeigen, den unsere Region gemeinsam mit dem Gipskarst unverwechselbar macht, und zum Zweiten das Desaster, das ihnen zwischen Rothesütte und Appenrode durch den Plan droht, dort ein Pumpspeicherwerk zu errichten. So passierten die Wanderer nach 91 km den unmittelbar bei Rothesütte gelegenen Kleinen Ehrenberg, der mit naturnahem Buchenwald bestockt ist.

Letzterer und der Berg selbst sollen dem Oberbecken geopfert werden. Hinzu kämen Zufahrten, Lärm durch Tausende LKW über Jahre und damit die Entwertung eines ruhigen, wunderschönen und artenreichen Landschaftsausschnittes, zugunsten des Profites. Auf all dies wurde mit großem Unverständnis reagiert.

Ab Oktober wird es weitere Aktivitäten gegen die unglaublichen Pläne geben, die u.a. das Ziel haben, auch die überregionale Öffentlichkeit von den unverantwortlichen Zielen einiger Weniger zu informieren und gegen das Projekt zu gewinnen.

Nächster Hunderter im Oktober

Am 26. und 27.10. findet zum 17. Mal der Südharz-Hunderter statt. Wie immer zu dieser Zeit führt Schwarzberg die Wanderer entlang des herbstlichen Südharzrandes von Nordhausen nach Halle.

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Autor: red

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Kommentare
alex3008
18.09.2013, 18:25 Uhr
Schwierig
Ich wohne in der betroffenen Region und finde das Projekt gut. Überall wird die Energiewende propagiert und alle finden Umweltschutz toll. Dazu müssen aber regenerierbare und alternative Energien genutzt werden. Dazu wird in der Regel Fläche benötigt. Die soll aber bitte immer da liegen, wo "wir" gerade nicht wohnen. So funktioniert das aber eben nicht.

Zudem fand ich die Projektvorstellung im Sommer sehr interessant. Die Mittel, die diese Firma in Ausgleichsmaßnahmen investieren wird, braucht die Stadt dringend für Projekte, wo hier das Geld fehlt.

Mir fällt da spontan die Straße nach Rothesütte und das eine oder andere Objekt in Sülzhayn, der nicht vorhandene bzw. sanierungsbedürftige Spielplatz in Appenrode oder auch die Ortsdurchfahrt von Appenrode nach Ilfeld ein und noch so einiges. Zudem muss und wird die Firma, soweit denn hier gebaut wird, auch Ausgleichsmaßnahmen im Umweltbereich mitfinanzieren müssen und da sollte man erstmal die Pläne abwarten, bevor man alles verteufelt.
Harzer_jung
18.09.2013, 19:46 Uhr
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Wolfi65
19.09.2013, 03:02 Uhr
Na dann doch lieber ein AKW
Bei alleim Einsatz für die Natur.
Irgendwie muss ja der Strom produziert werden.
Aber bitte nicht hier, oder wie?
Dann doch lieber ein AKW "Goldene Aue".
Die ursprüngliche Landschaft kann erhalten bleiben und Atomunfälle und Erdbeben gibt es nur in Japan und Rußland.
Die Fässer gleich im Salzstock Sondershausen usw. entsorgt und so spart man sich lange und gefährliche Transportwege.
Es kann nichts passieren!Ehrlich!
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