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Di, 12:31 Uhr
20.04.2004

Schöne neue Welt?

Nordhausen (nnz). Es war im Jahr 1492, da entdeckte Kolumbus Amerika. Was da vor über 500 Jahren passierte, das schwappt nun auf uns Deutsche zurück. Nicht nur mit Coke oder Fast Food, sondern auch mit wesentlich unangenehmeren Erscheinungen...


Der DGB machte heute in der nnz aufmerksam auf die Veränderungen, die sich mit Hartz-Gesetzen ab dem kommenden Jahr ergeben. Bei intensiver Suche im Archiv der nnz finden aufmerksame Leser zum Thema Langzeitarbeitslosigkeit bereits einige Beiträge. Es geht um die Leistungen, die das Arbeitslosengeld II mit sich bringen wird. Betroffen sind davon nicht nur Randgruppen, sondern allein im Landkreis Nordhausen Tausende Männer und Frauen.

Nach der jüngsten Statistik der Agentur für Arbeit sind das 4.040 oder etwa 40 Prozent der derzeit arbeitslos gemeldeten Menschen. Nun werden einige Politiker oder Wirtschafts-Sachverständige sagen können, wer länger als ein Jahr keinen Job hat, der ist entweder zu faul oder zu fein einen anderen anzunehmen. Das mag auf Regionen wie München, Frankfurt oder Hamburg durchaus noch zutreffen, vielleicht auch noch in Eisenach oder Jena. Aber wo in Nordhausen gibt es Arbeit, die bezahlt werden kann.

Wo es noch Arbeit gibt, da wird sie zu Billigpreisen angeboten. Menschen mit Ausbildung müssen in Ihrem Job doch heute schon bis zu zehn Stunden und mehr arbeiten. Bezahlt werden ihnen jedoch nur acht, und dann zu Stundenlöhnen unter fünf Euro. Das mag ja auch alles noch angehen, wenn man mit einem Bruttolohn von rund 1.000 Euro über die Runden kommen würde und vielleicht noch eine Familie ernähren könnte.

Doch bleiben wir bei Amerika, diesem vor 500 Jahren entdeckten Landstrich. Na klar, da glitzern die gläsernen Fassaden von L.A., Las Vegas oder New York. Doch wer schon mal das Land der unbegrenzten Möglichkeiten besucht hat, der hätte sich vielleicht auch dort umsehen sollen, wo das Elend zu Hause ist. Und genau diesen Kontrast zwischen Extremreich und Extremarm, den werden wir mitten in Deutschland in den kommenden Jahren kennen lernen.

Und selbst wenn ein normaler Mensch dann irgendwann vier oder fünf Jobs hat und 18 Stunden am Tag unterwegs ist, dann wird der Erlös der Schufterei vielleicht gerade zum Überleben reichen. So wird es kommen, sagte unlängst ein alter Visionär der CDU, Heiner Geisler, und verstand die Welt nicht mehr. Und selbst wenn schließlich alle Arbeitswilligen aus dem Osten in den West gezogen sind, selbst dann werden deutsche Unternehmen weiter ostwärts ziehen. Denn zum Beispiel in China, da gibt es noch genügend zu verdienen. Da leben nicht nur eine Milliarde Konsumenten, die beiläufig in Konzernzentralen auch Menschen genannt werden, dass gibt es momentan ein Lohnkostenniveau, das nicht einmal zehn Prozent des deutschen entspricht.

Und wenn dann wirklich, aber auch wirklich alles amerikanisiert ist, dann wundern sich die ersten Unternehmen im amerikanischen Germany, warum sie in Deutschland keine Dachziegeln, keine Heinzungen, keine deutschen Autos oder keine Qualitätswurst mehr verkaufen können. In Deutschland wird in der Breite keine Qualität mehr gefragt sein, weil sie nicht mehr bezahlt werden kann. Ausnahmen werden wie immer die Regel bestätigen: Von denen, die sich bei und in den amerikanischen Verhältnissen immer noch pudelwohl fühlen werden.
Und nun raten Sie mal, wer das sein wird....
Weitere Meinungen zu dieser Thematik sind ausdrücklich erwünscht
Autor: nnz

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