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Mo, 06:45 Uhr
19.04.2004

nnz-Betrachtung: Herdentrieb

Nordhausen (nnz). Selbst die Redaktion der kleinen nnz erhält pro Woche unzählige Pressemitteilungen. In Wahlkampfzeiten sind es viel mehr. Da geht es um Statements, An- und Absichten oder es geht um Meinungen. Doch sind es oft auch die eigenen? Dazu eine Betrachtung.


Jüngstes Beispiel ist die Abgabe, die Unternehmen zu zahlen haben, die weniger Ausbildungsplätze anbieten, als das nach einer Formel richtig wäre. Die SPD ist weitestgehend für eine solche Abgabe, nachdem sich deren neuer Chef vor Wochen dafür positioniert und die Linke befriedet hatte. Und somit sind vermutlich alle Genossen – von Berlin bis nach Nordhausen – auch für die Abgabe. Ob es nun Mitglieder des sozialdemokratischen Bundesvorstandes, des Landesvorstandes oder des Nordhäuser Ortsvereins sind: Sie alle meinen, diese Abgabe ist mehr oder weniger richtig. Die nnz unterstellt jetzt mal, dass diese Meinung auch die ureigenste der Herren Münterfering, Matschie oder Wieninger ist.

Was würde aber nun passieren, wenn die Lenker der Parteien plötzlich zu einer anderen Ansicht kommen würden? Nehmen wir mal an: Die SPD in Berlin wäre nun gegen eine Ausbildungsplatzabgabe – würden dann die Vorstände in Erfurt und in Nordhausen auch gegen diese Abgabe sein? Natürlich, denn sie wäre dann ja unvernünftig.

Ähnlich wäre es doch auch bei der CDU. Angenommen: Die wäre – in Person von Frau Merkel oder Herrn Stoiber - für die Abgabe. Und sofort wäre der Rest der christdemokratischen Partei auch dafür. Dann hätte zum Beispiel Herr Primas in der vergangenen Woche einem Unternehmer in Niedersachswerfen erklären müssen, wie toll er die Abgabe findet. Und Herr Wieninger müsste dem Wahlvolk sagen, wie unverschämt das alles sei.

Diese Fiktionen wären jedoch nicht nur bei SPD oder CDU äußerst interessant. Ähnlich würde es doch den Grünen ergehen, wenn deren Bundesvorstand plötzlich für einen verstärkten Bau von Autobahnen und gegen die Windkraft wäre. Oder bei den Liberalen, wenn Herr Westerwelle oder Frau Pieper sich für Steuererhöhungen aussprechen würden.

Fazit: Bei den Parteien funktioniert die Meinungsbildung immer, aber auch immer von oben nach unten. Oben sind die Meinungsmacher, unten die Meinungsempfänger. Und da scheint es letztlich vollkommen egal, welche Meinung mit welchem Inhalt gemacht wird. Die Leittiere geben die Richtung vor, der Herde trampelt mit.

Einmal, im vergangenen Jahr, da hätte sich diese Betrachtung fast erübrigen können. Das war in jenen legendären Märztagen, da der sozialdemokratische Bundeskanzler seine Agenda 2010 dem Gemeinwesen und der SPD aufdrückte. Da wurde gemuckt, protestiert und fast meuterte die sozialdemokratische Seele. Doch was ist von dem Aufbegehren geblieben? Es waren klitzekleine Korrekturen, es war Kosmetik. Da wurden in den folgenden Monaten der Herde kleine Fressbrocken hingeworfen. Gierig wurden die aufgesammelt, die Herde indes rennt weiter hinterher. Hoffentlich nicht in ihr eigenes Verderben...
Oder was meinen Sie dazu?
Autor: nnz

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