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Di, 18:53 Uhr
20.08.2013

Immer mehr Ackerland unter Beton

Der nnz liegt die aktuelle Statistik aus dem Landwirtschaftsamt Bad Frankenhausen vor: Die Landwirte im Südharz nehmen derzeit 29 762 Hektar an Ackerflächen unter den Pflug. Das sind 386 Hektar weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Kurt Frank berichtet...


Die von der Landwirtschaft insgesamt genutzten Flächen betrugen 2011 noch 36282 Hektar. Heute sind es „nur“ noch 35616 ha. Und das Ackerland schrumpft weiter. Von Jahr zu Jahr. Wertvoller Boden kam und kommt unter Beton.

Durch den Bau der Autobahn 38 gingen den Landwirten hierzulande einschließlich der Ausgleichsflächen 1000 Hektar unwiederbringlich verloren. Gut 120 Hektar entfallen auf das Konto des Gewerbegebietes Goldene Aue. Die Versiegelung wertvollen Bodens setzt sich fort. Die Neutrassierung der Bundesstraße 243 wird auf einer Länge von 15 Kilometern eine Schneise durch die Landschaft des Südharzes schlagen.

Schwerlastverkehr belastet (Foto: K. Frank) Schwerlastverkehr belastet (Foto: K. Frank)

Die Umgehungsstrecke wünschen sich nicht nur Horst Bürgermeister und Georg Brockt aus Günzerode sehnlich herbei. Dann habe das Leiden ein Ende. Man könne wegen der Abgase der Brummis, die zeitweise fast im Minutentakt durch den Ort brettern (unser Bild), und des Lärms, den sie verursachen, nur bei geschlossenen Fenstern schlafen. Die Häuser litten unter den Erschütterungen. Die Trasse wäre für die Anwohner ein Segen. Ortsbürgermeister Gerold Reinhardt setzt sich vehement für die Umgehung ein.

Die neue B 243 aber kostet Land. Nicht gerade wenig. Winfried Ludolph, Planungschef im Nordthüringer Straßenbauamt Leinefelde, macht die Rechnung auf: Für den reinen Straßenbau benötige man 52 Hektar. Hinzu kämen für gesetzgeberische naturschutzrechtliche Maßnahmen als Ausgleich für die beanspruchten Flächen nochmals über 50 Hektar. Macht zusammen über 100, die für die Lebensmittelproduktion zu streichen sind. Uwe Kühne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und Chef der Agrargesellschaft Friedrichsthal, bedauert das.

Acker geht verloren (Foto: K. Frank) Acker geht verloren (Foto: K. Frank)

Zum Glück, sagt Kühne, tangiere seinen Betrieb die neue Trassenführung nicht. Er sei nicht generell gegen neue Straßen und Autobahnen, habe aber seine Zweifel, ob die Regelungen mit den Ausgleichsflächen immer gut durchdacht seien. Der Agrarbetrieb in Großwechsungen verliert hingegen 20 Hektar einschließlich der Autobahn und der neuen Anbindung an die alte B 243 (unser Bild). Etwa die gleiche Fläche geht der Agrargesellschaft Apex in Schiedungen verloren.

Max-Henning und Margarita Lücke, die in der Flarichsmühle wohnen und 150 Hektar liebevoll bewirtschaften, verlieren 18 Hektar. Wo heute noch Max-Henning mit Mähdrescher, Drillmaschine und Pflug über seine Felder zieht, werden über kurz oder lang die Straßenbau-Bagger zwischen der Mühle und Haferungen in Aktion treten.

Heute nur auf dem Papier stehend, morgen vielleicht schon Realität: Die B4 ab Sundhausen nach Hain ist vor allem kurvenreich. Die geplante neue Straßenführung, weiß Winfried Ludolph, belaufe sich auf 3,2 Kilometer, der Landverlust schon auf 20 Hektar, wovon 13 ha nur auf den Straßenbau entfallen. Derzeit nur in leisen Tönen hörbar, aber schon im Gespräch: Eine Westumfahrung Nordhausens. Sie wäre mit weiteren enormen Landverlust verbunden.

Die Kommunen plädieren: Die Umgehungsstraßen müssen zur Entlastung der Dörfer her! Die Bauern schmerzt es, wenn sie hören, was an Flächen versiegelt wurde und noch wird: Für Straßen, Wohnungsbau, Autobahnen, Gewerbegebiete. Sie wollen Nahrungsmittel künftig auch weiterhin hierzulande selbst produzieren und sie nicht aus fernen Ländern über weite Transportwege herbeischaffen lassen. Der Landentzug, ist man sich einig, müsse mal ein Ende haben.
Kurt Frank
Autor: red

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Kommentare
katertiger
21.08.2013, 07:26 Uhr
Und immermehr Umweltverschmutzungen
Wo bleibt der Ruf der "Grünen" damit endlich wieder mehr Waren über die Schiene transportiert werden. Davon hört man schon garnichts mehr. Der Benzinpreis sollte mit der Begründung von den "Grünen" erhöht werden, damit wir Bürger gezwungen werden, mehr Verkehrswege mit der Bahn zu nutzen.

Doch wer kann dies beruflich noch örtlich durch fehlende Einkaufsmöglichkeiten auf den Dörfern. Aber auch wenn sie dort wären, wir Bürger nehmen sie aus Kostengründen nicht an - günstigerer Einkauf im Supermarkt auf der grünen Wiese und der Betreiber des "Konsums" bleibt auf seiner Ware sitzen und gibt am Ende das Geschäft auf.
Retupmoc
21.08.2013, 08:05 Uhr
Toller Artikel
Alles ist gesagt. Und dazu braucht man keine Grünen. Einfach mehr einheimische Produkte kaufen, Thüringer Wurst oder Butter schmecken besser als die aus ....
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