Mo, 16:10 Uhr
09.04.2001
Die Geschichte der Freimaurerei aus berufenem Munde
Nordhausen (nnz). Um die 30 Interessenten hatten sich am Freitagabend im Haus der Loge "Zur Gekrönten Unschuld" in der Domstraße zu Nordhausen eingefunden, um den Ausführungen Wolfgang Niefts aus Kassel zu folgen. Das geheime Erbe der Templer in der Freimaurerei sollte das Thema des Abends sein, das den Anwesenden hinter blindverglasten Scheiben im Logenhaus dargeboten wurde. Im ersten Teil seiner Ausführungen ging Nieft auf die Entstehung, Entwicklung und die vermeintliche Auslöschung des Tempelordens ein. Vermeintlich, denn offenbar waren zu Beginn des 14. Jahrhunderts doch einige Templer den Verfolgungen durch Truppen des französischen Königs entgangen. (1307 wurden in einer Nacht- und Nebelaktion die Besitztümer der Templer erstürmt, die Templer festgenommen, jahrelang inhaftiert oder sogar wegen Ketzertums hingerichtet. Philip der Schöne wollte sich mit dieser Erstürmung den Besitz der Templer aneignen, so die Geschichtsschreibung.)
Obwohl 1340 hohe Würdenträger der Templer hingerichtet wurden, nachdem sie unter Folter Ketzerei zugegeben hatten, lassen sich Spuren der Templer auch später nachweisen, so Nieft. Nach den Quellen bot der schottische König Robert the Bruce den verbliebenen Templern Asyl an, was von einigen offenbar auch genutzt worden ist. Die gute Organisation des späteren Unabhängigkeitskrieges der Schotten gegen England läßt vermuten, daß die Templer ihr Wissen als Feldherren an die Schotten weitergegeben haben. Sie müssen die Feldzüge geleitet und aus den unorganisierten Schotten eine Armee geformt haben. Außerdem sollen die Templer schottische Adlige in ihren Kreis aufgenommen und ihr Wissen an sie weitervermittelt haben. Das belegen laut Nieft jüngst freigegebene Quellen. Es sind Dokumente aus Privatbibliotheken schottischer Adliger. Nieft geht deshalb davon aus, daß die Freimaurerei nicht, wie von vielen Historikern behauptet, aus Handwerkerbünden hervorging, sondern auf die Templer zurückzuführen ist.
Eine weitere Überlieferung, die den Einfluß der Templer auf die Freimaurerei belegen soll, ist die des sächsischen Freiherrn von Hund, der im 18. Jahrhundert in der Oberlausitz lebte. Von Hund will in Paris von Mitgliedern des geheimen Tempelordens angesprochen worden sein. Nach seinen Aussagen sei ihm aufgetragen worden, einen Ableger des Ordens in der Provinz zu gründen. In dem Gespräch will von Hund auch erfahren haben, daß einige Templer nach der Erstürmung ihrer Besitztümer nach Schottland geflohen seien und dort den Orden geheim weitergeführt hätten. Der sächsische Freiherr tat, wie ihm aufgetragen, und suchte für den neuen Orden geeignete Männer. Viele erlagen der Verlockung, bei Eignung schließlich in den richtigen Tempelorden aufgenommen zu werden. Allerdings ergab sich ein Problem für von Hund: Die Templer meldeten sich nach dem Gespräch in Paris entgegen ihren Versprechungen nie wieder bei ihm. Dadurch verlor von Hund an Glaubwürdigkeit, er starb schließlich vereinsamt und verbittert, die Existenz der Templer wurde angezweifelt.
Wolfgang Nieft präsentierte jedoch eine Erklärung, warum die Templer niemals wieder mit von Hund Kontakt aufgenommen hatten: Viele waren später in Gefangenschaft geraten, getötet worden oder ins Exil gegangen. Die verbliebenen mochten sich vor Verrat gefürchtet haben, schließlich hatte England hohe Kopfprämien für deren Ergreifung ausgesetzt. Von Hund war demnach kein Scharlatan, der seine Landsleute belogen hatte, so Nieft. Auch diese Auffassung werde durch neu aufgetauchte Dokumente gestützt.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Wolfgang Nieft den Ursprung der Freimaurerei im 14. Jahrhundert in Schottland sieht. Bis heute seien dort Rituale überliefert, die höchstwahrscheinlich denen der Templer entsprächen. Näher wollte und konnte Nieft auf diese Rituale nicht eingehen. Schließlich sei er selbst Freimaurer und daher per Eid zum Schweigen verpflichtet, so der Historiker.
Eine nächste Veranstaltung dieser Art wurde am Freitagabend nicht angekündigt, aber es wäre sicher nicht uninteressant, die Geschichte der Nordhäuser Loge einmal näher zu beleuchten, die einmal zu den größten und wichtigsten in Deutschland zählte. Sicher würde sich auch lohnen, über die Zeiten des Nationalsozialismus und die in der DDR zu sprechen, als Freimaurerei verboten war. Schließlich wäre auch die Entwicklung der Nordhäuser Loge nach der Wende ein ansprechendes Thema. Inwieweit solche Informationen aber der Schweigepflicht der Logenmitglieder unterliegen, vermag ich nicht zu sagen.
Simone Scheiding
Autor: nnzObwohl 1340 hohe Würdenträger der Templer hingerichtet wurden, nachdem sie unter Folter Ketzerei zugegeben hatten, lassen sich Spuren der Templer auch später nachweisen, so Nieft. Nach den Quellen bot der schottische König Robert the Bruce den verbliebenen Templern Asyl an, was von einigen offenbar auch genutzt worden ist. Die gute Organisation des späteren Unabhängigkeitskrieges der Schotten gegen England läßt vermuten, daß die Templer ihr Wissen als Feldherren an die Schotten weitergegeben haben. Sie müssen die Feldzüge geleitet und aus den unorganisierten Schotten eine Armee geformt haben. Außerdem sollen die Templer schottische Adlige in ihren Kreis aufgenommen und ihr Wissen an sie weitervermittelt haben. Das belegen laut Nieft jüngst freigegebene Quellen. Es sind Dokumente aus Privatbibliotheken schottischer Adliger. Nieft geht deshalb davon aus, daß die Freimaurerei nicht, wie von vielen Historikern behauptet, aus Handwerkerbünden hervorging, sondern auf die Templer zurückzuführen ist.
Eine weitere Überlieferung, die den Einfluß der Templer auf die Freimaurerei belegen soll, ist die des sächsischen Freiherrn von Hund, der im 18. Jahrhundert in der Oberlausitz lebte. Von Hund will in Paris von Mitgliedern des geheimen Tempelordens angesprochen worden sein. Nach seinen Aussagen sei ihm aufgetragen worden, einen Ableger des Ordens in der Provinz zu gründen. In dem Gespräch will von Hund auch erfahren haben, daß einige Templer nach der Erstürmung ihrer Besitztümer nach Schottland geflohen seien und dort den Orden geheim weitergeführt hätten. Der sächsische Freiherr tat, wie ihm aufgetragen, und suchte für den neuen Orden geeignete Männer. Viele erlagen der Verlockung, bei Eignung schließlich in den richtigen Tempelorden aufgenommen zu werden. Allerdings ergab sich ein Problem für von Hund: Die Templer meldeten sich nach dem Gespräch in Paris entgegen ihren Versprechungen nie wieder bei ihm. Dadurch verlor von Hund an Glaubwürdigkeit, er starb schließlich vereinsamt und verbittert, die Existenz der Templer wurde angezweifelt.
Wolfgang Nieft präsentierte jedoch eine Erklärung, warum die Templer niemals wieder mit von Hund Kontakt aufgenommen hatten: Viele waren später in Gefangenschaft geraten, getötet worden oder ins Exil gegangen. Die verbliebenen mochten sich vor Verrat gefürchtet haben, schließlich hatte England hohe Kopfprämien für deren Ergreifung ausgesetzt. Von Hund war demnach kein Scharlatan, der seine Landsleute belogen hatte, so Nieft. Auch diese Auffassung werde durch neu aufgetauchte Dokumente gestützt.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Wolfgang Nieft den Ursprung der Freimaurerei im 14. Jahrhundert in Schottland sieht. Bis heute seien dort Rituale überliefert, die höchstwahrscheinlich denen der Templer entsprächen. Näher wollte und konnte Nieft auf diese Rituale nicht eingehen. Schließlich sei er selbst Freimaurer und daher per Eid zum Schweigen verpflichtet, so der Historiker.
Eine nächste Veranstaltung dieser Art wurde am Freitagabend nicht angekündigt, aber es wäre sicher nicht uninteressant, die Geschichte der Nordhäuser Loge einmal näher zu beleuchten, die einmal zu den größten und wichtigsten in Deutschland zählte. Sicher würde sich auch lohnen, über die Zeiten des Nationalsozialismus und die in der DDR zu sprechen, als Freimaurerei verboten war. Schließlich wäre auch die Entwicklung der Nordhäuser Loge nach der Wende ein ansprechendes Thema. Inwieweit solche Informationen aber der Schweigepflicht der Logenmitglieder unterliegen, vermag ich nicht zu sagen.
Simone Scheiding

