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Fr, 11:39 Uhr
09.04.2004

Neuer Blickwinkel auf Denkmale

Nordhausen (nnz). Am Montag wird mit mehreren Veranstaltungen in der KZ-Gedenkstätte an die Befreiung des KZ Mittelbau-Dora vor 59 Jahren gedacht. An diesem Tag soll außerdem eine interessante Ausstellung eröffnet werden. Die nnz mit einer Vorbetrachtung.


Mitarbeiter der Bergsicherung Ilfeld Am Montag (12. April) wird um 12 Uhr die Sonderausstellung „In Stein gehauen – Historische Sinnstiftung auf Nordhäuser Denkmalen“ in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora eröffnet. Bei der öffentlichen Veranstaltung im Rahmen des 59. Jahrestages der Befreiung des KZ Mittelbau-Dora wird Dr. Karsten Uhl von der KZ-Gedenkstätte einführende Worte sprechen. Die stadthistorische Ausstellung wird bis zum 18. Juli in der ehemaligen Feuerwache zu sehen sein. Die Sonderausstellung wird dienstags bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet haben. Der Besuch ist ebenso wie der aller übrigen Ausstellungen in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora kostenfrei.

Ein Ziel der Sonderausstellung ist es, vergessene Aspekte der Geschichte Nordhausens in Erinnerung zu rufen und unbekannte Zusammenhänge aufzuzeigen. Ausgangspunkt wird der Albert-Kuntz-Gedenkstein sein, der zwischen 1946 und 2000 vor dem Bahnhof an den im KZ Mittelbau-Dora ermordeten Kommunisten Albert Kuntz erinnerte. Nun ist der originale Gedenkstein für drei Monate in der Sonderausstellung als Leihgabe der Stadt Nordhausen zu sehen.

Die Setzung, Erhaltung oder Entfernung von Denkmälern ist immer politisch umstritten. Der Albert-Kuntz-Gedenkstein kann dafür als exemplarisch gelten. Ebenso beispielhaft ist die Vorgeschichte des Steines, die im letzten Jahr in der Nordhäuser Öffentlichkeit für eine zum Teil heftige Diskussion sorgte. So war der Stein, bevor er 1946 dem KZ-Opfer Albert Kuntz gewidmet wurde, Teil einer nationalsozialistischen Denkmalstele für Leo Albert Schlageter und Horst Wessel. Noch komplizierter wird die Geschichte dadurch, dass die Nazis diese Säule bewusst dort im Stadtpark aufstellten, wo sie zuvor ein Denkmal für den sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert entfernten. Der „Frieden“-Stein in Salza wiederum stammt ebenfalls aus der Schlageter-Wessel-Stele.

In der Ausstellung werden verschiedene Beispiele anderer Denkmäler ähnliche Vorgänge aufzeigen. Der Standort und das Material eines Denkmals wurden häufig zu neuen Zwecken umgewidmet. Dabei wurde teilweise rein pragmatisch der Stein weitergenutzt, teilweise gab es aber auch politisch bewusste Umwidmungen. Neben anderen wird die Ausstellung das Kaiser-Friedrich-Denkmal, die Kriegerdenkmäler und das Lutherdenkmal zum Thema haben. Dabei werden bisher ausschließlich in Archiven verwahrte Fotografien, Ansichtskarten und Dokumente zu sehen sein.
Autor: nnz

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