Mi, 15:37 Uhr
07.08.2013
Tödliche Rammböcke im Wildwechsel
Der Wildunfall ist das ganze Jahr über ein schwerwiegendes Problem. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht in den Meldungen der Polizei eine Karambolage mit Wildtieren vermerkt wäre. In diesem Jahr ereigneten sich bis zum heutigen Tag bereits 102 Unfälle mit Wildtieren im Südharz, teilte auf Anfrage Polizeisprecher Thomas Soszynski mit. Eine Betrachtung von Kurt Frank...
Die Sonne ist hinter dem Berg verschwunden. Dunkelheit zieht auf. Der Mann summt in seinem VW Passat leise vor sich hin, lauscht der Musik aus dem Radio. Nur noch wenige Kilometer sind es durch ein kleines Waldstück, dann ist er bei Frau und Kind. Plötzlich springt ein Reh auf die Straße. Dem 30-Jährigen fährt der Schrecken in die Glieder. Er reißt das Steuer herum, um dem Tier auszuweichen, übersteuert dabei den Pkw. Der Wagen bricht aus, schleudert, streift einen Baum, landet kopfüber im Straßengraben. Wie durch ein Wunder kommt der Mann mit Blessuren davon. Die Polizei schätzt den Schaden am Fahrzeug auf über 6000 Euro.
Kein Einzelfall. 102 Unfälle mit Wild stehen zu Buche. Das seien nur die der Polizei gemeldeten, erklärt Soszynski. Tatsächlich könnte die Zahl noch höher liegen. Zum Glück blieb es bisher bei leichten bis mittleren Verletzungen der Verkehrsteilnehmer. Die Blechschäden gehen hingegen in die Tausende. Oft werden Wildunfälle in ihren Ausmaßen unterschätzt, sagt der Polizeisprecher. Bis zu 80 Prozent, geht aus der Statistik hervor, kollidiert hierzulande das Fahrzeug mit einem Reh (unser Bild), gefolgt von Wildschweinen.
Den Rest teilen sich Rotwild, Fuchs, Dachs und Hase. Überwiegend taucht das Wild nur etwa 20 Meter und kürzer vor dem Fahrer auf. Fährt der zu schnell, hat er keine Chance mehr. Wie gefährlich ein Aufprall werden kann, haben Fachleute in Experimenten herausgefunden.
Etwa 17 Kilogramm wiegt ein Reh. Ein Leichtgewicht? Harmlos? Im Gegenteil! Schon bei einer Kollision mit Tempo 50 entwickelt es 425 Kilo Aufprallgewicht. 850 Kilo sind es bei einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde. Regelrecht zum Rammbock wird dann ein Wildschwein mit einem Gewicht von 80 Kilo. Zwei Tonnen prallen auf das Auto. Eine tödliche Gefahr.
Das Warnschild Wildwechsel sollte man das ganze Jahr über strikt beachten, rät Thomas Soszynski. Während der Brunftzeit, wenn sich viele Tiere auf Brautschau befinden, sind ihre Reaktionen spontaner und für den Kraftfahrer noch gefährlicher. Deshalb Fuß vom Gas bei Warnhinweisen, langsam und konzentriert fahren, besonders in der Morgen- und Abenddämmerung, während der Nacht und bei Nebel. Wald und Straßenränder im Auge behalten und bremsbereit sein.
Lasse sich ein Zusammenstoß mit dem Wild bei aller Vorsicht dennoch nicht vermeiden, Lenkrad festhalten und weiterfahren. Auf keinen Fall ausweichen, sagen Experten. Das könne, auch für andere Verkehrsteilnehmer, schlimme Folgen haben. Nach einem Unfall ist die Warnblinkanlage einzuschalten, das Tier – wegen eventueller Tollwutgefahr nicht mit bloßen Händen anfassen – an den Randstreifen schaffen.
Ob Reh, Schwarzkittel, Hase oder Mufflon: Wild niemals für einen eventuellen Sonntagsbraten mitnehmen. Wegen Wilderei drohe eine Strafanzeige. Zu verständigen sind Polizei, Förster oder Jagdpächter.
Kurt Frank
Autor: redDie Sonne ist hinter dem Berg verschwunden. Dunkelheit zieht auf. Der Mann summt in seinem VW Passat leise vor sich hin, lauscht der Musik aus dem Radio. Nur noch wenige Kilometer sind es durch ein kleines Waldstück, dann ist er bei Frau und Kind. Plötzlich springt ein Reh auf die Straße. Dem 30-Jährigen fährt der Schrecken in die Glieder. Er reißt das Steuer herum, um dem Tier auszuweichen, übersteuert dabei den Pkw. Der Wagen bricht aus, schleudert, streift einen Baum, landet kopfüber im Straßengraben. Wie durch ein Wunder kommt der Mann mit Blessuren davon. Die Polizei schätzt den Schaden am Fahrzeug auf über 6000 Euro.
Kein Einzelfall. 102 Unfälle mit Wild stehen zu Buche. Das seien nur die der Polizei gemeldeten, erklärt Soszynski. Tatsächlich könnte die Zahl noch höher liegen. Zum Glück blieb es bisher bei leichten bis mittleren Verletzungen der Verkehrsteilnehmer. Die Blechschäden gehen hingegen in die Tausende. Oft werden Wildunfälle in ihren Ausmaßen unterschätzt, sagt der Polizeisprecher. Bis zu 80 Prozent, geht aus der Statistik hervor, kollidiert hierzulande das Fahrzeug mit einem Reh (unser Bild), gefolgt von Wildschweinen.
Den Rest teilen sich Rotwild, Fuchs, Dachs und Hase. Überwiegend taucht das Wild nur etwa 20 Meter und kürzer vor dem Fahrer auf. Fährt der zu schnell, hat er keine Chance mehr. Wie gefährlich ein Aufprall werden kann, haben Fachleute in Experimenten herausgefunden.
Etwa 17 Kilogramm wiegt ein Reh. Ein Leichtgewicht? Harmlos? Im Gegenteil! Schon bei einer Kollision mit Tempo 50 entwickelt es 425 Kilo Aufprallgewicht. 850 Kilo sind es bei einer Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde. Regelrecht zum Rammbock wird dann ein Wildschwein mit einem Gewicht von 80 Kilo. Zwei Tonnen prallen auf das Auto. Eine tödliche Gefahr.
Das Warnschild Wildwechsel sollte man das ganze Jahr über strikt beachten, rät Thomas Soszynski. Während der Brunftzeit, wenn sich viele Tiere auf Brautschau befinden, sind ihre Reaktionen spontaner und für den Kraftfahrer noch gefährlicher. Deshalb Fuß vom Gas bei Warnhinweisen, langsam und konzentriert fahren, besonders in der Morgen- und Abenddämmerung, während der Nacht und bei Nebel. Wald und Straßenränder im Auge behalten und bremsbereit sein.
Lasse sich ein Zusammenstoß mit dem Wild bei aller Vorsicht dennoch nicht vermeiden, Lenkrad festhalten und weiterfahren. Auf keinen Fall ausweichen, sagen Experten. Das könne, auch für andere Verkehrsteilnehmer, schlimme Folgen haben. Nach einem Unfall ist die Warnblinkanlage einzuschalten, das Tier – wegen eventueller Tollwutgefahr nicht mit bloßen Händen anfassen – an den Randstreifen schaffen.
Ob Reh, Schwarzkittel, Hase oder Mufflon: Wild niemals für einen eventuellen Sonntagsbraten mitnehmen. Wegen Wilderei drohe eine Strafanzeige. Zu verständigen sind Polizei, Förster oder Jagdpächter.
Kurt Frank


