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Di, 20:42 Uhr
23.07.2013

Klimawandel-Ignoranz bis zum Exitus

Das sollte uns nicht nur allmählich, sondern schnell zu denken geben: das ungefähr kühlste Frühjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnugen, der nasseste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen mit einem neuen Jahrhunderthochwasser innerhalb von elf Jahren und der - prognostiziert - trockenste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Extreme über Extreme...


... genauso, wie uns dies die Klimaforscher vorhersagen. Im US-Tal Death Valley gab es vor wenigen Tagen mit knapp 60 °C ebenfalls einen neuen Hitzerekord. Die internationale Politik macht sich durch ihre Ignoranz und Hilflosigkeit gegenüber der Dominanz der Wirtschaftsinteressen mit schuldig an immer mehr umweltbedingten Katastrophen im Namen eines zweifelhaften Wohlstandes einiger weniger. Und unsere eigene, mitteleuropäische Bevölkerung tut so, als ginge sie all das nichts an.

Demonstriert wird maximal für eine Gehaltszulage. Sie konsumiert und rebelliert nicht, wenn Herr Reinholz mal wieder von "Anpassung" an den Klimawandel redet, statt ihn an seine und die Unfähigkeit hunderter Amtskollegen weltweit zu erinnern, den Klimawandel wirksam zu bekämpfen. Anpassung klingt gut, verkleistert aber die Augen vor dem Nichtstun und der Hilflosigkeit der oft genug korrupten Machthaber weltweit.

Ja auch vor ihrer Angst, den Menschen reinen Wein einzuschenken und dadurch ihr Gesicht zu verlieren. Vergessen wir nicht: Gegenüber vorindustrieller Zeit haben wir gerademal eine Erwärmung von weltweit knapp einem Grad. Dennoch häufen sich die Extreme in immer kürzerer Zeit, und alljährlich werden die Volkwirtschaften finanziell noch mehr durch die Folgen belastet.

Und es ist laut Forschung nur eine Frage der Zeit, wann die derzeitige Stagnation der globalen Mitteltemperatur auf hohem Niveau wieder in einen neuen Temperaturanstieg übergeht. Prognostiziert sind weitere drei bis fünf Grad Temperaturzunahme. Niemand weiß genau, was dann passiert. Nur das Wort "Extreme" ist sicher. Wer die bereits heute in der Welt sich abspielenden klima- und damit konsumbedingten Szenarien betrachtet, der kann nur zu dem Fazit kommen, dass wir uns alle an unseren Nachfahren schuldig machen, im schlimmsten Fall im Sinne einer fahrlässigen Tötung.

Mit vorausschauender Menschlichkeit im Sinne der mit großem Tamtam einst verabschiedeten UN-Milleniumsziele hat unser Verhalten, das der Chinesen, Amerikaner und Japaner, jedenfalls nicht mehr allzuviel zu tun. So kann es nur als fahrlässig und kurzsichtig gelten, Kinder zu gebären, wenn nicht die elementarsten Schutzmaßnahmen für die Erhaltung des Lebens auf der Erde ergriffen werden.

Paul Watson, der Gründer der Umweltorganisation Sea Shephert fordert ganz in diesem Sinne nur denjenigen Menschen Nachwuchs zuzugestehen, die sich ihrer Verantwortung für das Wohlergehen der Welt und ihrer Bewohner stellen. (wikipedia),
Die Trägheit des Klimas spielt der Trägheit und der Ignoranz von uns allen in die Hände. Kaum jemand von uns mag im Anstieg des CO2-Gehalts in der Athmosphäre von rund 300 auf rund 400 ppm in nur 100 Jahren eine Katastrophe sehen. Dass wir nur unter unmittelbaren Dramen leiden, ist ein schon heute vielfach todbringendes Dilemma. Und genau das wird uns bitter auf die Füße fallen, warnen Experten in aller Welt.

An dieser Stelle passt mal wieder das Zitat von Prof. Dr. Hoimar v. Ditfurth aus seinem Buch „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“ (1985, Lingen-Verlag): „Das Eigentümliste an der Situation ist die Tatsache, dass niemand die Gefahr wahrhaben will. Wir werden daher aller Voraussicht nach, als die Generation in die Geschichte eingehen, die sich über den Ernst der Lage hätte im Klaren sein müssen, in deren Händen auch die Möglichkeit gelegen hätte, das Blatt noch in letzter Minute zu wenden, und die vor dieser Aufgabe versagt hat. Darum werden unsere Kinder die Zeitgenossen der Katastrophe sein, und unsere Enkel uns verfluchen – soweit sie dazu noch alt genug werden.“
Bodo Schwarzberg

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Autor: red

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Kommentare
Janko
24.07.2013, 13:24 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – BItte nur mit Klarnamen
ronald winter
24.07.2013, 19:59 Uhr
zeigefinger, belehrung, zitate und statistiken
Da hat herr schwarzberg wieder zugeschlagen: zeigefinger, belehrung, zitate und statistiken.
Das mag alles ganz richtig sein. Ist es höchstwahrscheinlich auch. Doch mir persönlich fehlt erstens stets das persönliche handeln des verfassers selbst (zb die öffentlichen sitzungen und fragestunden zur biogasanlage – wo ist herr vieltipper dann eigentlich?) und zweitens: zeigefinger, belehrung, zitate, statistiken – aber wo ist der weg heraus aus der umweltkrise, für mich ganz persönlich als leser der nnz, als leser der schwarzenberg'schen artikel?
Ich fahre zum beispiel schon mal kein auto, sondern fahrrad. Ich trenne müll. Ich fliege höchstens zweimal im jahr, und dann auch nur von deutschland nach österreich. Ich greife nicht nur nach billigangeboten im supermarkt, sondern bevorzuge auch mal heimische hersteller. Ich kaufe im winter keine erdbeeren. Ich habe keine wohnungseinrichtung aus mahagoni-holz. Ich befürworte windkraftanlagen (und zwar einschränkungslos, nicht nur „windkraft ja, aber nicht vor meinem fenster“). Ich recycle und bringe pfandflaschen zurück in den supermarkt. Ich kaufe nicht bei kik. Der vogel meiner eltern, den ich gerade in pflege habe, bekommt biokirschen.
Trotzdem habe ich beim lesen der artikel von herrn schwarzberg angesichts von zeigefinger, belehrung, zitaten und statistiken immer das gefühl, ein verbrecher zu sein. Vielleicht, weil ich meine wohnung im winter nicht auf 14° auskühlen lasse. Wer weiß.
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