eic kyf msh nnz uhz tv nt
Di, 08:04 Uhr
16.07.2013

Rehkitzretter im Einsatz vor der Mahd

Rotmilane zogen ihre Kreise über ein abgemähtes Luzernenfeld auf dem Hamsterberg zwischen Günzerode und Haferungen. Wie Geier in den Steppen Afrikas, die einen Kadaver entdeckten, fanden sich die stattlichen Greifvögel in großer Zahl aus nah in fern ein. Die Ursache für ihr Stelldichein war ein Rehkitz, das dem Schneidwerk der Mähmaschine zum Opfer gefallen war. Wie viel Bambi-Opfer es im Südharz gibt, ist der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt nicht bekannt. Ein Bericht von Kurt Frank...


Jedes Jahr, besagt eine Statistik, sterben deutschlandweit etwa 100 000 Rehkitze in den Klingen der Mähmaschinen. Im Mai und Juni setzen die Rehe ihren Nachwuchs, gut geschützt vor Fuchs und Waschbär in das hohe Gras, gern auch in Luzerne-Felder, ab. Die Kitze haben noch keinen Fluchtinstinkt. Noch viel zu staksig sind sie auf ihren dünnen und schwachen Beinchen. Wittert ein so kleines Tier Gefahr, duckt es sich tief und vertraut seiner Tarnung. Dieser Drückinstinkt, wie der Fachmann es nennt, ist für die ersten zwei Lebenswochen genetisch programmiert. Erst danach setzt der Fluchtinstinkt ein.

Uwe Merx (Foto: Kurt Frank) Uwe Merx (Foto: Kurt Frank)

Just in der Wurfzeit der Rehe sind die Landwirte mit ihren Mähmaschinen unterwegs. Diese lassen den Kitzen kaum eine Chance. Zügig fahren sie mit breiten Mähwerken über Wiesen und Kleeschläge. Der Mann im Fahrerhaus kann die gut getarnten Neugeborenen nicht sehen. Auch ein Spürhund hilft nicht weiter, verströmen die Neugeborenen kaum Eigengeruch. Rehkitztod durch Mähmaschinen. Uwe Merx (unser Bild) will das weitgehend verhindern. Der Mann wohnt in Kehmstedt, ist Ortsteilbürgermeister, Geschäftsführer der Wipperdorfer Agrargesellschaft, Weidmann seit 30 Jahren und Naturschützer.

Seine Agrargesellschaft betreibt Milchviehhaltung, was einen entsprechenden Anteil an Grünland erfordert, und Ackerbau. „Wir gehen mit Feingefühl an die Mahd“, sagt Merx und erläutert: In der Dämmerung einen Tag vor der Mahd schneiden wir Gassen in den Schlag und lassen ihn nachts ruhen. Das Muttertier merkt die Veränderung, wird unruhig und zieht das Kitz aus dem zu mähenden Bereich. Außerdem legen wir Wert auf Feldrand- und Waldrandzonen.

Auch Dieter Göbel sieht sich als Chef der Wippertaler Agrar GmbH Wolkramshausen und als Jäger in der Pflicht, Gefahren von Rehkitzen so gut es geht abzuwenden. Es lässt vor der Mahd Pflöcke auf das Grünland setzen und sie mit wehenden weißen Lappen versehen. Das vergräme die Ricken. „So wie es Merx und Göbel handhaben sollte es überall sein“, betont Detlev Collmann von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises. Das setze ein gutes Einvernehmen zwischen Landwirtschaft und Jagdpächter voraus.

Moderne Technik könnte aber auch Rehkitze schützen. Im Vorjahr startete das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein Forschungsprojekt, das sich „Wildretter“ nennt. Forscher sollen über mehrere Jahre ausloten, welche Möglichkeiten moderne Technologien zum Schutz der Kitze bieten könnten. Dafür stellten Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner und Unterstützer aus der Industrie und Forschung vier Millionen Euro zur Verfügung. Am Ende des Projektes soll eine Methode stehen, die kostengünstig und für den Landwirt praktikabel ist.

Daran beteiligt sind die Technische Universität München und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Derzeit laufen Praxistests, allerdings noch nicht im Südharz. Zu den technischen Rehkitz-Schützern zählen Wärmebildkameras, sogenannte Infrarotsensoren, an Mähmaschinen und kleine, ferngesteuerte Drohnen mit Infrarot- und Videokamera an Bord.
Kurt Frank
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
HausH
16.07.2013, 19:16 Uhr
Verwunderung
Hallo liebe kritische Kommentatoren. Es verwundert mich ein wenig, wo bleiben denn die jägerfeindlichen Kommentare?
WMH
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)