Mi, 06:46 Uhr
19.06.2013
Geschichtsfreund referierte über Bodendenkmale
Historische Kleindenkmale – das war das Thema der Juni-Veranstaltung des Nordhäuser Geschichts- und Altertumsvereins. Im voll besetzten Museum "Tabakspeicher" referierte der aus Kelbra stammende Manfred Schröter zu dieser Thematik. Hans-Georg Backhaus berichtet...
Als um 1815 u.a. auch unsere Region unter preußische Verwaltung gestellt wurde, legte man alsbald wie in Frankreich Chausseen an. So entstand zwischen 1820 und 1830 südlich der alten Heerstraße die Halle-Kasseler-Chausse (entsprach etwa der Straßenführung der ehemaligen B 80). Als Entfernungsanzeiger wurden Meilensteine gesetzt.
Solche preußischen Meilensäulen sind noch am rechten Fahrbahnrand der Straße von Berga in Richtung Nordhausen – Heiligenstadt zu finden. Unter anderen trägt ein solcher Ganzmeilenobelisk die Einkerbung "Berlin". Zudem sind die Entfernungen zu den nächstgelegenen größeren Städten (Nordhausen und Sangerhausen) ablesbar, ebenso findet man darauf die Anzahl der Meilen nach Berlin (32) und nach Nordhausen (2). Dazu muss man wissen, dass eine preußische Meile der Entfernung von 7 km, 532 m und 48 cm betrug.
Manfred Schröter wies mahnend darauf hin, dass Meilensteine, Steinkreuze, Grenzsteine, Hoheitssteine, Bauernsteine, Eiszeitsteine oder Gedenksteine ein Kleindenkmal darstellen und einmalig sind – mit eigener Geschichte und jeweiligen Grund, warum es gerade an diesem oder jenen Ort aufgestellt wurde. Nicht selten spiegelt es Ereignisse in der Region oder auch persönliche Schicksale wider.
So wurden beispielsweise zur Erinnerung an Totschlags-Verbrechen alte Steinkreuze gesetzt. Dies geschah in der Regel auf der Grundlage eines Vergleichs zwischen den Hinterbliebenen des zu Tode gekommenen und des Täters sowie dessen Verwandte. Der Totschläger musste an die Hinterbliebenen eine entsprechende Summe zahlen, kirchliche Strafen (zum Beispiel Messe lesen lassen, an Wallfahrten teilnehmen) über sich ergehen lassen und musste am Ort des Geschehens ein Stein- oder Holzkreuz aufstellen.
Ähnliche Kreuze wurden auch zum Gedenken an einen durch natürliche Ereignisse Umgekommenen (zum Beispiel durch Blitzschlag) aufgestellt. Diese Kreuze stammen überwiegend aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Später gesetzte Kreuze waren meistens Erinnerungskreuze.
Kleindenkmale sind Bestandteile unserer Kulturlandschaft. Gehen sie verloren oder werden absichtlich zerstört, bedeutet das immer einen Verlust an Identität, verliert die Landschaft an Reiz. Ausreichende Kenntnisse über solche Objekte bieten dann einen gewissen Schutz. Manfred Schröter punktete an diesem Abend mit fundiertem Wissen und konnte so manche Frage noch ergänzend beantworten. Die hervorragende Power-Point-Präsentation trug ebenfalls zum Erfolg des Abends bei. Die Geschichtsfreunde dankten den Gastreferenten dafür mit herzlichem Beifall.
Hans-Georg Backhaus, Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein
Autor: redAls um 1815 u.a. auch unsere Region unter preußische Verwaltung gestellt wurde, legte man alsbald wie in Frankreich Chausseen an. So entstand zwischen 1820 und 1830 südlich der alten Heerstraße die Halle-Kasseler-Chausse (entsprach etwa der Straßenführung der ehemaligen B 80). Als Entfernungsanzeiger wurden Meilensteine gesetzt.
Solche preußischen Meilensäulen sind noch am rechten Fahrbahnrand der Straße von Berga in Richtung Nordhausen – Heiligenstadt zu finden. Unter anderen trägt ein solcher Ganzmeilenobelisk die Einkerbung "Berlin". Zudem sind die Entfernungen zu den nächstgelegenen größeren Städten (Nordhausen und Sangerhausen) ablesbar, ebenso findet man darauf die Anzahl der Meilen nach Berlin (32) und nach Nordhausen (2). Dazu muss man wissen, dass eine preußische Meile der Entfernung von 7 km, 532 m und 48 cm betrug.
Manfred Schröter wies mahnend darauf hin, dass Meilensteine, Steinkreuze, Grenzsteine, Hoheitssteine, Bauernsteine, Eiszeitsteine oder Gedenksteine ein Kleindenkmal darstellen und einmalig sind – mit eigener Geschichte und jeweiligen Grund, warum es gerade an diesem oder jenen Ort aufgestellt wurde. Nicht selten spiegelt es Ereignisse in der Region oder auch persönliche Schicksale wider.
So wurden beispielsweise zur Erinnerung an Totschlags-Verbrechen alte Steinkreuze gesetzt. Dies geschah in der Regel auf der Grundlage eines Vergleichs zwischen den Hinterbliebenen des zu Tode gekommenen und des Täters sowie dessen Verwandte. Der Totschläger musste an die Hinterbliebenen eine entsprechende Summe zahlen, kirchliche Strafen (zum Beispiel Messe lesen lassen, an Wallfahrten teilnehmen) über sich ergehen lassen und musste am Ort des Geschehens ein Stein- oder Holzkreuz aufstellen.
Ähnliche Kreuze wurden auch zum Gedenken an einen durch natürliche Ereignisse Umgekommenen (zum Beispiel durch Blitzschlag) aufgestellt. Diese Kreuze stammen überwiegend aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Später gesetzte Kreuze waren meistens Erinnerungskreuze.
Kleindenkmale sind Bestandteile unserer Kulturlandschaft. Gehen sie verloren oder werden absichtlich zerstört, bedeutet das immer einen Verlust an Identität, verliert die Landschaft an Reiz. Ausreichende Kenntnisse über solche Objekte bieten dann einen gewissen Schutz. Manfred Schröter punktete an diesem Abend mit fundiertem Wissen und konnte so manche Frage noch ergänzend beantworten. Die hervorragende Power-Point-Präsentation trug ebenfalls zum Erfolg des Abends bei. Die Geschichtsfreunde dankten den Gastreferenten dafür mit herzlichem Beifall.
Hans-Georg Backhaus, Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein

