Fr, 18:27 Uhr
31.05.2013
Baumpflege mit Pinzette und Schere
Betritt Klaus-Dieter Leiding seinen Garten im Bereich der Hardenbergstraße in Nordhausen, steht er vor einem Wald voller exotischer Kostbarkeiten: Kameldornbusch, Himalaja Apfelbaum, Wandelröschen, Japanischer Pfefferbaum, Steineibe, Australische Kiefer, Blutpflaume und Schirmpinien sind nur einige seiner 300 Baum-Arten. Ein nnz-Bericht von Kurt Frank...
Viele Stunden täglich beschäftigt sich Klaus-Dieter Leiding, der in der Hardenbergstraße wohnt, mit seinen Bonsais im Garten.
Auch einen Mammutbaum hat Leiding. Die Art wird über 100 Meter hoch und über 3000 Jahre alt. Der Baum des Malermeisters ist bedeutend jünger und wesentlich kleiner. Der 69-Jährige beschäftigt sich mit der Bonsai-Zucht. So richtig Feuer für das Hobby fing der Kleingärtner erst nach der Wende. Land und Leute anderer Länder lernte er kennen.
Nicht die Metropolen, die Landschaften mit ihrer exotischen Vielfalt beeindruckten ihn. Zunächst malte er ein Bild. Schönheit der Toscana nennt er es. Mit Zypressen, Pinien und anderen exotischen Schönheiten. Täglich hat es der Meister in seiner Wohnung vor Augen. Es motiviert ihn noch heute, Exoten aus fernen Ländern in die Heimat zu holen. Direkt in seine Parzelle bringt er sie.
Da steht er jetzt, der Wald. Nicht hoch da droben. In Mini-Formaten. Darunter eine Muschelzypresse in einer handgetöpferten Schale. Keine zehn Zentimeter groß. Ein sogenannter Shohin. Der Wald erfordert Pflege, Zeit und Mühe. Bei Sonneneinstrahlung müsse man ihn zweimal am Tag gießen, das Erdreich auch gut düngen und alle paar Jahre wechseln. Die winterharten Exemplare gräbt Leiding im Herbst in das Erdreich ein, andere kommen in das heizbare Gewächshaus.
Klaus-Dieter Leiding ist Mitglied im Bonsai-Arbeitskreis Nordthüringen, der sich monatlich trifft. Dann begutachten und bewerten die Züchter gegenseitig ihre Werke. Die Bonsai-Zucht sei eine Wissenschaft für sich, sagt der Nordhäuser, der sich in sie hinein las. Die einen halten Bonsais für überzüchtete Kunstprodukte, für eine Vergewaltigung der Natur. Für Leiding verbinden sie Natur und Kunst miteinander. Bonsais, erklärt er, sind keine gedrungen wachsende Zwergsträucher sondern echte Bäume. Ausgesät in flachen Schalen oder ausgegraben verläuft ihr Leben dann anders als das ihrer großen Geschwister.
Der Bonsai-Liebhaber beschneidet bereits die jungen Pflanzen regelmäßig mit Pinzette und Schere, kürzt Wurzeln und Zweige, bringt die Bäumchen mit Drähten in die gewünschte Form. Als besonders geschickt gelte man in Fachkreisen, wenn ein Baum so gezüchtet werde, wie er in Natur wachsen würde. Nur eben um ein Zehn-, Fünfzig-, Hundert- oder Tausendfaches verkleinert. Die besondere Kunst liege darin, dem Bonsai einen bestimmten Ausdruck zu verleihen, ihn etwa so aussehen zu lassen, als sei der Baum vom Wind gebeugt.
Auch Eichen und Buchen, Kiefern und Tannen lassen sich, auch ausgegraben, nach Leidings Worten als Bonsai in Form bringen.
Hobby-Bonsaizüchter, weiß Klaus-Dieter Leiding aus Erfahrung, müssen tief in die Tasche greifen, wenn sie sich nicht auf die langwierige Aufzucht aus Samen oder Ausgrabungen einlassen wollen: 50 Euro und mehr müsse man für ein Bäumchen von knapp 15 Zentimetern Höhe hinblättern.
Je älter ein Bonsai-Baum, je wertvoller und teurer wird er. Ein ungefähr 50-jähriger ausgewachsener Bonsai koste bis zu 1000 Euro. Leidings Minibäume scheinen sich in ihren flachen Schalen durchaus wohl zu fühlen. Sie blühen regelmäßig. Manche tragen sogar Früchte. Ursprünglich, erzählt der Züchter, stamme die Bonsai-Kunst aus China. Erst gegen Ende des 19.Jahrhunderts kamen die ersten Bonsais anlässlich der Weltausstellung 1889 in Paris nach Europa. Bald darauf eroberten sie die Salons, Wohnzimmer und Gärten der Europäer.
Kurt Frank
Autor: redViele Stunden täglich beschäftigt sich Klaus-Dieter Leiding, der in der Hardenbergstraße wohnt, mit seinen Bonsais im Garten.
Auch einen Mammutbaum hat Leiding. Die Art wird über 100 Meter hoch und über 3000 Jahre alt. Der Baum des Malermeisters ist bedeutend jünger und wesentlich kleiner. Der 69-Jährige beschäftigt sich mit der Bonsai-Zucht. So richtig Feuer für das Hobby fing der Kleingärtner erst nach der Wende. Land und Leute anderer Länder lernte er kennen.
Nicht die Metropolen, die Landschaften mit ihrer exotischen Vielfalt beeindruckten ihn. Zunächst malte er ein Bild. Schönheit der Toscana nennt er es. Mit Zypressen, Pinien und anderen exotischen Schönheiten. Täglich hat es der Meister in seiner Wohnung vor Augen. Es motiviert ihn noch heute, Exoten aus fernen Ländern in die Heimat zu holen. Direkt in seine Parzelle bringt er sie.
Da steht er jetzt, der Wald. Nicht hoch da droben. In Mini-Formaten. Darunter eine Muschelzypresse in einer handgetöpferten Schale. Keine zehn Zentimeter groß. Ein sogenannter Shohin. Der Wald erfordert Pflege, Zeit und Mühe. Bei Sonneneinstrahlung müsse man ihn zweimal am Tag gießen, das Erdreich auch gut düngen und alle paar Jahre wechseln. Die winterharten Exemplare gräbt Leiding im Herbst in das Erdreich ein, andere kommen in das heizbare Gewächshaus.
Klaus-Dieter Leiding ist Mitglied im Bonsai-Arbeitskreis Nordthüringen, der sich monatlich trifft. Dann begutachten und bewerten die Züchter gegenseitig ihre Werke. Die Bonsai-Zucht sei eine Wissenschaft für sich, sagt der Nordhäuser, der sich in sie hinein las. Die einen halten Bonsais für überzüchtete Kunstprodukte, für eine Vergewaltigung der Natur. Für Leiding verbinden sie Natur und Kunst miteinander. Bonsais, erklärt er, sind keine gedrungen wachsende Zwergsträucher sondern echte Bäume. Ausgesät in flachen Schalen oder ausgegraben verläuft ihr Leben dann anders als das ihrer großen Geschwister.
Der Bonsai-Liebhaber beschneidet bereits die jungen Pflanzen regelmäßig mit Pinzette und Schere, kürzt Wurzeln und Zweige, bringt die Bäumchen mit Drähten in die gewünschte Form. Als besonders geschickt gelte man in Fachkreisen, wenn ein Baum so gezüchtet werde, wie er in Natur wachsen würde. Nur eben um ein Zehn-, Fünfzig-, Hundert- oder Tausendfaches verkleinert. Die besondere Kunst liege darin, dem Bonsai einen bestimmten Ausdruck zu verleihen, ihn etwa so aussehen zu lassen, als sei der Baum vom Wind gebeugt.
Auch Eichen und Buchen, Kiefern und Tannen lassen sich, auch ausgegraben, nach Leidings Worten als Bonsai in Form bringen.
Hobby-Bonsaizüchter, weiß Klaus-Dieter Leiding aus Erfahrung, müssen tief in die Tasche greifen, wenn sie sich nicht auf die langwierige Aufzucht aus Samen oder Ausgrabungen einlassen wollen: 50 Euro und mehr müsse man für ein Bäumchen von knapp 15 Zentimetern Höhe hinblättern.
Je älter ein Bonsai-Baum, je wertvoller und teurer wird er. Ein ungefähr 50-jähriger ausgewachsener Bonsai koste bis zu 1000 Euro. Leidings Minibäume scheinen sich in ihren flachen Schalen durchaus wohl zu fühlen. Sie blühen regelmäßig. Manche tragen sogar Früchte. Ursprünglich, erzählt der Züchter, stamme die Bonsai-Kunst aus China. Erst gegen Ende des 19.Jahrhunderts kamen die ersten Bonsais anlässlich der Weltausstellung 1889 in Paris nach Europa. Bald darauf eroberten sie die Salons, Wohnzimmer und Gärten der Europäer.
Kurt Frank


