Fr, 06:35 Uhr
31.05.2013
Unzerstörbares Steinmühlental (1)
Es geht um das Steinmühlental im Landkreis Nordhausen. In das soll, so sehen es Planungen vor, ein Pumpspeicherwerk "integriert" werden. Dazu eine Beitragsserie von Bodo Schwarzberg in Ihrer nnz. Im ersten Teil geht es um Mystik auf Abwegen...
Dieser Feldweg schlängelt sich kurz hinter Appenrode durch das Tal des Fuhrbaches. Sollte das Pumpspeicherwerk gebaut werden, könnte aus ihm eine Straße werden, auf dem sich über Jahre hinweg hunderte LKW in die bisher wenig berührten Wälder des mystischen Steinmühlentales bewegen: um das Holz hunderter gerodeter Bäume abzufahren und um Beton und Stahl hinaufzubringen.
Nach einem ebenso in der nnz publizierten Positionspapier der Befürworter eines solchen landschaftlichen Frevels, sei die Bevölkerung sinngemäß nicht gegen einen solchen eingestellt, das Konfliktpotential sei also gering. Zudem hätten Prüfungen wohl ergeben, dass der "Eingriff", den der Bau eines solchen Kraftwerk mit sich bringe, "ausgleichbar" sei.
Dass das Vorhaben angeblich auf wenig Ablehnung stößt, ist teilweise leider nicht von der Hand zu weisen. Das aber ist kein Wunder: Niemand bekommt das Ding, wie einen Autohof oder eine Biogasanlage vor seine Haustür gestellt. Von einer Bürgerinitiative gegen ein solches zerstörerisches Monstrum habe zumindest ich bisher nicht wirklich etwas gelesen. Die Ruhe der Vorgärten und Gartenzwerge wird von einem Pumpspeicherkraftwerk im Steinmühlental nicht bedroht.
Derartige Formulierungen sind hinsichtlich ihres Zynismus kaum zu überbieten, wenn in sie gedanklich ein potentielles Kraftwerk im Steinmühlental hineingedacht wurde. Denn damit würde ja der energiespeichernden- bzw. energieerzeugenden Kraft des Wassers in einem Kraftwerk Steinmühlental der Vorrang gegenüber der Erhaltung des Tales gegeben. So gedacht, wird der Widerspruch noch größer, wenn man sich die allerdings kaum lesbare Karte auf der Homepage mit den Entwicklungsschwerpunkten des Naturparks anschaut: Zumindest im oberen Teil des Fuhrbachtales mit dem Namen "Steinmühlental" befindet sich ein grüner Kreis, der "Entwicklungsschwerpunkt Natur" bedeutet.
In der Legende heißt es dazu: "Hierbei handelt es sich um die bestehenden Naturschutz- und Natura 2000-Gebiete (=FFH-Gebiete-d.A.). Der Fokus sollte zunächst auf der Umsetzung des FFH-Managementplanes für das FFH-Gebiet Nr. 4 liegen (Kammerforst-Himmelsberg-Mühlberg)." (Zitat 2).
Eine genaue Analyse, z.B. des jüngst erschienen Heftes "Wo der Harz am südlichsten ist" (Lanschaftfspflege und Naturschutz in Thüringen 49(4) Sonderheft. Jena) zu dem ich auch einige Kapitel beitrug indes ergibt, dass es im Gebiet des Fuhrbachtales weder ein der EU gemeldetes FFH-Gebiet gibt (="Flora-Fauna-Habitat-Gebiete", die nicht zerstört werden dürfen), noch Naturschutzgebiete. Bei genauer Auslegung der Legende dürfte sich also um das Steinmühlental überhaupt kein grüner Kreis befinden. Da er jedoch nun einmal gesetzt ist, nehme ich ihn einfach mal ernst: TROTZ der Schwerpunktentwicklung Natur, schließen die Naturparkplaner die Gewinnung erneuerbarer Energien entsprechend Zitat 1 in diesem "mystischen" Tal nicht aus. Genauer gesagt: Naturzerstörung wird in einem "Schwerpunktgebiet Natur" befürwortet oder zumindest doch wird ihr ein Hintertürchen offen gehalten.
Ich selbst bin Mitglied im Fachbeirat des Naturparks und habe diese Widersprüche nicht bemerkt, was ich selbstkritisch anmerken muss. - Ein grüner Kreis sieht halt immer erst einmal gut aus.
Und zugleich die Vermutung, dass für dieses besondere Tal schon seit Jahren wirtschaftliche Erschließungspläne in den Schubladen von Machnig, Ehrhold & Co liegen. Nicht einmal den Grünen ist in diesem Zusammenhang zu trauen, sprach sich doch John Dauert einst zumindest kurzzeitig für ein Pumpspeicherwerk im Steinmühlental aus.
Wenn dem tatsächlich so wäre, dass wirtschaftliche Angriffe auf unsere natürlichen Lebensgrundlagen auszugleichen sind, hätten wir keine Roten Listen bedrohter Arten und Pflanzengesellschaften, deren tatkräftige Verkürzung nur in den Märchenbüchern des früheren Wirtschafts- und jetzigen Umweltministers Reinholz existiert und wir hätten auch keinen Klimawandel. Ich bin natürlich für erneuerbare Energien: Aber nicht um den Preis von noch mehr Zerstörung, als wir sie durch Industrie-, Gewerbe-, Wohn- und Straßenprojekte ohnehin schon übergestülpt bekommen haben.
Ich werde Sie also in loser Folge auf eine Wanderung durch das Tal, von Appenrode bis nach Rothesütte mitnehmen und Ihnen zeigen, was auf dem Spiel steht: ein einmaliges Refugium in einem einmaligen, ja unzerstörbaren Stück Südharzlandschaft. Der Schwerpunkt der Beitragsserie liegt, bei mir naheliegend, auf der Pflanzenwelt.
Sie, liebe Leser, kann ich nur ermuntern, sich selbst zwischen Appenrode und Rothesütte auf Entdeckungsreise zu begeben. Nur was Sie kennen, werden Sie auch vermissen, wenn es nicht mehr oder nur noch teilweise existiert. Und vielleicht bilden Sie ja doch, trotz oder gerade wegen der Entfernung zu bebautem Gebiet, eine Bürgerinitiative, die ich gern mit meinen Beiträgen, wie schon im Falle des vor dem baldigen Versiegen stehenden Jauchebaches Steigerthal, unterstütze.
Bodo Schwarzberg
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Autor: redDieser Feldweg schlängelt sich kurz hinter Appenrode durch das Tal des Fuhrbaches. Sollte das Pumpspeicherwerk gebaut werden, könnte aus ihm eine Straße werden, auf dem sich über Jahre hinweg hunderte LKW in die bisher wenig berührten Wälder des mystischen Steinmühlentales bewegen: um das Holz hunderter gerodeter Bäume abzufahren und um Beton und Stahl hinaufzubringen.
Mystik auf Abwegen
Von Mystik war in einem nnz-Beitrag vor kurzem zu lesen, vom mystischen Steinmühlen- oder Furbachtal, gelegen zwischen Rothesütte im Norden und Appenrode im Süden. Die Autoren des genannten und andere jüngerer Beiträge zum Tal loben dessen Einzigartigkeit und laden die Bürger dazu ein, jene vor Ort zu bewundern. Leider aber fehlen Anmerkungen zu seiner aktuellen Bedrohung durch ein Pumpspeicherkraftwerk, das sich Rechenkünstler und Gewerbesteuersüchtige zwischen Ellrich, Nordhausen und Erfurt am Schreibtisch erträumen.Nach einem ebenso in der nnz publizierten Positionspapier der Befürworter eines solchen landschaftlichen Frevels, sei die Bevölkerung sinngemäß nicht gegen einen solchen eingestellt, das Konfliktpotential sei also gering. Zudem hätten Prüfungen wohl ergeben, dass der "Eingriff", den der Bau eines solchen Kraftwerk mit sich bringe, "ausgleichbar" sei.
Dass das Vorhaben angeblich auf wenig Ablehnung stößt, ist teilweise leider nicht von der Hand zu weisen. Das aber ist kein Wunder: Niemand bekommt das Ding, wie einen Autohof oder eine Biogasanlage vor seine Haustür gestellt. Von einer Bürgerinitiative gegen ein solches zerstörerisches Monstrum habe zumindest ich bisher nicht wirklich etwas gelesen. Die Ruhe der Vorgärten und Gartenzwerge wird von einem Pumpspeicherkraftwerk im Steinmühlental nicht bedroht.
Fragwürdige Widersprüche
Widerstand aber sollte es geben. Zum Beispiel schon gegen derart widersprüchliche Formulierungen wie auf der Seite des Naturparks Südharz (www.naturpark-suedharz.de). "Ein weiterer Schwerpunkt sind erneuerbare Energien im Naturpark. Dieser Schwerpunkt ist nicht örtlich gebunden, sondern auf den gesamten Naturpark zu beziehen." (Zitat 1).Derartige Formulierungen sind hinsichtlich ihres Zynismus kaum zu überbieten, wenn in sie gedanklich ein potentielles Kraftwerk im Steinmühlental hineingedacht wurde. Denn damit würde ja der energiespeichernden- bzw. energieerzeugenden Kraft des Wassers in einem Kraftwerk Steinmühlental der Vorrang gegenüber der Erhaltung des Tales gegeben. So gedacht, wird der Widerspruch noch größer, wenn man sich die allerdings kaum lesbare Karte auf der Homepage mit den Entwicklungsschwerpunkten des Naturparks anschaut: Zumindest im oberen Teil des Fuhrbachtales mit dem Namen "Steinmühlental" befindet sich ein grüner Kreis, der "Entwicklungsschwerpunkt Natur" bedeutet.
In der Legende heißt es dazu: "Hierbei handelt es sich um die bestehenden Naturschutz- und Natura 2000-Gebiete (=FFH-Gebiete-d.A.). Der Fokus sollte zunächst auf der Umsetzung des FFH-Managementplanes für das FFH-Gebiet Nr. 4 liegen (Kammerforst-Himmelsberg-Mühlberg)." (Zitat 2).
Eine genaue Analyse, z.B. des jüngst erschienen Heftes "Wo der Harz am südlichsten ist" (Lanschaftfspflege und Naturschutz in Thüringen 49(4) Sonderheft. Jena) zu dem ich auch einige Kapitel beitrug indes ergibt, dass es im Gebiet des Fuhrbachtales weder ein der EU gemeldetes FFH-Gebiet gibt (="Flora-Fauna-Habitat-Gebiete", die nicht zerstört werden dürfen), noch Naturschutzgebiete. Bei genauer Auslegung der Legende dürfte sich also um das Steinmühlental überhaupt kein grüner Kreis befinden. Da er jedoch nun einmal gesetzt ist, nehme ich ihn einfach mal ernst: TROTZ der Schwerpunktentwicklung Natur, schließen die Naturparkplaner die Gewinnung erneuerbarer Energien entsprechend Zitat 1 in diesem "mystischen" Tal nicht aus. Genauer gesagt: Naturzerstörung wird in einem "Schwerpunktgebiet Natur" befürwortet oder zumindest doch wird ihr ein Hintertürchen offen gehalten.
Ich selbst bin Mitglied im Fachbeirat des Naturparks und habe diese Widersprüche nicht bemerkt, was ich selbstkritisch anmerken muss. - Ein grüner Kreis sieht halt immer erst einmal gut aus.
Kein Schutz für mystisches Tal?
Es gibt eine weitere Frage, die höhere Stellen beantworten sollten: Warum wurde im Fuhrbachtal resp. Steinmühlental weder ein Naturschutzgebiet, noch ein FFH-Gebiet ausgewiesen? Wer dieses Tal hinsichtlich seiner Besonderheiten, seine Felsformationen, die kleinen Wasserfälle, die naturnahen Wälder und die Flora in Kraut- und Strauchschicht und wer den noch nicht zubetonierten Weg von Appenrode nach Rothesütte kennt, dem drängt sich zwischen dieser Realität und der des Nichtgeschütztseins ein gewaltiger Widerspruch geradezu auf.Und zugleich die Vermutung, dass für dieses besondere Tal schon seit Jahren wirtschaftliche Erschließungspläne in den Schubladen von Machnig, Ehrhold & Co liegen. Nicht einmal den Grünen ist in diesem Zusammenhang zu trauen, sprach sich doch John Dauert einst zumindest kurzzeitig für ein Pumpspeicherwerk im Steinmühlental aus.
Eine kleine Serie
In der nun beginnenden, fortlaufenden Serie, liebe nnz-Leserinnen und -leser, möchte ich Ihnen zeigen, dass der Verlust dieses wohl schönsten und naturbelassensten Tales niemals ausgleichbar ist. Es ist eine unglaubliche menschliche Anmaßung, zu behaupten, die Zerstörung einer in Jahrmillionen entstandenen Landschaft sei ausgleichbar.Wenn dem tatsächlich so wäre, dass wirtschaftliche Angriffe auf unsere natürlichen Lebensgrundlagen auszugleichen sind, hätten wir keine Roten Listen bedrohter Arten und Pflanzengesellschaften, deren tatkräftige Verkürzung nur in den Märchenbüchern des früheren Wirtschafts- und jetzigen Umweltministers Reinholz existiert und wir hätten auch keinen Klimawandel. Ich bin natürlich für erneuerbare Energien: Aber nicht um den Preis von noch mehr Zerstörung, als wir sie durch Industrie-, Gewerbe-, Wohn- und Straßenprojekte ohnehin schon übergestülpt bekommen haben.
Ich werde Sie also in loser Folge auf eine Wanderung durch das Tal, von Appenrode bis nach Rothesütte mitnehmen und Ihnen zeigen, was auf dem Spiel steht: ein einmaliges Refugium in einem einmaligen, ja unzerstörbaren Stück Südharzlandschaft. Der Schwerpunkt der Beitragsserie liegt, bei mir naheliegend, auf der Pflanzenwelt.
Sie, liebe Leser, kann ich nur ermuntern, sich selbst zwischen Appenrode und Rothesütte auf Entdeckungsreise zu begeben. Nur was Sie kennen, werden Sie auch vermissen, wenn es nicht mehr oder nur noch teilweise existiert. Und vielleicht bilden Sie ja doch, trotz oder gerade wegen der Entfernung zu bebautem Gebiet, eine Bürgerinitiative, die ich gern mit meinen Beiträgen, wie schon im Falle des vor dem baldigen Versiegen stehenden Jauchebaches Steigerthal, unterstütze.
Bodo Schwarzberg
Kommentare bitte nur mit Klarnamen


