Do, 11:19 Uhr
23.05.2013
Chirurg, Weidmann, Luchs-Beauftragter
Doktor Klaus Hagen ist ein bekannter und geschätzter Arzt in Nordhausen. Unfallchirurgie ist sein Spezialgebiet. In seiner Praxis dominieren Skalpell und Pinzette. Die Patienten kommen aus einem Umkreis von etwa 60 Kilometern. Der Mediziner ist auch Weidmann. Und Luchs-Beauftragter der Kreisjägerschaft. Ein nnz-Bericht von Kurt Frank...
Wenn es die Zeit erlaubt, zieht es den Doktor in die Natur. Mit und ohne Flinte. 13 Jahre lang trägt er nun schon die grüne Weidmanns-Mütze. Als Schuljunge habe man ihm ein Fernglas geschenkt. Fortan war es sein ständiger Begleiter. Klaus Hagen beobachtete, was da so flattert, kreucht und fleucht. Der Jugendliche lernte die Natur schätzen und lieben.
Er, Hagen, gehe nicht in den Wald, um unbedingt ein Stück Wild zu erlegen. Im Gegenteil. Der Aufenthalt und die Erlebnisse im Freien seien ihm Entspannung pur vom stressigen Alltag als Chirurg. Mit dem Lied Auf, auf zum fröhlichen Jagen , wo es u.a. heißt: Das edle Jägerleben vergnüget mein Brust, dem Wilde nachzustreben, ist meine höchste Lust könne er sich daher auch nicht anfreunden. Wer heute ein guter Jäger sein will, sollte vor allem Naturschützer sein.
Mediziner Klaus Hagen führt neben der als Arzt eine weitere Statistik. Seit fünf Jahren registriert er alle Riss-Funde, die ihm, dem Luchs-Beauftragten, gemeldet werden. 28 sind es bis zum heutigen Tag. In 21 Fällen war die Großkatze der Übeltäter. Mit elf toten Tieren war 2008 das fundreichste Jahr, gefolgt von 2010 mit sechs Rissen. Ein Kalb aus einer Mutterkuhherde bei Appenrode ist 2013 bislang das letzte Opfer eines Räubers. Ein Luchs? Hagen vermutet es.
Wird Klaus Hagen ein Tierfund gemeldet, begibt er sich vor Ort, begutachtet ihn. Vorwiegend, sagt der Fachmann, fallen der geschmeidigen Katze Rehe, Mufflons, junges Rotwild, Frischlinge und Überläufer (einjähriges Schwarzwild) zum Opfer. Sie erbeute aber auch Nahrungskonkurrenten wie Füchse oder Waschbären. Sei der eindeutige Nachweis erbracht, dass Pinselohr ein Nutztier (Schaf, Kalb, Ziege) erlegte, werde der Halter entschädigt. Das besorgt die Nationalparkverwaltung Harz. Von dort kommt dann Ole Anders selbst, um das Finanzielle zu regeln. Anders war Mitinitiator des Luchs-Auswilderungsprogramms.
Die Großkatze erschleiche ihr Opfer und töte es durch Kehlbiss, was dem Beutetier Qualen erspart, erklärt Experte Anders. Ein wildernder großer Hund jage hingegen seiner Beute hinterher, mitunter bis zur Erschöpfung, packe und zerfleische sie bei lebendigem Leib. So könne man auf den Täter schließen.
Jochen Dahlke von der Hegegemeinschaft Dün-Helbetal sorgt sich um den Bestand seines Muffelwildes, für das der Luchs eine Vorliebe zu haben scheint. Klaus Hagen versteht die Sorgen Dahlkes. Fragt man ihm aber, wie er zur Raubkatze stehe, zögert er keinen Augenblick: Ich bin ohne Wenn und Aber für den Luchs. Er bereichert Fauna und Flora und gehört in den Harz und seinem Umfeld, wo man ihn einst ausrottete. Etwa 60 dieser Pinselohren, schätzen Klaus Hagen und Christian Büchting, Vorsitzender Kreisjägerschaft, pirschen heute wieder durch das Mittelgebirge und seinem Vorland.
Um Bild und Vorkommen über den Luchs zu vervollständigen, müsste jeder Fund-Riss auch gemeldet und begutachtet werden, bekräftigt Luchs-Beauftragter Hagen. Das verschaffe einen besseren Überblick. Der Landesjagdverband Thüringen verteilte Informationsblätter Meldung über Luchs-Nachsweise im Freistatt Thüringen. Einzutragen ist, ob es eine Sichtbeobachtung (Entfernung, Sichtverhältnisse, beobachtet mit Auge, Fernglas, Spektiv), ein Riss-, Spur- oder Totfund war. Zu vermerken sind außerdem unter anderem der Name des Finders, Ort, Zeitpunkt und Tierart.
Doktor Klaus Hagen erhielt schon am 7. Februar 2009 die Meldung eines Jägers, der am Kohnstein bei Niedersachswerfen eine Großkatze sichtete. Luchs-Beauftragter Hagen (links) und Christian Büchting, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, tauschen regelmäßig Erfahrungen aus.
Kurt Frank
Autor: redWenn es die Zeit erlaubt, zieht es den Doktor in die Natur. Mit und ohne Flinte. 13 Jahre lang trägt er nun schon die grüne Weidmanns-Mütze. Als Schuljunge habe man ihm ein Fernglas geschenkt. Fortan war es sein ständiger Begleiter. Klaus Hagen beobachtete, was da so flattert, kreucht und fleucht. Der Jugendliche lernte die Natur schätzen und lieben.
Er, Hagen, gehe nicht in den Wald, um unbedingt ein Stück Wild zu erlegen. Im Gegenteil. Der Aufenthalt und die Erlebnisse im Freien seien ihm Entspannung pur vom stressigen Alltag als Chirurg. Mit dem Lied Auf, auf zum fröhlichen Jagen , wo es u.a. heißt: Das edle Jägerleben vergnüget mein Brust, dem Wilde nachzustreben, ist meine höchste Lust könne er sich daher auch nicht anfreunden. Wer heute ein guter Jäger sein will, sollte vor allem Naturschützer sein.
Mediziner Klaus Hagen führt neben der als Arzt eine weitere Statistik. Seit fünf Jahren registriert er alle Riss-Funde, die ihm, dem Luchs-Beauftragten, gemeldet werden. 28 sind es bis zum heutigen Tag. In 21 Fällen war die Großkatze der Übeltäter. Mit elf toten Tieren war 2008 das fundreichste Jahr, gefolgt von 2010 mit sechs Rissen. Ein Kalb aus einer Mutterkuhherde bei Appenrode ist 2013 bislang das letzte Opfer eines Räubers. Ein Luchs? Hagen vermutet es.
Wird Klaus Hagen ein Tierfund gemeldet, begibt er sich vor Ort, begutachtet ihn. Vorwiegend, sagt der Fachmann, fallen der geschmeidigen Katze Rehe, Mufflons, junges Rotwild, Frischlinge und Überläufer (einjähriges Schwarzwild) zum Opfer. Sie erbeute aber auch Nahrungskonkurrenten wie Füchse oder Waschbären. Sei der eindeutige Nachweis erbracht, dass Pinselohr ein Nutztier (Schaf, Kalb, Ziege) erlegte, werde der Halter entschädigt. Das besorgt die Nationalparkverwaltung Harz. Von dort kommt dann Ole Anders selbst, um das Finanzielle zu regeln. Anders war Mitinitiator des Luchs-Auswilderungsprogramms.
Die Großkatze erschleiche ihr Opfer und töte es durch Kehlbiss, was dem Beutetier Qualen erspart, erklärt Experte Anders. Ein wildernder großer Hund jage hingegen seiner Beute hinterher, mitunter bis zur Erschöpfung, packe und zerfleische sie bei lebendigem Leib. So könne man auf den Täter schließen.
Jochen Dahlke von der Hegegemeinschaft Dün-Helbetal sorgt sich um den Bestand seines Muffelwildes, für das der Luchs eine Vorliebe zu haben scheint. Klaus Hagen versteht die Sorgen Dahlkes. Fragt man ihm aber, wie er zur Raubkatze stehe, zögert er keinen Augenblick: Ich bin ohne Wenn und Aber für den Luchs. Er bereichert Fauna und Flora und gehört in den Harz und seinem Umfeld, wo man ihn einst ausrottete. Etwa 60 dieser Pinselohren, schätzen Klaus Hagen und Christian Büchting, Vorsitzender Kreisjägerschaft, pirschen heute wieder durch das Mittelgebirge und seinem Vorland.
Um Bild und Vorkommen über den Luchs zu vervollständigen, müsste jeder Fund-Riss auch gemeldet und begutachtet werden, bekräftigt Luchs-Beauftragter Hagen. Das verschaffe einen besseren Überblick. Der Landesjagdverband Thüringen verteilte Informationsblätter Meldung über Luchs-Nachsweise im Freistatt Thüringen. Einzutragen ist, ob es eine Sichtbeobachtung (Entfernung, Sichtverhältnisse, beobachtet mit Auge, Fernglas, Spektiv), ein Riss-, Spur- oder Totfund war. Zu vermerken sind außerdem unter anderem der Name des Finders, Ort, Zeitpunkt und Tierart.
Doktor Klaus Hagen erhielt schon am 7. Februar 2009 die Meldung eines Jägers, der am Kohnstein bei Niedersachswerfen eine Großkatze sichtete. Luchs-Beauftragter Hagen (links) und Christian Büchting, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, tauschen regelmäßig Erfahrungen aus.
Kurt Frank



