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Mo, 06:55 Uhr
15.03.2004

Erfolg wirklich sicher?

Nordhausen (nnz). Die vergangene Woche war vor allem die Woche der Erfolge in Sachen Natur- und Umweltschutz. Der Südharz soll von weiterem Rohstoffabbau verschont werden, verkündete Ministerpräsident Dieter Althaus am Dienstag. Und alles, was sich dem Schutz des Südharzes verpflichtet fühlt, jubilierte. Vielleicht zu früh? – dazu eine nnz-Betrachtung.


Der Erfolg für den Naturschutz im Südharz hat viele Mütter und Väter. Umwelt- und Naturschutzverbände, Parteien, Kommunen – sie alle fühlten sich in der vergangenen Woche berufen, den angeblichen Sieg zu feiern. Und vor allem der Absender des jeweiligen Statements vergaß nicht darauf hinzuweisen, dass sein Anteil am Kampf um den Erhalt der Landschaft zwischen Nordhausen und Neustadt der entscheidende gewesen sei.

Sicher – es war die breite Front des Widerstands, die letztlich erfolgreich gewesen war. Und diese Front machte entsprechend auch Druck in Richtung Politik. Vielleicht war es im Jahr der Thüringer Landtagswahl auch kaum möglich, anders zu reagieren? Vielleicht machte die jüngste Entwicklung mit WICO und Co. auch kein anderes Verständnis vermittelbar. Wie soll ein Jürgen Reinholz (CDU) als Wirtschaftsminister denn erklären, dass am Winkelberg Gips oder Anhydrit abgebaut werden soll, wenn das Zeug zu Millionen Tonnen in einem angekratzten Berg quasi nebenan rumliegt.

Doch die Rolle des Thüringer Wirtschaftsministers war und ist auch noch eine andere. Sie ist gänzlich verschieden zu der von Franz Schuster. Reinholz` Vorgänger im Amte hatte zweifellos auch seine Erfolge bei der wirtschaftlichen Entwicklung im Freistaat. Doch mit dem Tourismus, da hatte es Franz Schuster nicht so sehr. Wenn schon touristische Entwicklung, dann bitteschön im Thüringer Wald, war die Devise im Thüringer Wirtschaftsministerium.

Dann kam der einstige LEG-Geschäftsführer und Nordhäuser Reinholz. Der machte den Tourismus nicht nur kurz nach Amtsantritt zur Chefsache, der kennt auch die touristischen Entwicklungsmöglichkeiten im südlichen Harz. Und vor allem: Jürgen Reinholz pocht auf Nachhaltigkeit. Und die sieht er eher bei Tourismus im Südharz, denn im weiteren Rohstoffabbau. Auch in punkto Umsatz könnte der Tourismus in Thüringen und natürlich auch im Südharz noch deutlich zulegen, meinte Reinholz einst im nnz-Gespräch.

Aber, machen wir uns alle zusammen nichts vor: Der jetzt bejubelte Erfolg könnte auch eher temporärer Art sein. Da ist zwar auf der einen Seite der politische Wille in diesem Land, der da vor einer Woche medienwirksam artikuliert wurde. Die andere Seite jedoch ist rechtlicher Natur. Wie werden die betroffenen Firmen in Niedersachsen und im Landkreis Nordhausen reagieren? Sie hatten bislang immer das Bergrecht Ost auf ihrer Seite. Sie verfügen über Eigentum, das nun nichts mehr wert sein soll. Welche Rolle wird künftig das Bergamt in Gera spielen?

Die kommenden Wochen werden zeigen, wie ernst es die Thüringer Politik meint, wenn Sie sich für die touristische Entwicklung und für den Erhalt einer einzigartigen Landschaft einsetzt. Insofern sollte der Jubel zwar gerechtfertigt sein, doch ein endlicher Sieg ist wohl noch nicht errungen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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