Di, 11:19 Uhr
09.04.2013
Frauen im liberalen Judentum
Im November 2010 feierte das liberale Judentum 200jähriges Bestehen. Seine Ursprünge liegen vor allem im Deutschland des 18. und 19. Jahrhunderts. Daran will jetzt ein Vortrag erinnern...
Bis zur Vernichtung der Juden während des Naziregimes bildete das liberale Judentum die Mehrheit innerhalb der Einheitsgemeinden. In der jüdischen Tradition wirkten Männer als geistliche Oberhäupter (Rabbiner) einer Gemeinde. Sie waren Schriftgelehrte und Seelsorger zugleich. Heute nehmen zunehmend auch Frauen Rabbineramt Rabbinerin wahr.
So bildet etwa das seit 1999 bestehende Abraham-Geiger-Kolleg an der Universität Potsdam Rabbinerinnen aus. Dies ist kein Novum, denn gerade in Deutschland hat das weibliche Rabbinat durchaus historische Tradition. 1935 wurde in Berlin Regina Jonas als weltweit erste Rabbinerin ordiniert. Nach ihrer Festnahme durch die Nazis wirkte sie zwei Jahre seelsorgerisch in Theresienstadt, bevor die damals 42jährige 1944 in Auschwitz ermordet wurde.
Begünstigt durch die Zuwanderung von Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion entstand seit Anfang der neunziger Jahre in den dynamisch wachsenden Einheitsgemeinden Deutschlands das Bedürfnis nach Alternativen zum orthodox geprägten Gottesdienst. Ab 1995 gründeten sich deshalb an einigen Orten liberale Gemeinden. Kennzeichnend für sie sind eine gestraffte Liturgie, Gebetstexte in Hebräisch und Muttersprache, Aufhebung der Geschlechtertrennung im Gottesdienst und Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Ritus.
Erster überregionaler Treffpunkt dieser Bewegung war von 1995 bis 2002 die Evangelische Akademie Arnoldshain im Taunus. Neben dem Bekenntnis zu Demokratie und sozialer Gerechtigkeit innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft bestehen eine offene Haltung gegenüber der nichtjüdischen Gesellschaft und die aktive Teilnahme am interreligiösen und interkulturellen Dialog.
Caroline Bechhofer hat die Enzyklopädie isha. Frau und Judentum aus dem Französischen übersetzt. Das Werk, von der Rabbinerin Pauline Bebe aus weiblicher Perspektive einfühlsam und kenntnisreich geschrieben, vermittelt Einblicke in jüdische Lebenswelten.
Das KulturForum e.V., die Gleichstellungsstelle des Landeskreises Osterode und die evangelische Kirche Bad Sachsa laden zur Einführung in die Thematik mit anschließender Diskussion in das Lutherhaus, Kirchstraße, ein. Donnerstag, 18.4.2013, 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Autor: redBis zur Vernichtung der Juden während des Naziregimes bildete das liberale Judentum die Mehrheit innerhalb der Einheitsgemeinden. In der jüdischen Tradition wirkten Männer als geistliche Oberhäupter (Rabbiner) einer Gemeinde. Sie waren Schriftgelehrte und Seelsorger zugleich. Heute nehmen zunehmend auch Frauen Rabbineramt Rabbinerin wahr.
So bildet etwa das seit 1999 bestehende Abraham-Geiger-Kolleg an der Universität Potsdam Rabbinerinnen aus. Dies ist kein Novum, denn gerade in Deutschland hat das weibliche Rabbinat durchaus historische Tradition. 1935 wurde in Berlin Regina Jonas als weltweit erste Rabbinerin ordiniert. Nach ihrer Festnahme durch die Nazis wirkte sie zwei Jahre seelsorgerisch in Theresienstadt, bevor die damals 42jährige 1944 in Auschwitz ermordet wurde.
Begünstigt durch die Zuwanderung von Juden aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion entstand seit Anfang der neunziger Jahre in den dynamisch wachsenden Einheitsgemeinden Deutschlands das Bedürfnis nach Alternativen zum orthodox geprägten Gottesdienst. Ab 1995 gründeten sich deshalb an einigen Orten liberale Gemeinden. Kennzeichnend für sie sind eine gestraffte Liturgie, Gebetstexte in Hebräisch und Muttersprache, Aufhebung der Geschlechtertrennung im Gottesdienst und Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Ritus.
Erster überregionaler Treffpunkt dieser Bewegung war von 1995 bis 2002 die Evangelische Akademie Arnoldshain im Taunus. Neben dem Bekenntnis zu Demokratie und sozialer Gerechtigkeit innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft bestehen eine offene Haltung gegenüber der nichtjüdischen Gesellschaft und die aktive Teilnahme am interreligiösen und interkulturellen Dialog.
Caroline Bechhofer hat die Enzyklopädie isha. Frau und Judentum aus dem Französischen übersetzt. Das Werk, von der Rabbinerin Pauline Bebe aus weiblicher Perspektive einfühlsam und kenntnisreich geschrieben, vermittelt Einblicke in jüdische Lebenswelten.
Das KulturForum e.V., die Gleichstellungsstelle des Landeskreises Osterode und die evangelische Kirche Bad Sachsa laden zur Einführung in die Thematik mit anschließender Diskussion in das Lutherhaus, Kirchstraße, ein. Donnerstag, 18.4.2013, 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

