Do, 13:02 Uhr
28.03.2013
PETA hat reagiert
nnz-Autorin Sandra Witzel hatte sich Ende vergangener Woche mit der Forderung der Erhöhung der Hundesteuer durch die Tierschutzorganisation PETA auseinandergesetzt. Jetzt gibt es darauf eine Reaktion...
Sehr geehrte Frau Witzel,
ich schreibe Ihnen im Namen von PETA Deutschland e.V., Schwesterorganisation von PETA USA, der mit über 3 Millionen Unterstützern weltweit größten Tierrechtsorganisation, anlässlich Ihres am 22. März 2013 online in der Neuen Nordhäuser Zeitung erschienenen Artikels PETAs Unsinn.
Möglicherweise ist es hier ein Missverständnis entstanden, das ich gerne aufklären möchte: Denn wir setzen wir uns für eine langfristig reduzierte Hundesteuer für adoptierte Hunde aus dem Tierschutz ein, um die Vermittlung heimatloser Tiere zu fördern. Wenn Kommunen einen erhöhten Steuersatz für sogenannte Kampfhunde als (negatives) politisches Steuerungsinstrument benutzen, fordern wir im Gegenzug von diesen Kommunen, den Steuersatz (positiv) für adoptierte Tiere aus dem Tierschutz zu senken.
Mein unglücklich gewähltes Zitat Ein deutlich erhöhter Steuersatz für sogenannte Kampfhunde soll die Nordhäuser Bürger von der Haltung dieser Hunde abhalten sollte lediglich den politischen Sachverhalt erklären, um die Verantwortlichen darauf aufbauend aufzufordern, in diesem Fall die tierfreundliche Adoption zu fördern.
Die Hundesteuer wird von den Kommunen erhoben. Viele deutsche Städte und Gemeinden haben bereits eine erhöhte Steuer für sogenannte gefährliche Hunde beschlossen, damit Menschen von der Haltung dieser Hunde abrücken; das Bundeverwaltungsgericht und andere Gerichte haben bestätigt, dass die Hundesteuer mit diesem Ziel als politisches Steuerungsinstrument genutzt werden darf. (Allerdings gibt es für Kommunen die Möglichkeit, bereits gemeldete sogenannte Kampfhunde von einer Erhöhung auszunehmen, so dass perspektivisch vom Kauf der Tiere abgerückt, einer Abgabe im Tierheim aber vorgebeugt wird.)
Auf der anderen Seite versuchen einige deutsche Städte und Kommunen, die Vermittlung von Hunden aus dem Tierschutz durch einen zeitlich befristeten Steuererlass zu fördern – in der Regel muss dieser Erlass aber beantragt werden und nicht alle Halter sind darüber informiert.
Daher setzen wir uns dafür ein, dass Kommunen, die ihre Hundesteuersatzung ändern und einen erhöhten Steuersatz für sogenannte gefährliche Hunde veranschlagen oder beschlossen haben, ebenso einen grundsätzlich reduzierten Hundesteuersatz für adoptierte Hunde einführen; einmalige Anmeldung, reduzierte Hundesteuer für den adoptierten Hund – sein Leben lang. Das Ziel sollte sein, die Adoption heimatloser Hunde zu fördern und das tierfreundliche Handeln von Menschen anzuerkennen.
Von der Reduzierung der Hundesteuer für adoptierte Hunde können nicht nur die Tiere und das Tierheim profitieren, sondern auch die Stadt Nordhausen und letztlich alle Steuerzahler. Schließlich fallen Fundtiere, die den größten Teil der Tiere in Tierheimen ausmachen, unter das Fundrecht (§§ 965ff. BGB). Daher ist Nordhausen für die tierschutzgerechte Unterbringung und Versorgung der Tiere zuständig.
Die Beißstatistiken werden nicht von sogenannten Kamphunden angeführt und die Listungen, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, beruhen auf willkürlichen Annahmen. Denn unabhängig von Rasse oder Größe kann jeder Hund aggressiv werden – wenn er nicht tiergerecht gehalten oder gewalttätig erzogen wird. Daher muss beim Menschen angesetzt werden: wir von PETA machen uns deswegen für einen allgemeinen Hundeführerschein, anstelle der stigmatisierenden Rasselisten stark. Als erstes Bundesland hat sich Niedersachen für diese fortschrittliche und tierfreundliche Regelung entschieden und den Sachkundenachweis für alle Hundehalter auf Landesebene vorgeschrieben und die Listungen bestimmter Hunde abgeschafft. Wir hoffen auf einen Vorbildcharakter für die anderen Länder! Leider hat sich Thüringen erst 2010 gegen ein tierfreundliches Hundegesetz entschieden und die Rasseliste beibehalten.
Anders als willkürliche Listungen, fördert der tierfreundliche Hundeführerschein eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter und stellt sicher, dass Menschen entsprechende Kompetenzen und Wissen über die Hundehaltung haben: der Hundeführerschein dient einem friedlichen Zusammenleben – im Privaten ebenso wie auf öffentlichen Wegen. Zudem kann diese Regelung Spontankäufe von Hunden verhindern, die ohne ausführliche Auseinandersetzung mit den Anforderungen an die Haltung aus einem kurzfristigen Impuls heraus getroffen werden. Denn gerade aus einer Laune heraus aufgenommene Tiere können schnell von überforderten Menschen im Tierheim abgegeben oder sogar ausgesetzt werden.
Da leider gerade sogenannte Kampfhunde besonders häufig Opfer von Misshandlungen werden – sie werden in illegalen Hundekämpfen eingesetzt oder als Prestigeobjekte gehalten, ohne dass ihre Halter auf ihre Bedürfnisse eingehen – sprechen wir uns klar gegen die Zucht dieser Hunde aus. Diese Position entspricht unser grundsätzlichen Haltung: Solange es noch Tiere im Tierheim gibt, würde PETA ein komplettes Zuchtverbot für alle Tiere uneingeschränkt unterstützen! Zudem stehen wir jeder Form von Rassenwahn und der profitorientierten Tierzucht, die ihr Geld damit verdient, dass Menschen Tiere allein aus optischen Gründen wählen, eindeutig ablehnend gegenüber. Denn darunter leiden unzählige Tiere! Sie können sich z.B. unter PETA.de/Welpenhandel oder PETA.de/VDH informieren.
Selbstverständlich wissen wir, dass es viele Halter gibt, die ihre sogenannten gefährlichen Hunde von Herzen lieben und gut behandeln. Dennoch werden gerade diese Tiere aufgrund ihrer optischen Erscheinung häufiger als andere Hunde Opfer schlechter Haltung und Misshandlung durch dubiose Menschen.
Wir appellieren an alle Tierfreunde: Adoptieren statt kaufen! Jeder Kauf bei einem Züchter, im Internet oder auf einem Markt nimmt einem anderen Hund aus dem Tierheim die Chance auf ein glückliches Leben in einer liebevollen Familie. In deutschen Tierheimen warten unzählige Vierbeiner auf ihr Glück.
Mit freundlichen Grüßen
Charlotte Köhler, PETA
Autor: redSehr geehrte Frau Witzel,
ich schreibe Ihnen im Namen von PETA Deutschland e.V., Schwesterorganisation von PETA USA, der mit über 3 Millionen Unterstützern weltweit größten Tierrechtsorganisation, anlässlich Ihres am 22. März 2013 online in der Neuen Nordhäuser Zeitung erschienenen Artikels PETAs Unsinn.
Möglicherweise ist es hier ein Missverständnis entstanden, das ich gerne aufklären möchte: Denn wir setzen wir uns für eine langfristig reduzierte Hundesteuer für adoptierte Hunde aus dem Tierschutz ein, um die Vermittlung heimatloser Tiere zu fördern. Wenn Kommunen einen erhöhten Steuersatz für sogenannte Kampfhunde als (negatives) politisches Steuerungsinstrument benutzen, fordern wir im Gegenzug von diesen Kommunen, den Steuersatz (positiv) für adoptierte Tiere aus dem Tierschutz zu senken.
Mein unglücklich gewähltes Zitat Ein deutlich erhöhter Steuersatz für sogenannte Kampfhunde soll die Nordhäuser Bürger von der Haltung dieser Hunde abhalten sollte lediglich den politischen Sachverhalt erklären, um die Verantwortlichen darauf aufbauend aufzufordern, in diesem Fall die tierfreundliche Adoption zu fördern.
Die Hundesteuer wird von den Kommunen erhoben. Viele deutsche Städte und Gemeinden haben bereits eine erhöhte Steuer für sogenannte gefährliche Hunde beschlossen, damit Menschen von der Haltung dieser Hunde abrücken; das Bundeverwaltungsgericht und andere Gerichte haben bestätigt, dass die Hundesteuer mit diesem Ziel als politisches Steuerungsinstrument genutzt werden darf. (Allerdings gibt es für Kommunen die Möglichkeit, bereits gemeldete sogenannte Kampfhunde von einer Erhöhung auszunehmen, so dass perspektivisch vom Kauf der Tiere abgerückt, einer Abgabe im Tierheim aber vorgebeugt wird.)
Auf der anderen Seite versuchen einige deutsche Städte und Kommunen, die Vermittlung von Hunden aus dem Tierschutz durch einen zeitlich befristeten Steuererlass zu fördern – in der Regel muss dieser Erlass aber beantragt werden und nicht alle Halter sind darüber informiert.
Daher setzen wir uns dafür ein, dass Kommunen, die ihre Hundesteuersatzung ändern und einen erhöhten Steuersatz für sogenannte gefährliche Hunde veranschlagen oder beschlossen haben, ebenso einen grundsätzlich reduzierten Hundesteuersatz für adoptierte Hunde einführen; einmalige Anmeldung, reduzierte Hundesteuer für den adoptierten Hund – sein Leben lang. Das Ziel sollte sein, die Adoption heimatloser Hunde zu fördern und das tierfreundliche Handeln von Menschen anzuerkennen.
Von der Reduzierung der Hundesteuer für adoptierte Hunde können nicht nur die Tiere und das Tierheim profitieren, sondern auch die Stadt Nordhausen und letztlich alle Steuerzahler. Schließlich fallen Fundtiere, die den größten Teil der Tiere in Tierheimen ausmachen, unter das Fundrecht (§§ 965ff. BGB). Daher ist Nordhausen für die tierschutzgerechte Unterbringung und Versorgung der Tiere zuständig.
Die Beißstatistiken werden nicht von sogenannten Kamphunden angeführt und die Listungen, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, beruhen auf willkürlichen Annahmen. Denn unabhängig von Rasse oder Größe kann jeder Hund aggressiv werden – wenn er nicht tiergerecht gehalten oder gewalttätig erzogen wird. Daher muss beim Menschen angesetzt werden: wir von PETA machen uns deswegen für einen allgemeinen Hundeführerschein, anstelle der stigmatisierenden Rasselisten stark. Als erstes Bundesland hat sich Niedersachen für diese fortschrittliche und tierfreundliche Regelung entschieden und den Sachkundenachweis für alle Hundehalter auf Landesebene vorgeschrieben und die Listungen bestimmter Hunde abgeschafft. Wir hoffen auf einen Vorbildcharakter für die anderen Länder! Leider hat sich Thüringen erst 2010 gegen ein tierfreundliches Hundegesetz entschieden und die Rasseliste beibehalten.
Anders als willkürliche Listungen, fördert der tierfreundliche Hundeführerschein eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter und stellt sicher, dass Menschen entsprechende Kompetenzen und Wissen über die Hundehaltung haben: der Hundeführerschein dient einem friedlichen Zusammenleben – im Privaten ebenso wie auf öffentlichen Wegen. Zudem kann diese Regelung Spontankäufe von Hunden verhindern, die ohne ausführliche Auseinandersetzung mit den Anforderungen an die Haltung aus einem kurzfristigen Impuls heraus getroffen werden. Denn gerade aus einer Laune heraus aufgenommene Tiere können schnell von überforderten Menschen im Tierheim abgegeben oder sogar ausgesetzt werden.
Da leider gerade sogenannte Kampfhunde besonders häufig Opfer von Misshandlungen werden – sie werden in illegalen Hundekämpfen eingesetzt oder als Prestigeobjekte gehalten, ohne dass ihre Halter auf ihre Bedürfnisse eingehen – sprechen wir uns klar gegen die Zucht dieser Hunde aus. Diese Position entspricht unser grundsätzlichen Haltung: Solange es noch Tiere im Tierheim gibt, würde PETA ein komplettes Zuchtverbot für alle Tiere uneingeschränkt unterstützen! Zudem stehen wir jeder Form von Rassenwahn und der profitorientierten Tierzucht, die ihr Geld damit verdient, dass Menschen Tiere allein aus optischen Gründen wählen, eindeutig ablehnend gegenüber. Denn darunter leiden unzählige Tiere! Sie können sich z.B. unter PETA.de/Welpenhandel oder PETA.de/VDH informieren.
Selbstverständlich wissen wir, dass es viele Halter gibt, die ihre sogenannten gefährlichen Hunde von Herzen lieben und gut behandeln. Dennoch werden gerade diese Tiere aufgrund ihrer optischen Erscheinung häufiger als andere Hunde Opfer schlechter Haltung und Misshandlung durch dubiose Menschen.
Wir appellieren an alle Tierfreunde: Adoptieren statt kaufen! Jeder Kauf bei einem Züchter, im Internet oder auf einem Markt nimmt einem anderen Hund aus dem Tierheim die Chance auf ein glückliches Leben in einer liebevollen Familie. In deutschen Tierheimen warten unzählige Vierbeiner auf ihr Glück.
Mit freundlichen Grüßen
Charlotte Köhler, PETA

