Sa, 07:06 Uhr
06.03.2004
nnz-Bücherkiste: „Schweine-Öde“
Nordhausen (nnz). "Schweineöde" von Carsten Otte ist eine Parodie auf gefühlsduselige Wenderomane und biedere Erinnerungsgeschichten, ein Amoklauf gegen den deutsch-deutschen Einheitsbrei, der in wachsender Entfernung zu den historischen Ereignissen immer schleimiger wird. Die nnz hat schon mal ein bisschen in dem Buch geblättert...
Kurz zur Handlung: Der junge Kuballa aus Bonn, durch Erbschaft reich
gewordener Sohn gediegener Bonner Edel-Gastronomen, zieht direkt nach der Wende nach Oberschöneweide. Gelangweilt von den Genüssen des elterlichen Nobelrestaurants begreift er die Ex-DDR als einen Abenteuerspielplatz und glaubt, sich dort den ultimativen Kick, das tägliche Abenteuer verschaffen zu können. Seine Haltung ist eine Provokation für die Leute aus Schweineöde.
Doch Kuballa bleibt fast ein Jahrzehnt dort und leistet seinen eigenen
Beitrag zur Wiedervereinigung, verführt die ehemalige Thälmann-Pionier-Führerin, bringt seinen Nebenbuhler in den Knast und treibt die lokale Mittelstandsvereinigung zur Lynchjustiz. Die deutsch-deutsche Annäherung wird zum Horrortrip: Kuballa verfällt am Ende einem grotesken Wahn: Er hält sich für den größten Stasispitzel aller Zeiten. Er überwacht seine Nachbarn, kontrolliert deren Post und macht ihnen, gemäß dem historischen Vorbild, das Leben zur Hölle.
Boshafter und wahrhaftiger ist das absurde Zusammenwachsen der beiden Deutschlands kaum erzählt worden als in Carsten Ottes bizarrem Romandebüt. Fazit: Schweineöde ist eines nicht: öde.
Carsten Otte, geboren in Bonn und wohnhaft in Berlin und Baden-Baden, hat 4 Jahre in Oberschöneweide gelebt und zahlreiche Reportagen überOstdeutschland verfasst, die u.a. in der taz, Die Zeit, Konkret, Junge Welt und B.Z erschienen. Das Buch hat der Eichbornverlag herausgegeben.
Autor: nnzKurz zur Handlung: Der junge Kuballa aus Bonn, durch Erbschaft reich
gewordener Sohn gediegener Bonner Edel-Gastronomen, zieht direkt nach der Wende nach Oberschöneweide. Gelangweilt von den Genüssen des elterlichen Nobelrestaurants begreift er die Ex-DDR als einen Abenteuerspielplatz und glaubt, sich dort den ultimativen Kick, das tägliche Abenteuer verschaffen zu können. Seine Haltung ist eine Provokation für die Leute aus Schweineöde.
Doch Kuballa bleibt fast ein Jahrzehnt dort und leistet seinen eigenen
Beitrag zur Wiedervereinigung, verführt die ehemalige Thälmann-Pionier-Führerin, bringt seinen Nebenbuhler in den Knast und treibt die lokale Mittelstandsvereinigung zur Lynchjustiz. Die deutsch-deutsche Annäherung wird zum Horrortrip: Kuballa verfällt am Ende einem grotesken Wahn: Er hält sich für den größten Stasispitzel aller Zeiten. Er überwacht seine Nachbarn, kontrolliert deren Post und macht ihnen, gemäß dem historischen Vorbild, das Leben zur Hölle.
Boshafter und wahrhaftiger ist das absurde Zusammenwachsen der beiden Deutschlands kaum erzählt worden als in Carsten Ottes bizarrem Romandebüt. Fazit: Schweineöde ist eines nicht: öde.
Carsten Otte, geboren in Bonn und wohnhaft in Berlin und Baden-Baden, hat 4 Jahre in Oberschöneweide gelebt und zahlreiche Reportagen überOstdeutschland verfasst, die u.a. in der taz, Die Zeit, Konkret, Junge Welt und B.Z erschienen. Das Buch hat der Eichbornverlag herausgegeben.

