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Mi, 10:56 Uhr
13.03.2013

Crystal im Fokus

Crystal, die synthetische Droge, hat sich in den zurückliegenden Jahren mehr und mehr Zugang zu Konsumenten in Nordthüringen verschafft. Auch ein Grund für die Suchtberatung der Nordhäuser Diakonie, den alljährlichen Öffentlichkeitstag dem Konsum von Crystal zu widmen...

Tagung im St. Jacob Haus (Foto: nnz) Tagung im St. Jacob Haus (Foto: nnz)

Eröffnet wurde die Tagung von Dirk Rzepus vom Suchthilfezentrum der Nordhäuser Diakonie. Dem schloss sich eine Andacht an, die von Pfarrer Friedemann Büttner gehalten wurde.

Vorab zur Historie: Die „Geburtsstunde“ dieses Amphetamins geht bis in das 19. Jahrhundert zurück. Ein japanischer Chemiker hatte sie zuerst hergestellt. Die Droge machte schnell beim Militär Karriere, vor allem im Zweiten Weltkrieg. Crystal hat also eine eher unrühmliche Vergangenheit, dennoch werden Inhaltsstoffe auch heute noch in der Medizin verwendet. Doch die Droge hat nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein anderes, ein schreckliches Gesicht. Erst in diesen Tagen hatte es ein junger Mann nicht geschafft, sich vom Drogenkonsum zu befreien – er nahm sich das Leben.

Das Thema ist also aktueller als gewollt und so referierte Dirk Rzepus über die Arbeit der Beratungsstelle, die 1992 gegründet wurde und deren Hauptschwerpunkt die präventive Arbeit darstellt. Dazu gehören auch Vorträge in Schulen. Insgesamt wurden 50 Veranstaltungen organisiert, mit denen fast 2.000 Menschen erreicht wurden. Darüber hinaus wurden 63 Frauen und Männer in eine Entwöhnung vermittelt. Weitere Aufgaben sind die Vorbereitung auf die MPU (sogenannter „Idiotentest“), die Raucherentwöhnung sowie die Kooperation mit den zuständigen Behörden und Institutionen. Und schließlich kommt auch der Nachsorge eine immer stärker werdende Bedeutung zu. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 619 Beratungen durchgeführt.

Bei den ersten Diagnosen steht die Alkoholabhängigkeit ganz vorn an. 264 Klienten wurden damit registriert. 76 waren abhängig von THC und 70 von Crystal. Keine Bedeutung haben Abhängigkeiten von Heroin und Kokain. Zunehmend problematisch wird es darüber hinaus beim pathologischen Glücksspiel, hier werden 26 Klienten betreut. Insgesamt sind zwei Drittel aller Klienten der Beratungsstelle Männer.

Betrachtet man den beruflich/sozialen Status, dann stehen 223 Suchtabhängige ganz oben, die arbeitslos sind. Darüber hinaus wurden 172 Arbeiter, Angestellte und Beamte konstatiert, die Hilfe und Unterstützung gesucht hatten. Besorgniserregend ist die Zahl von 23 abhängigen Schülern und Studenten. Die Auswirkung der Sucht wird außerdem in der Verschuldung der Klienten deutlich. Unter den abhängigen Menschen ist die Verschuldung zehnfach höher als der Thüringer Durchschnitt.

Die Arbeit der Suchtberatungsstelle unterstützen 12 Selbsthilfegruppen von denen zwei Gruppen angeleitet werden. In den Gruppen kommen rund 200 Betroffene regelmäßig zusammen. Hinzu kommt ein Elternkreis von Drogen konsumierenden Jugendlichen.

Das erste Mal gab es mit Crystal Berührungspunkte im Jahr 2000, danach nahm der Anteil der Konsumenten ständig zu. Momentan habe diese synthetische Droge alle anderen Drogen verdrängt. Das liege zu einem Teil auch am Preis, der illegal gehandelten Droge. Ein Gramm kostet zwischen 80 und 100 Euro und reicht ungefähr fünf Tage. Nach den Erfahrungen der Mitarbeiter der Beratungsstelle tangiert die Einnahme von Drogen immer auch die jeweilige Kultur des „Höher, schneller, weiter“. Zudem „wirkt“ Speed länger und hat eine hohe Suchtpotenz.

Die Tagung wurde schließlich mit Informationen der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle sowie einem Referat und einer Diskussion fortgesetzt.
Autor: red

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