Mo, 07:10 Uhr
23.02.2004
Die Bahn kommt – langsam
Nordhausen/Scharzfeld (nnz). Im Südharz drehen sich die Räder der Deutschen Bahn nicht nur anders, sondern vor allem langsamer. Zu dieser Einschätzung kamen Politiker sowie Verkehrsexperten aus Niedersachsen und Thüringen. Man traf sich zu einer Sondersitzung.
Auf der sehr gut besuchten Sondersitzung der Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz" am Samstag in Scharzfeld schilderten unter anderem Otto Mayer, Chef der thüringischen Nahverkehrs-Servicegesellschaft (NVS), und Reinhard Kaiser als Vertreter der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), sowie der Bundesabgeordnete Dr. Priesmeier (SPD) ihre Erfahrungen im Umgang mit der Deutschen Bahn im allgemeinen und der DB Netz AG im besonderen. Vor den zahlreich erschienenen Vertretern der Fahrgäste, der Verbände und Kommunen entlang der Strecke gab darüber hinaus Helga Meyer (FDP) ein Gesprächsangebot des niedersächsischen Wirtschaftsministers Walter Hirche bekannt. Frau Wagner, Wahlkreisbüromitarbeiterin des urlaubsbedingt verhinderten Bundestagsabgeordneten Hartwig Fischer (CDU), teilte darüber hinaus mit, dass es am 08.04.04 zu einem erneuten Gespräch zwischen der Deutschen Bahn und der Politik zur Südharzstrecke kommen wird, auf der die Bahn ihre Pläne zum Südharz erläutern will.
Während Priesmeier darauf hinwies, dass es auf seine Anfrage zur Südharzstrecke "noch nicht einmal einen Zwischenbescheid, geschweige denn ein Gesprächsangebot" des Vorstandes für Personenverkehr gegeben habe ("Ich bleibe aber dran"), schilderte Otto Mayer die speziell thüringischen Erfahrungen mit der DB Netz. Nicht nur die Südharzstrecke, sondern Hauptrollbahnen wie die Strecken Halle - Eichenberg und Bebra - Erfurt - Halle sind in teilweise erschreckend schlechtem Zustand. Die Bahn kaschiere ihre Unpünktlichkeit durch verlängerte Übergangszeiten in den Knotenbahnhöfen (Meyer: "Statt 5 plötzlich 7 Minuten Mindestübergang - wahrscheinlich, weil wir alle älter werden…") und habe 2003 im Bereich ihrer Niederlassung Südost wiederum nicht alle verfügbaren Mittel verbaut.
Zwischen Nordhausen und Erfurt könne infolge unterbliebener Arbeiten an manchen Stellen nur noch Schrittgeschwindigkeit gefahren werden, andere Strecken wie die Kyffhäuserbahn stünden vor dem Aus. Das Engagement der NVS für Nordthüringen sei aber ungebrochen, und man ziehe hier mit der LNVG in Hannover an einem Strang. Otto Mayer dankte der Initiative "Höchste Eisenbahn" für ihre Arbeit ("So etwas könnten wir auch in Thüringen gut gebrauchen") und sicherte die weitere Unterstützung der NVS zu.
Reinhard Kaiser von der LNVG bestätigte die Zusammenarbeit mit der NVS im "Grenzgebiet" und erläuterte die Hintergründe der Abbestellung der Züge zwischen Herzberg und Bad Lauterberg. Er stellte sich auch den kritischen, aber konstruktiven Fragen der Teilnehmer und kündigte ein neues Nahverkehrskonzept für den Südharz, insbesondere den Kreis Osterode, an. Es enthält nach Kaisers Worten unter anderem
- den Neubau des Haltepunktes Bad Lauterberg an der Südharzstrecke in Barbis (Kaiser: "Aber nicht am Schützenplatz…")
- den Neubau zweier Haltepunkte in Osterode am Harz Leege und Mitte
- eine Neuordnung des Zugangebots mit dem Ziel von mehr durchgehenden Verbindungen
- eine neue schnelle Busverbindung Herzberg - Bad Lauterberg auch am Wochenende und
- eine Aufwertung des Taktknotens Herzberg am Harz mit stündlichem Treffen von 3 Zügen und 2 Buslinien.
Kaiser verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass es für die LNVG sehr wichtig sei, dass die Deutsche Bahn am Bahnhof Herzberg, der künftigen Drehscheibe des Nahverkehrs im Südharz, präsent sei. Stadtrat Andreas Wieninger (SPD) aus Nordhausen schilderte die positiven Erfahrungen mit der Mobilitätszentrale im Bahnhof Nordhausen und regte die Schaffung einer solchen Einrichtung in Herzberg an. Hans-Joachim Kallwaß aus Braunlage mahnte im Zusammenhang mit der Neuordnung des ÖPNV im Südharz auch die bessere Anbindung des Oberharzes an die Südharzstrecke an. Andere Teilnehmer aus Ostwestfalen forderten die Wiedereinführung durchgehender Zugverbindungen zwischen Nordhausen und Ottbergen zum Anschluss an die dort neu verkehrende Nord-West-Bahn nach Paderborn und Bielefeld.
Im Leinetal zwischen Göttingen, Northeim und Hannover wird es 2005 zu einer deutlichen Aufwertung des regionalen Zugangebots kommen - etwas, was auch umsteigende Reisende aus dem Südharz erfreuen dürfte. Hier wird die Linie Göttingen - Uelzen derzeit ausgeschrieben. Im Südharz selbst werden ab 2005 neue Triebwagen der Baureihe Coradia LINT von LHB Salzgitter zum Einsatz kommen und die VT 628 verdrängen.
Infrastrukturmängel müssen beseitigt werden
Alle Teilnehmer waren sich mit den Vertretern der NVS und der LNVG darin einig, dass es unter allen Umständen zur Beseitigung der Schwachstellen in der Infrastruktur der Südharz- und der Westharzstrecke kommen muss, wenn das neue Nahverkehrskonzept ein Erfolg werden soll. Namentlich der 30 km/h-Abschnitt zwischen Ellrich und Walkenried und der 60 km/h-Abschnitt zwischen Herzberg und Osterode müssen schnellstmöglich, also noch in 2004, behoben werden. Sowohl Mayer wie Kaiser betonten, dass eine gute Infrastruktur elementare Voraussetzung für die Umsetzung des neuen Konzeptes sind.
So sahen es auch die Teilnehmer der Sitzung, die anschließend die "Scharzfelder Erklärung" auf den Weg brachten und ihre Forderungen an die Bahn und die Politik darin präzisierten. Michael Reinboth und Burkhard Breme, Sprecher der Initiative, forderten eindringlich alle Politiker dazu auf, in Sachen Sanierung nicht locker zu lassen. "Vor dem Hintergrund der Sparbeschlüsse und der Mautausfälle droht die Riesengefahr, dass wir im Südharz wieder einmal zu spät kommen. Es muss alles daran gesetzt werden, damit die seit Jahren zugesagten Sanierungsarbeiten endlich durchgeführt werden" forderte Reinboth die anwesenden Vertreter der Parteien (CDU, SPD, FDP, Grüne und PDS waren zugegen) auf, die Initiative weiter zu unterstützen.
Anfang einer Kommunikationsoffensive
Ein weiterer Gesprächsgegenstand war die desolate Situation in der Vermarktung des Angebots von Bahn und Bus im Südharz. Während der VSN nur mehr kostenlose Faltblätter je Linie herausgibt, verzichtet der Verbundtarif Region Braunschweig (VRB) vollends auf die Darstellung von Anschlüssen aus dem und in den Südharz. "Touristen und Wanderer", so Reinboth, "sind damit auf das mühsame Zusammensuchen von Informationen angewiesen. Das ist dem Tourismus im Südharz nicht gerade förderlich". Der "Kleine Südharzer", der mit Unterstützung des ZVSN und einer Spende von Harz-Tours (Monika Blawe, Wilfried Bertram) aufgelegt wurde, schließt diese Lücke nur zum Teil.
Das Fahrplanheft wird nach Ausverkauf der Erstauflage nunmehr neu herausgegeben. Immerhin sind jetzt 500 gedruckte Exemplare auf dem Markt, während die Internet-Version, seit 3 Wochen abrufbar, 400 Mal angefordert wurde. Dennoch bedarf es einer übergreifenden Vermarktung des Angebots auch im Oberharz. Ansätze hierzu gibt es bei "Höchste Eisenbahn" genug, doch läuft es hier ("wie immer im Südharz", so Reinboth) schleppend. Weitere Einzelheiten können der "Scharzfelder Erklärung" und den Anlagen hierzu entnommen werden.
Autor: nnzAuf der sehr gut besuchten Sondersitzung der Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz" am Samstag in Scharzfeld schilderten unter anderem Otto Mayer, Chef der thüringischen Nahverkehrs-Servicegesellschaft (NVS), und Reinhard Kaiser als Vertreter der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), sowie der Bundesabgeordnete Dr. Priesmeier (SPD) ihre Erfahrungen im Umgang mit der Deutschen Bahn im allgemeinen und der DB Netz AG im besonderen. Vor den zahlreich erschienenen Vertretern der Fahrgäste, der Verbände und Kommunen entlang der Strecke gab darüber hinaus Helga Meyer (FDP) ein Gesprächsangebot des niedersächsischen Wirtschaftsministers Walter Hirche bekannt. Frau Wagner, Wahlkreisbüromitarbeiterin des urlaubsbedingt verhinderten Bundestagsabgeordneten Hartwig Fischer (CDU), teilte darüber hinaus mit, dass es am 08.04.04 zu einem erneuten Gespräch zwischen der Deutschen Bahn und der Politik zur Südharzstrecke kommen wird, auf der die Bahn ihre Pläne zum Südharz erläutern will.
Während Priesmeier darauf hinwies, dass es auf seine Anfrage zur Südharzstrecke "noch nicht einmal einen Zwischenbescheid, geschweige denn ein Gesprächsangebot" des Vorstandes für Personenverkehr gegeben habe ("Ich bleibe aber dran"), schilderte Otto Mayer die speziell thüringischen Erfahrungen mit der DB Netz. Nicht nur die Südharzstrecke, sondern Hauptrollbahnen wie die Strecken Halle - Eichenberg und Bebra - Erfurt - Halle sind in teilweise erschreckend schlechtem Zustand. Die Bahn kaschiere ihre Unpünktlichkeit durch verlängerte Übergangszeiten in den Knotenbahnhöfen (Meyer: "Statt 5 plötzlich 7 Minuten Mindestübergang - wahrscheinlich, weil wir alle älter werden…") und habe 2003 im Bereich ihrer Niederlassung Südost wiederum nicht alle verfügbaren Mittel verbaut.
Zwischen Nordhausen und Erfurt könne infolge unterbliebener Arbeiten an manchen Stellen nur noch Schrittgeschwindigkeit gefahren werden, andere Strecken wie die Kyffhäuserbahn stünden vor dem Aus. Das Engagement der NVS für Nordthüringen sei aber ungebrochen, und man ziehe hier mit der LNVG in Hannover an einem Strang. Otto Mayer dankte der Initiative "Höchste Eisenbahn" für ihre Arbeit ("So etwas könnten wir auch in Thüringen gut gebrauchen") und sicherte die weitere Unterstützung der NVS zu.
Reinhard Kaiser von der LNVG bestätigte die Zusammenarbeit mit der NVS im "Grenzgebiet" und erläuterte die Hintergründe der Abbestellung der Züge zwischen Herzberg und Bad Lauterberg. Er stellte sich auch den kritischen, aber konstruktiven Fragen der Teilnehmer und kündigte ein neues Nahverkehrskonzept für den Südharz, insbesondere den Kreis Osterode, an. Es enthält nach Kaisers Worten unter anderem
- den Neubau des Haltepunktes Bad Lauterberg an der Südharzstrecke in Barbis (Kaiser: "Aber nicht am Schützenplatz…")
- den Neubau zweier Haltepunkte in Osterode am Harz Leege und Mitte
- eine Neuordnung des Zugangebots mit dem Ziel von mehr durchgehenden Verbindungen
- eine neue schnelle Busverbindung Herzberg - Bad Lauterberg auch am Wochenende und
- eine Aufwertung des Taktknotens Herzberg am Harz mit stündlichem Treffen von 3 Zügen und 2 Buslinien.
Kaiser verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass es für die LNVG sehr wichtig sei, dass die Deutsche Bahn am Bahnhof Herzberg, der künftigen Drehscheibe des Nahverkehrs im Südharz, präsent sei. Stadtrat Andreas Wieninger (SPD) aus Nordhausen schilderte die positiven Erfahrungen mit der Mobilitätszentrale im Bahnhof Nordhausen und regte die Schaffung einer solchen Einrichtung in Herzberg an. Hans-Joachim Kallwaß aus Braunlage mahnte im Zusammenhang mit der Neuordnung des ÖPNV im Südharz auch die bessere Anbindung des Oberharzes an die Südharzstrecke an. Andere Teilnehmer aus Ostwestfalen forderten die Wiedereinführung durchgehender Zugverbindungen zwischen Nordhausen und Ottbergen zum Anschluss an die dort neu verkehrende Nord-West-Bahn nach Paderborn und Bielefeld.
Im Leinetal zwischen Göttingen, Northeim und Hannover wird es 2005 zu einer deutlichen Aufwertung des regionalen Zugangebots kommen - etwas, was auch umsteigende Reisende aus dem Südharz erfreuen dürfte. Hier wird die Linie Göttingen - Uelzen derzeit ausgeschrieben. Im Südharz selbst werden ab 2005 neue Triebwagen der Baureihe Coradia LINT von LHB Salzgitter zum Einsatz kommen und die VT 628 verdrängen.
Infrastrukturmängel müssen beseitigt werden
Alle Teilnehmer waren sich mit den Vertretern der NVS und der LNVG darin einig, dass es unter allen Umständen zur Beseitigung der Schwachstellen in der Infrastruktur der Südharz- und der Westharzstrecke kommen muss, wenn das neue Nahverkehrskonzept ein Erfolg werden soll. Namentlich der 30 km/h-Abschnitt zwischen Ellrich und Walkenried und der 60 km/h-Abschnitt zwischen Herzberg und Osterode müssen schnellstmöglich, also noch in 2004, behoben werden. Sowohl Mayer wie Kaiser betonten, dass eine gute Infrastruktur elementare Voraussetzung für die Umsetzung des neuen Konzeptes sind.
So sahen es auch die Teilnehmer der Sitzung, die anschließend die "Scharzfelder Erklärung" auf den Weg brachten und ihre Forderungen an die Bahn und die Politik darin präzisierten. Michael Reinboth und Burkhard Breme, Sprecher der Initiative, forderten eindringlich alle Politiker dazu auf, in Sachen Sanierung nicht locker zu lassen. "Vor dem Hintergrund der Sparbeschlüsse und der Mautausfälle droht die Riesengefahr, dass wir im Südharz wieder einmal zu spät kommen. Es muss alles daran gesetzt werden, damit die seit Jahren zugesagten Sanierungsarbeiten endlich durchgeführt werden" forderte Reinboth die anwesenden Vertreter der Parteien (CDU, SPD, FDP, Grüne und PDS waren zugegen) auf, die Initiative weiter zu unterstützen.
Anfang einer Kommunikationsoffensive
Ein weiterer Gesprächsgegenstand war die desolate Situation in der Vermarktung des Angebots von Bahn und Bus im Südharz. Während der VSN nur mehr kostenlose Faltblätter je Linie herausgibt, verzichtet der Verbundtarif Region Braunschweig (VRB) vollends auf die Darstellung von Anschlüssen aus dem und in den Südharz. "Touristen und Wanderer", so Reinboth, "sind damit auf das mühsame Zusammensuchen von Informationen angewiesen. Das ist dem Tourismus im Südharz nicht gerade förderlich". Der "Kleine Südharzer", der mit Unterstützung des ZVSN und einer Spende von Harz-Tours (Monika Blawe, Wilfried Bertram) aufgelegt wurde, schließt diese Lücke nur zum Teil.
Das Fahrplanheft wird nach Ausverkauf der Erstauflage nunmehr neu herausgegeben. Immerhin sind jetzt 500 gedruckte Exemplare auf dem Markt, während die Internet-Version, seit 3 Wochen abrufbar, 400 Mal angefordert wurde. Dennoch bedarf es einer übergreifenden Vermarktung des Angebots auch im Oberharz. Ansätze hierzu gibt es bei "Höchste Eisenbahn" genug, doch läuft es hier ("wie immer im Südharz", so Reinboth) schleppend. Weitere Einzelheiten können der "Scharzfelder Erklärung" und den Anlagen hierzu entnommen werden.

