Mo, 12:40 Uhr
28.01.2013
Wer wollte diesen Prachtbau?
Da steht er - mitten in der Stadt - eingezwängt zwischen Rathaus und modernisierten Wohnblocks. Der zweifache Betonklotz, der einmal die Mitte der Rolandstadt sein soll: Wer aber wollte eigentlich die Kulturbibliothek? Die nnz auf Spurensuche...
Es ist schon ganz lange her - da hatte eine Frau im Nordhäuser Rathaus eine Vision. Barbara Rinke hieß die Frau und Visionen zu haben war quasi ihr Job. Die Bürger dieser Stadt hatten ihr dreimal mehrheitlich dafür die Macht verliehen.
Und so visionierte Barbara Rinke einst unter anderen die Erweiterung des jetzigen Rathaus nach "hinten", also dorthin, wo künftig Hunderte Menschen innen und außen begierig Bücher tauschen, ausleihen, lesen werden. Dafür sollte das Neue Rathaus verkauft werden. Am besten an einen Hotelinvestor. Das ist Geschichte, diese Vision ging ins Auge.
Doch der Platz, auf dem einst die Nikolaikirche stand, der sollte wieder bebaut werden. Vor allem denjenigen, die per Arbeitsvertrag oder per Wahl darüber entscheiden konnten, denen sollte vermutlich die Entscheidung "schmackhaft" gemacht werden. Mal so knapp 15 Millionen Euro zu "stemmen", das war der Stadtverwaltung nicht möglich. Aber es gibt ja Fördermittel. Die jedoch sind an Fördertöpfe gebunden. Damals und heute gibt es es weder im Land Thüringen noch im Bund, in Europa oder sogar im Universum einen Topf, aus dem Gelder für den Neubau eines Ratssitzungssaals sprudeln. Und es gibt auch keinen Cent für die Investition in eine Tiefgarage für Rathaus-Mitarbeiter. Aber mehrere Fördertöpfe für den Bau einer neuen Bibliothek, die gab es damals. Damals - das war als die Planungen begannen. Und so mutiert die Bibliothek eigentlich nur als Alibi für eine Rathaus-Tiefgarage und einen schicken supermodernen Sitzungssaal für die Stadträte.
Denen wird noch in diesem Jahr das Modell vorgelegt, wie denn ihr Saal aussehen soll. Vielleicht ein riesiger runder Eichentisch? Vielleicht ein flexibles Sitz-Konstrukt? Hauptsache nicht zuviel Plätze für Zuschauer, die könnten ja die diversen Sitzungen besuchen und versuchen, einen Hauch von Demokratie zu erheischen.
Und so ist es auch nicht verwunderlich, warum die Stadträte dieser gigantischen Summe einst zugestimmt hatten und auch bei allen Sonderwünschen und Preiserhöhungen immer - bis auf die Fraktionäre der FDP, zustimmten. Sie alle sehen sich schon sitzen. Am polierten Eichentisch, ausgestattet mit einem Mikro an jedem Sitzplatz. So lässt sich trefflich regieren.
Nun ist auch klar, warum vor und während der Planungen für die Kulturbibliothek nie wirklich an einen Veranstaltungssaal gedacht wurde, in den mehr als 200 Personen gleichzeitig hinein"passen", obwohl die Stadt Nordhausen doch einen Veranstaltungssaal dringend benötigt.
Alles Quatsch werden Verwalter und angebliche Aufseher wieder sagen - da ist doch noch die Himmelgarten-Bibliothek, die nun eine neue Heimstatt finden soll. Und dann haben wir noch das Lese-Café, in dem dann vor allem die vielen Sangerhäuser sitzen, die mal schnell über die A 38 nach Nordhausen kommen, um sich ein Buch auszuleihen oder die sich nach dem Einkauf im dann eröffneten Altstadt-Forum ein Käffchen gönnen.
Können sie ja auch in dem künftigen Shopping-Tempel, werden jetzt einige sagen. Fragen wird man sich auch, wie Frau Rinke das einst mit den Sangerhäusern und deren merkwürdigen Leseverhalten gemeint hat?
Solch eine monströse Bibliothek wird schon einige Jahre und Jahrzehnte mitten in Nordhausen ihren Platz haben. Auch dann, wenn das Rascheln beim Blättern von Zeitungs- oder Buchseiten längst durch den "Wisch" über das Display eines Smartphones, E-Books oder eines Tablets abgelöst wurde. Aber Autos zum Parken und Stadträte wird es vermutlich dann immer noch geben.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redEs ist schon ganz lange her - da hatte eine Frau im Nordhäuser Rathaus eine Vision. Barbara Rinke hieß die Frau und Visionen zu haben war quasi ihr Job. Die Bürger dieser Stadt hatten ihr dreimal mehrheitlich dafür die Macht verliehen.
Und so visionierte Barbara Rinke einst unter anderen die Erweiterung des jetzigen Rathaus nach "hinten", also dorthin, wo künftig Hunderte Menschen innen und außen begierig Bücher tauschen, ausleihen, lesen werden. Dafür sollte das Neue Rathaus verkauft werden. Am besten an einen Hotelinvestor. Das ist Geschichte, diese Vision ging ins Auge.
Doch der Platz, auf dem einst die Nikolaikirche stand, der sollte wieder bebaut werden. Vor allem denjenigen, die per Arbeitsvertrag oder per Wahl darüber entscheiden konnten, denen sollte vermutlich die Entscheidung "schmackhaft" gemacht werden. Mal so knapp 15 Millionen Euro zu "stemmen", das war der Stadtverwaltung nicht möglich. Aber es gibt ja Fördermittel. Die jedoch sind an Fördertöpfe gebunden. Damals und heute gibt es es weder im Land Thüringen noch im Bund, in Europa oder sogar im Universum einen Topf, aus dem Gelder für den Neubau eines Ratssitzungssaals sprudeln. Und es gibt auch keinen Cent für die Investition in eine Tiefgarage für Rathaus-Mitarbeiter. Aber mehrere Fördertöpfe für den Bau einer neuen Bibliothek, die gab es damals. Damals - das war als die Planungen begannen. Und so mutiert die Bibliothek eigentlich nur als Alibi für eine Rathaus-Tiefgarage und einen schicken supermodernen Sitzungssaal für die Stadträte.
Denen wird noch in diesem Jahr das Modell vorgelegt, wie denn ihr Saal aussehen soll. Vielleicht ein riesiger runder Eichentisch? Vielleicht ein flexibles Sitz-Konstrukt? Hauptsache nicht zuviel Plätze für Zuschauer, die könnten ja die diversen Sitzungen besuchen und versuchen, einen Hauch von Demokratie zu erheischen.
Und so ist es auch nicht verwunderlich, warum die Stadträte dieser gigantischen Summe einst zugestimmt hatten und auch bei allen Sonderwünschen und Preiserhöhungen immer - bis auf die Fraktionäre der FDP, zustimmten. Sie alle sehen sich schon sitzen. Am polierten Eichentisch, ausgestattet mit einem Mikro an jedem Sitzplatz. So lässt sich trefflich regieren.
Nun ist auch klar, warum vor und während der Planungen für die Kulturbibliothek nie wirklich an einen Veranstaltungssaal gedacht wurde, in den mehr als 200 Personen gleichzeitig hinein"passen", obwohl die Stadt Nordhausen doch einen Veranstaltungssaal dringend benötigt.
Alles Quatsch werden Verwalter und angebliche Aufseher wieder sagen - da ist doch noch die Himmelgarten-Bibliothek, die nun eine neue Heimstatt finden soll. Und dann haben wir noch das Lese-Café, in dem dann vor allem die vielen Sangerhäuser sitzen, die mal schnell über die A 38 nach Nordhausen kommen, um sich ein Buch auszuleihen oder die sich nach dem Einkauf im dann eröffneten Altstadt-Forum ein Käffchen gönnen.
Können sie ja auch in dem künftigen Shopping-Tempel, werden jetzt einige sagen. Fragen wird man sich auch, wie Frau Rinke das einst mit den Sangerhäusern und deren merkwürdigen Leseverhalten gemeint hat?
Solch eine monströse Bibliothek wird schon einige Jahre und Jahrzehnte mitten in Nordhausen ihren Platz haben. Auch dann, wenn das Rascheln beim Blättern von Zeitungs- oder Buchseiten längst durch den "Wisch" über das Display eines Smartphones, E-Books oder eines Tablets abgelöst wurde. Aber Autos zum Parken und Stadträte wird es vermutlich dann immer noch geben.
Peter-Stefan Greiner







