nnz-Forum: Kahlschlag im Gehege
Als Vertreter der AG Baumschutz vom BUND möchte sich Ulrike Taeger-Schmidt zum Kahlschlag im Nordhäuser Gehege äußern...
Auch ich war bei meinem letzten Spaziergang durch das Gehege einfach nur entsetzt. Man hat scheinbar mit behördlicher Genehmigung gezielt die größten und schönsten Bäume gefällt, um den höchstmöglichen Holzertrag zu erzielen. Viele der Stämme, die auf dem Gehegeplatz lagern, machen an den Schnittstellen einen sehr gesunden Eindruck.
Entgegen der Darstellung der Stadtverwaltung in der nnz vom 15. Januar sieht das Gehege nicht mehr wie ein Erholungsgebiet, sondern eher wie ein Forstnutzungsgebiet aus. Gerade die großen, alten Bäume machten doch den Reiz des Geheges als Naherholungsgebiet aus und boten zudem Vögeln, Insekten und Kleinsäugern ein Biotop. Aber große alte Bäume haben scheinbar keine Lobby, wenn es keine botanischen Raritäten sind. Wozu brauchen wir ein verjüngtes Gehege, wenn keiner mehr darin spazieren gehen möchte?
Das Gehege hat den Status eines Stadtwaldes und nach Bundeswaldgesetz § 14 besteht eine Haftung des Waldbesitzers, also der Stadt Nordhausen, wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht grundsätzlich nicht für waldtypische Gefahren. Waldtypische Gefahren sind Gefahren, die von lebenden oder toten Bäumen ausgehen.
Somit können die aufgeführten Gründe für die Baumfällungen betreffs Sicherung der Bevölkerung ad absurdum geführt werden. Die Baumfällungen dienten wohl doch nur wirtschaftlichen Interessen.
Ulrike Taeger-Schmidt
Autor: red
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Kommentare
Sven-Bolko
24.01.2013, 14:45 Uhr
Kann dem Artikel nur Zustimmen
Wieder wird keiner Schuld sein.Aber eine Empfehlung an alle Nordhäuser seht Euch an was für ein Unsinn in Eurer Stadt geschieht. Der Petersberg,damals ein Schandfleck mitten in Nordhausen wurde mit großem finanziellem Aufwand wunderschön gestaltet, der Stadtpark wurde in den letzten Jahren so schön wie nie zuvor umgestaltet, der Park Hohenrode wird durch großes persönliches Arrangement von Nordhäusern gestaltet. Das Gehege ,wird unterdessen total abgehangen. Auch hier flossen unzählige Euro rein nur das scheint vergessen.
Schauen Sie sich die Situation selber an ob man noch von einem Naherholungsgebiet reden kann .Schade.
Flitzpiepe
24.01.2013, 15:23 Uhr
Wenn es wirklich so ist
dass neben alten und abgestorbenen Bäumen auch noch die größten und besten Bäume gefällt wurden, mit dem Ziel diese dann zu verkaufen, wäre das in meinen Augen ein Skandal.
I.H.
24.01.2013, 16:29 Uhr
Na sowas aber auch.
Schau an, die größten und schönsten Bäume werden gefällt. Was für Maße hat denn so ein prächtiger sexy Baum für euch Ästheten?
Beim nächsten mal könnt ihr Hobbydendrologen ja selbst die Bäume anzeichnen. Nehmt aber bitte die Häßlichsten und die Kleinsten. Dann habe ich wenigstens was zu Lachen.
Alex Gösel
24.01.2013, 16:34 Uhr
Warum sich erst jetzt Beschweren?
Mir ist nicht klar, warum sich der BUND erst jetzt beschwert. Ich habe bereits in meinem Artikel "Denkmal in Gefahr" vom 19. 09. 2012 auf den desolaten Zustand des Geheges hingewiesen. Auch habe ich Frau Gisela Hartmann, Grüne, auf den Zustand des Geheges hingewiesen. Auf eine Reaktion der Nordhäuser Grünen warte ich jedoch bis heute vergeblich.
Frau Barbara Rinke, damals OB, versprach schon 2008 eine Sanierung des Denkmals, jedoch erst Ende 2012 wurde das Denkmal, ohne Rücksicht auf das Umfeld, saniert. Zu einer Denkmalsanierung gehört meiner Meinung nach jedoch auch eine Sanierung / Pflege des Umfeldes. Dieses fand erst im Januar 2013 statt.
Einige Fragen hätte ich dann jedoch noch an die Stadtverwaltung: Was hat die Entkernung des Geheges gekostet? Was hat die Sanierung des Kriegerdenkmals, inklusive aller vorangegangenen Untersuchungen gekostet?
Soweit ich weiß hat die Voruntersuchung 2008, die ja im Jahr 2012 meiner Meinung nach veraltet gewesen sein müsste, 20000,00 Euro gekostet, die Sanierung 70000,00 Euro, macht allein für das Denkmal 90000,00 Euro. Bitte korrigieren sie mich, wenn ich falsch liegen sollte!
Wurde das Kriegerdenkmal auch ähnlich der Stele am Rathaus gegen Grafitti und ähnlichem Einflüssen versiegelt? Wenn nein, warum wurde dies nicht getan?
Wäre es auch hier nicht möglich und wünschenswert, auch hier die Schrift wieder lesbar zu machen? Geld dürfte hier wohl keine Rolle spielen, da ja Wacker einige gute Sponsoren im Rücken hat.
Eine letzte Frage an die AG Baumschutz im BUND: Was kostet denn derzeit ein Festmeter Holz und auf wieviel Festmeter schätzen sie die gefällten Baumbestände?
Mit freundlichen Grüßen
C. Brothuhn
Alex Gösel
24.01.2013, 16:47 Uhr
Nachtrag
Ich meinte mit der Schrift lesbar machen das Denkmal im Wackerstadion. Wie bereits oben erwähnt hat ja Wacker Nordhausen meiner Meinung nach einige gute Sponsoren "im Rücken".
Peppone
24.01.2013, 19:19 Uhr
Was ist das für ein Ding?
"BUND - AG Baumschutz" gibt es so etwas hier bei uns wirklich? "AG BUND - keine Ahnung, aber davon eine ganze Menge" kenne ich. Was macht man denn so den ganzen Tag bei BUND - Baumschutz? Nach Juchtenkäfern gucken?
Sachen gibt's.
@Brothuhn: aktuelle Holzpreise findet man bei Waldprinz. Und Holz ist nicht gleich Holz. Fragen Sie besser Pudlich, bei BUND weiß das eh keiner.
----4
25.01.2013, 06:31 Uhr
Pudlich?
Ist das nicht jener Oberförster, der die Bäume nach Nadel- und Fadenbäumen einteilt? Eine Einteilung, die auch heute noch ihre Gültigkeit besitzt....bei jenem Oberförster
Gertrude
25.01.2013, 07:52 Uhr
Harvester zerstören unser geliebtes Gehege.
Noch im Herbst 2012 ließ Stadtförster Axt in einer Pressemeldung verkünden, dass dringende Baumfällarbeiten im Gehege nötig würden. Die dort beschriebenen Schäden und Krankheiten konnte ich bei meinen Runden durchs Gehege damals schon nicht nachvollziehen. Wer sich nun die gefällten Riesen anschaut wird keinerlei Fäulnis- oder Verpilzungs-Spuren finden. Hier wurde eindeutig aus wirtschaftlichen Gründen gehandelt.
Im Gehege sieht es aus wie auf einem Truppenübungsplatz. Hier wurde den Nordhäuser Bürgern das Wander- und Erholungserlebnis im Gehege auf Jahre hinaus vermiest. Die Stadtverwaltung hätte hier ihren Stadtförster ja mal einbremsen und an den Erholungsauftrag im Gehege appellieren können. Aber dieses Gespür für das rechte Maß ist unseren Stadtobersten ja bereits mehrfach abhanden gekommen (siehe Kulturbibliothek).
Retupmoc
25.01.2013, 09:54 Uhr
Klimawandel
Ich finde es gut, wenn man alles abholzt. Es ist kalt draussen und Zeit für Klimawandel.
Ich war gestern auch im Gehege. Anstatt das Gelände zu einem Schmuckstück für Nordhäuser und Gäste ( wie es früher einmal war ) zu machen, hat die Stadt nun einen weiteren Schandfleck. Es ist eine Schande. Aber der OB hat bestimmt mal wieder nichts davon gewusst.
frank der 1.
25.01.2013, 09:58 Uhr
Ökölogie???
Zum Wohl der Energiewende werden jetzt auch in NDH die Buchenaltbestände rasiert. Und wie üblich werden die kahlen Flächen mit nichtheimischen, schnellwachsenden Nadelbäumen aufgeforstet. Bei BUND und den Grünen heist das "nachhaltige Forstwirtschaft". Wie höhnisch und oppertun ist das denn?
Ihr seht momentan nur das Gehege in NDH, alle Kommentatoren sollten sich mal nur im LK umsehen welcher Raubbau an der Natur betrieben wird. Leider wird dies von unseren sogenannten Öko-Vertretern billigend in Kauf genommen.
Die "ökologisch wertvollen" Biomassekraftwerke brauchen Futter.
Ökologie hört dort auf wo Profit beginnt.
frank der 1.
25.01.2013, 10:13 Uhr
Mediales Aufsehen
Verfolgt man die letzten Kampangen unserer Öko's, muß man feststellen, damit die Baumfällarbeiten nicht genug mediales Aufsehen erregt hätten, um daraus eine imageträchtige Selbstdarstellung zu machen. Also können diese Bäume ruhig weg. Liebe Frau Taeger-Schmidt diese Aktion hätte verhindert werden können. Müssen. Auch durch ihre Organisation.
Pressesprecher Stadt Nordhausen
25.01.2013, 13:47 Uhr
Trotz Kritik: Stadtverwaltung wird keine Unfälle billigend in Kauf nehmen
Die Forstarbeiten im Gehege dienen einem einzigen Zweck: dem Schutz der Passanten vor umstürzenden Bäumen oder herunter brechenden Ästen im Rahmen der so genannten Verkehrssicherungspflicht.
Dabei müssen natürlich auch Bäume gefällt werden, und selbstverständlich wird auch Holz verkauft. Da die Bäume gefällt wurden, weil u.a. die Standsicherheit nicht mehr gegeben war, konnte die Holzqualität auch nur einen mindere sein.
Gesunde Stammflächen sehen anders aus und weisen keine Hohlräume bzw. Pilzbefall auf. Beides war bei den Stämmen zu besichtigen, die auf dem Gehegeplatz gelagert wurden. Insofern konnte der überwiegende Teil des Holzes auch nur als Industrieholz verkauft werden. Die angebliche Fällung von großen alten Bäumen, um Erlöse zu erzielen, hat es nie gegeben.
Die Anmerkungen von Frau Taeger-Schmidt sind im Grundsatz richtig - gelten aber für normale Wälder und nicht für einen Erholungswald mitten in der Stadt, der stark frequentiert wird - vom Kind bis zum Senior.
Laut Frau Taeger-Schmidt sollte seitens der Stadtverwaltung, da im Wald ja eine eingeschränkte Verkehrssicherungspflicht gelte, Verletzungen der Bürger, z.B. durch Starkastausbrüche, billigend in Kauf genommen werden.Das wird und darf die Stadtverwaltung natürlich nicht tun.
Ab Anfang Februar wird eine einheimische Fachfirma mit Unterstützung von Spezialisten aus München mehrere große Buchen, die bis zum 40 Meter hoch sind, unter hohem finanziellen Aufwand auf eine Höhe von durchschnittlich 20 Meter einkürzen – obwohl eine Fällung deutlich billiger wäre.
Viele betroffene Bäume wurden nicht gefällt, da bei der Kontrolle Anzeichen für Bruthöhlen / Winterquartier für Fledermäuse gefunden wurden. Um diese Biotopbäume zu erhalten, werden die Höhlen fachgerecht mit einem Endoskop untersucht. Es werden lediglich die Baumkronen entnommen, um die Bruchsicherheit/Standsicherheit der Bäume zu erhöhen.
Die Stadt Nordhausen hat verantwortungsvoll alle erforderlichen Maßnahmen eingeleitet, um eine relativ gefahrenfreie Nutzung des Geheges zu gewährleisten. Alle naturschutzrelevanten Maßnahmen zum Schutz des Tierbestandes und auch des verbleibenden Baumbestandes wurden dabei unter hohen Kostenaufwand umgesetzt. Deshalb entbehren alle Mutmaßungen, dass wirtschaftliche Interessen eine Rolle gespielt haben, jeglicher Grundlage.
Patrick Grabe, Pressesprecher Stadt Nordhausen
andreas66
25.01.2013, 17:41 Uhr
Herr Pressesprecher,
wo und wann führt die Stadt eigentlich die Ersatzpflanzungen für die vielen gefällten Bäume durch? Wegen einer genehmigten Fällung auf unserem Grundstück (Baufreiheit) sind wir verpflichtet worden, pro gefälltem Baum eine Ersatzpflanzung durchzuführen. Hält sich nun die Stadt selbst auch an die Verordnungen, die sie ihren Bürger aufbürdet?
Gertrude
25.01.2013, 22:27 Uhr
Standfestigkeit gefährdet?
Nach den vielen Kommentaren in der NNZ hab ich mir heute die entnommenen Stämme noch einmal angesehen: Ja, es sind an einigen Stämmen pilzbefallene Stellen zu sehen. Es handelt sich hier wohl um den Brandkrustenpilz. Letztendlich stellt sich die Frage, wieviele Jahrzehnte die befallenen Bäume mit diesem teilweisen Befall uns noch Schatten gespendet hätten.???
"Zu fällen einen schönen Baum
braucht's eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert."
So bleibt uns nur zu hoffen, dass unsere Urenkel einen wieder dichten Baumbestand im Gehege genießen können.
Peppone
26.01.2013, 21:07 Uhr
Keine Angst
gesunde Waldbestände bestehen aus allen Altersklassen. Der Bestand im Gehege war für einen innerstädtischen Wald mit Parkfunktion hoffnungslos überaltert.
Und Sie @engine143 brauchen auch nicht die Hoffnung auf einen dichten Wald auf ihre Urenkel verlagern. Jetzt wo Licht in diesen Wald kommt wird sich ein gesunder, junger Wald entwickeln. Spätestens in fünf Jahren wird der dichter sein, als vielen hier lieb ist. Dann wird hier wieder von BUND und anderen Hobby-Grünen danach geschrieen, endlich die "Büsche" und "Sträucher" zu beseitigen, weil der Wald dort "nicht schön" ausschaut und zu dicht ist!
Ullifant
29.01.2013, 11:46 Uhr
Buchenkürzung
Der Pressesprecher der Stadt Nordhausen Patrick Grabe bezeichnet das Gehege
als Erholungswald. Vor dem Gesetz gibt es aber gar kein Definition für einen Erholungswald. Es gibt entweder Wald oder Park. Das Vorhaben, die 40 m hohen Buchen zu kürzen, ist doch das Todesurteil für diese Bäume! Wenn bei einem Baum die Baumkronen "entnommen" werden ist er nicht mehr lebensfähig und fällt irgendwann um.Wo bleibt da die Standsicherheit, die durch den Schnitt erhöht werden soll? Der Anblick der Baumstümpfe erhöht den Wert dieses "Erholungswaldes" sicher nicht.
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