Mo, 14:27 Uhr
09.02.2004
4 Hände, 4 Füße und Norbert Blüm
Nordhausen (nnz). An diesem Wochenende war eine junge Frau unterwegs in Baden Württemberg. In Hardheim genoß Katrin Landgraf ein außergewöhnliches Konzert. Ihre Eindrücke hat sie für die nnz aufgeschrieben.
Wie vielschichtig sich Interpretationen vom Text des Karnevals der Tiere von Camille Saint-Saens zeigen können, bewies am Sonntag Abend in der Hardheimer Pfarrkirche St. Alban Dr. Norbert Blüm. Ganz aus seinem Berufsfeld kommend, verwandelte er die Zirkusarena in einen bunten Kongresssaal, in dem sich kleine und große Tiere tummelten. Auf satirisch politische Weise wurde Kanzler Gerhard Schröder mal eben zum Löwenkönig mit rot grün gefärbten Fell gemacht, Angela Merkel wurde zum stolzen Schwan, der mit traurigem Blick und leicht hängenden Mundwinkeln elegant über das Wasser tanzte, die Bundestagsfraktion tanzte als Schildkrötenballett den Can Can, die schwarze Giftqualle Joschka schluckte Algen um das Aquarium sauber zu halten, der Finanzminister lief als Hahn nervös die Hühnerleiter rauf und runter, um sein Geld wieder zu finden und der Rezitator selbst wurde zum kleinen tollpatschig tanzenden Elefanten Nobbi.
Teilweise arg satirisches Politkabarett und Eigenkritik wurden hier vereint zu einem Konzerterlebnis besonderer Art, denn nicht nur der Rezitator war der Höhepunkt des Abends, sondern auch die witzige und sehr interessante Adaption des Karnevals für Orgel von Christian Weiherer und Norbert Düchtel, die die Vleugels-Orgel an diesem Abend vierhändig zum Klingen brachten. Grundgedanke dieses außergewöhnlichen Konzertes war es, die Sinfonik, die der Orgel schon angehört, auch in ihrer Literatur wider zu spiegeln und spektakuläre Orchestermusik auf die Königin der Instrumente zu transponieren. Neben dem, mit großer Virtuosität zu Gehör gebrachten Sarkastischen Werks Saint-Saens (dessen Schwan nur ein melancholisch, träumerisches Cello fehlte), wurden auch bekannte Melodien der Strauß Familie gespielt, bei denen sich die Orgel von ihrer ganz besonderen Seite zeigen konnte. Durch die Effekt-Register konnten die Organisten ohne Probleme die Paukenschläge von Blitz und Donner imitieren, oder eine Nachtigall in En Passant zaubern. Nur der Pizzikato Polka fehlte die gewisse Zierlichkeit der zupfenden Streicher.
Dem anschließenden langatmigen, aber genialen Bolero von Maurice Ravel stand indessen nichts aus. Das romanische und arabische Züge vermischende spanische Volksmusikgut zeichnet sich durch markante Rhythmik und klangtechnische Eigenheiten aus, der in der Instrumentierung vor allem Kastagnetten- und Gitarrenbegleitung angehören. Interessanter weise vermochten die Organisten genau diese Klangideale umzusetzen und real wirken zu lassen, so dass der Bolero trotz seiner Länge und ständig wiederkehrenden sich steigernden Melodie nie langweilig wirkte. Immer wieder entdeckte man neue Eigenheiten, die sich mit dem Gesamtbild prägend vereinten.
Das zahlreich erschienene Publikum bedankte sich mit einem herzlichen und anhaltenden Applaus für diesen ganz besonderen Abend voller neuer Klangeindrücke und bekam als Zugabe den Radetsky Marsch um den Abend im typischen orchestralen Stil enden zu lassen. Der Erlös dieses Konzertes ging auf Vorschlag von Dr. Blüm der Kindernothilfe Duisburg zugute.
Katrin Landgraf
Autor: nnzWie vielschichtig sich Interpretationen vom Text des Karnevals der Tiere von Camille Saint-Saens zeigen können, bewies am Sonntag Abend in der Hardheimer Pfarrkirche St. Alban Dr. Norbert Blüm. Ganz aus seinem Berufsfeld kommend, verwandelte er die Zirkusarena in einen bunten Kongresssaal, in dem sich kleine und große Tiere tummelten. Auf satirisch politische Weise wurde Kanzler Gerhard Schröder mal eben zum Löwenkönig mit rot grün gefärbten Fell gemacht, Angela Merkel wurde zum stolzen Schwan, der mit traurigem Blick und leicht hängenden Mundwinkeln elegant über das Wasser tanzte, die Bundestagsfraktion tanzte als Schildkrötenballett den Can Can, die schwarze Giftqualle Joschka schluckte Algen um das Aquarium sauber zu halten, der Finanzminister lief als Hahn nervös die Hühnerleiter rauf und runter, um sein Geld wieder zu finden und der Rezitator selbst wurde zum kleinen tollpatschig tanzenden Elefanten Nobbi.
Teilweise arg satirisches Politkabarett und Eigenkritik wurden hier vereint zu einem Konzerterlebnis besonderer Art, denn nicht nur der Rezitator war der Höhepunkt des Abends, sondern auch die witzige und sehr interessante Adaption des Karnevals für Orgel von Christian Weiherer und Norbert Düchtel, die die Vleugels-Orgel an diesem Abend vierhändig zum Klingen brachten. Grundgedanke dieses außergewöhnlichen Konzertes war es, die Sinfonik, die der Orgel schon angehört, auch in ihrer Literatur wider zu spiegeln und spektakuläre Orchestermusik auf die Königin der Instrumente zu transponieren. Neben dem, mit großer Virtuosität zu Gehör gebrachten Sarkastischen Werks Saint-Saens (dessen Schwan nur ein melancholisch, träumerisches Cello fehlte), wurden auch bekannte Melodien der Strauß Familie gespielt, bei denen sich die Orgel von ihrer ganz besonderen Seite zeigen konnte. Durch die Effekt-Register konnten die Organisten ohne Probleme die Paukenschläge von Blitz und Donner imitieren, oder eine Nachtigall in En Passant zaubern. Nur der Pizzikato Polka fehlte die gewisse Zierlichkeit der zupfenden Streicher.
Dem anschließenden langatmigen, aber genialen Bolero von Maurice Ravel stand indessen nichts aus. Das romanische und arabische Züge vermischende spanische Volksmusikgut zeichnet sich durch markante Rhythmik und klangtechnische Eigenheiten aus, der in der Instrumentierung vor allem Kastagnetten- und Gitarrenbegleitung angehören. Interessanter weise vermochten die Organisten genau diese Klangideale umzusetzen und real wirken zu lassen, so dass der Bolero trotz seiner Länge und ständig wiederkehrenden sich steigernden Melodie nie langweilig wirkte. Immer wieder entdeckte man neue Eigenheiten, die sich mit dem Gesamtbild prägend vereinten.
Das zahlreich erschienene Publikum bedankte sich mit einem herzlichen und anhaltenden Applaus für diesen ganz besonderen Abend voller neuer Klangeindrücke und bekam als Zugabe den Radetsky Marsch um den Abend im typischen orchestralen Stil enden zu lassen. Der Erlös dieses Konzertes ging auf Vorschlag von Dr. Blüm der Kindernothilfe Duisburg zugute.
Katrin Landgraf

