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Do, 10:19 Uhr
05.02.2004

Exemplarisch für Zwangsarbeit

Nordhausen (nnz). Was geschieht in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora? Wie soll die Neuausrichtung nach dem Ende der Bauarbeiten aussehen. Eine neue Broschüre will versuchen, einen Großteil dieser und ähnlicher Fragen zu beantworten. Die nnz hat sich das Teil schon mal angesehen...


„Lern- und Dokumentationszentrum Mittelbau-Dora“ – unter diesem Titel hat die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora soeben eine Broschüre zu ihrer Neukonzeption herausgegeben. In dem 48-seitigen Heft stellt Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner detailliert die Planungen für das im Bau befindliche Lern- und Dokumentationszentrum und für die freiräumliche Umgestaltung des Gedenkstättengeländes vor. Außerdem skizziert er die inhaltliche Neubewertung der Geschichte Mittelbau-Doras und die Leitlinien der neuen Dauerausstellung, die Anfang 2006 im Neubau eröffnet werden soll.

Danach steht Mittelbau-Dora exemplarisch für die Geschichte der KZ-Zwangsarbeit und der Untertageverlagerung. Mittelbau-Dora war das erste und das bei Kriegsende mit Abstand größte Konzentrationslager, das ausschließlich mit dem Ziel gegründet wurde, die Arbeitskraft seiner Insassen auszubeuten. Die meisten Häftlinge wurden auf Untertage-Baustellen zu Tode geschunden, nur wenige arbeiteten in der Produktion. Dennoch wird die Geschichte der Raketenrüstung im Kohnstein in der neuen Ausstellung ihren Platz haben – allerdings nicht als technikgeschichtliche Leistungsschau, sondern als Unterkapitel der KZ-Zwangsarbeit. Ebenfalls zum Leitthema der KZ-Zwangsarbeit gehören die enge Verzahnung zwischen den Lagern und ihrem gesellschaftlichen Umfeld und die Frage nach der Verstrickung von Wehrmacht und Industrie in die KZ-Verbrechen.

Das landschaftsplanerische Konzept für den Neubau ist aus einem internationalen Ideenwettbewerb hervorgegangen und sieht vor, das ehemalige KZ-Gelände historisch und topographisch lesbar zu machen, ohne die nach 1945 entstandenen Überlagerungen zu verbergen. Bauliche Relikte aus der Zeit des Konzentrationslagers sollen als Sachzeugnisse der Verbrechen sichtbar gemacht werden. Der kürzlich erfolgte Abriß des Hundesport-Vereinsheimes, das Anfang der 80er Jahre auf der Rampe des ehemaligen KZ-Bahnhofes errichtet worden war, ist ein erster Schritt in diese Richtung gewesen. Dagegen sollen die Denkmalsanlagen aus DDR-Zeit, insbesondere die Gestaltung des Appellplatzes mit den „Steinen der Nationen“, dem Betonpostament und dem Kupferrelief von Heinz Scharr, als zeitgeschichtliche Dokumente des Umgangs mit der Vergangenheit erhalten bleiben.

Während der Neubau noch in diesem Jahr bezogen werden soll und die Eröffnung der neuen Dauerausstellung für Anfang 2006 vorgesehen ist, wird die freiräumliche Umgestaltung schrittweise über einen Zeitraum von mehreren Jahren realisiert. Mit welchen gestalterischen Mitteln dies geschehen soll, zeigt der vorliegende Band sehr eindrücklich. Das Ergebnis der Neukonzeption wird ein Gedenkort und Zentrum historisch-politischer Bildungsarbeit sein, das international Beachtung findet. Erhältlich ist der Band zum Preis von 4 Euro im Buchhandel sowie in den Buchläden der Gedenkstätten Mittelbau-Dora und Buchenwald.
Autor: nnz

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