So, 08:55 Uhr
23.12.2012
Die Pflanze von nebenan (11)
Gestern berichtete Bodo Schwarzberg in der nnz über einen Pflegeeinsatz zugunsten eines Standortes des seltenen und stark gefährdeten Schmalblättrigen Lungenkrautes (Pulmonaria angustifolia). Heute gibt es dazu weitere Erläuterungen...
Allen heimischen Arten gemeinsam sind ihre blauen bis rötlichen oder violetten Blüten und ihr Status als Frühblüher (April und Mai). Die Blätter überdauern die Blüten um mehrere Monaten und können recht große Maße erreichen. So dürfte es sich bei dem meist als Heilpflanze verwendete Lungenkraut ausschließlich um das Gefleckte oder Echte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) handeln, das auf seinen Blättern meist über deutlich sichtbare weißliche Flecken verfügt. In Thüringen ist letzteres oft in Parks und Gärten zu finden. Mitunter verwildert es aus dem kommerziellen oder Zierpflanzenanbau. Echte Wildvorkommen dieser Art für Thüringen werden weitestgehend ausgeschlossen.
Das mit Abstand häufigste wilde und von vielen Spaziergängern auch im Südharz gewiss schon beobachtete heimische Lungenkraut ist das Dunkle Lungenkraut (Pulmonaria obscura) mit deutlich vom Stiel abgesetzten niemals langgestreckten, am Grunde oft herzförmigen, ungefleckten Blättern.
Die anderen drei in Thüringen heimischen Lungenkrautarten sind z.T. nur schwer voneinander zu unterscheiden, meist durch ihre Behaarung. Obendrein sind letztere selten bis sehr selten: Weiches Lungenkraut (Pulmonaria mollis), Knolliges Lungenkraut (Pulmonaria montana) und Schmalblättriges Lungenkraut (Pulmonaria angustifolia).
Letzteres ist Thema dieses Beitrages. Es weist auffallend langgestreckte, in den Blattstiel allmählich übergehende Blätter auf. Vom sehr ähnlichen Knolligen Lungenkraut ist es mitunter nur durch Zählung der Chromosomen eindeutig zu unterscheiden. Dennoch gibt es laut (2) weiterhin Untersuchungsbedarf.
Für das Vorkommen am Südwestrand des Kyffhäusers liegt laut (3) eine Chromosomenzählung vor, die es eindeutig als Schmalblättriges Lungenkraut ausweist.
Vorkommen (laut 2):
Waldsäume, extensiv genutzte Feuchtwiesen, lichte Eichen-Mischwälder. Die Art bevorzugt nährstoffarme, wechselfeuchte Standorte
Verbreitung:
auf Europa begrenzt: (Mittel- und Osteuropa)
Verbreitung und Gefährdung in Deutschland und Europa:
Die Art kam einst in sieben Bundesländern vor, heute wird sie nur noch in Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt gefunden, wo sie stark gefährdet (Rote Liste: 2, Bayern, Thüringen) bzw. vom Aussterben bedroht ist (Rote Liste 1, Sachsen-Anhalt). Laut floraweb.de ist die Art auch mitteleuropaweit gefährdet.
In Thüringen kam sie einst in 39 Viertelquadranten vor (Messquadrat mit rund 2,6 km Kantenlänge). Nach 1990 wurde sie noch in 15 nachgewiesen (62 % Verlust, siehe 4).
Rückgangsursachen:
laut floraweb.de heute insbesondere Ausbleibende natürliche Walddynamik. Das bedeutet, das durch die heutige Forstwirtschaft kaum lichte Waldstrukturen zugelassen werden, wie sie z.B. in einem Urwald durch das Umbrechen alter Bäume entstehen. Hinzu kommt die Verbuschung als Gefährdungsursache (siehe gestriger nnz-Beitrag), da z.B. die früher übliche extensive Mahd oder Beweidung von offenen Flächen heute meist unterbleibt.
All dies unterstreicht, dass für jeden verbliebenen Standort des Schmalblättrigen Lungenkrautes individuelle Pflegemaßnahmen diskutiert und umgesetzt werden müssten, um die Art in Thüringen nicht zu verlieren. Der Mangel an Geld und an politischen und ehrenamtlichen Enthusiasten sowie der bürokratische Aufwand für solche Maßnahmen aber sind ein gewaltiges Hindernis für Erfolge – trotz aller Schönwetterreden der Verantwortlichen.
Am einzigen nordthüringer, sehr versteckten Standort der Art am Südwestrand des Kyffhäusers versucht der Autor des Beitrages gemeinsam mit der UNB des Kyffhäuserkreises durch geeignete Maßnahmen eine positive Entwicklung zu erreichen.
Literatur und Quellen:
1: BÖRNGEN, S. (1985): Pflanzen helfen heilen. Verlag Volk und Geessundheit Berlin.
2: ZÜNDORF, H.-J., GÜNTHER, K.-F., KORSCH, H., WESTHUS, W.: (2006): Flora von Thüringen. Weissdorn-Verlag Jena.
3: BARTHEL, K.-J., PUSCH, J. (1999): Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung. Ahorn-Verlag Jena.
4: KORSCH, W., WESHUS, W, ZÜNDORF, H.-J. (2002): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens. Weissdorn-Verlag Jena.
Außerdem: www.floraweb.de
Bodo Schwarzberg
Autor: redLungenkraut ist nicht gleich Lungenkraut
In der Reihe Die Pflanze von nebenan möchte ich die Art kurz näher vorstellen, was auch daran liegt, das vielen Leserinnen und Lesern der Name Lungenkraut gewiss etwas sagt. Denn das Lungenkraut im weiteren Sinne wurde bereits vor 500 Jahren als Heilmittel gegen Lungenleiden und Blutspeien (1) genutzt. Bis heute ist das Lungenkraut Bestandteil von Hustenteemischungen. Allerdings gibt es verschiedene Lungenkräuter, an deren Unterscheidung sich die Botaniker durchaus die Zähne ausbeißen können.Allen heimischen Arten gemeinsam sind ihre blauen bis rötlichen oder violetten Blüten und ihr Status als Frühblüher (April und Mai). Die Blätter überdauern die Blüten um mehrere Monaten und können recht große Maße erreichen. So dürfte es sich bei dem meist als Heilpflanze verwendete Lungenkraut ausschließlich um das Gefleckte oder Echte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) handeln, das auf seinen Blättern meist über deutlich sichtbare weißliche Flecken verfügt. In Thüringen ist letzteres oft in Parks und Gärten zu finden. Mitunter verwildert es aus dem kommerziellen oder Zierpflanzenanbau. Echte Wildvorkommen dieser Art für Thüringen werden weitestgehend ausgeschlossen.
Das mit Abstand häufigste wilde und von vielen Spaziergängern auch im Südharz gewiss schon beobachtete heimische Lungenkraut ist das Dunkle Lungenkraut (Pulmonaria obscura) mit deutlich vom Stiel abgesetzten niemals langgestreckten, am Grunde oft herzförmigen, ungefleckten Blättern.
Die anderen drei in Thüringen heimischen Lungenkrautarten sind z.T. nur schwer voneinander zu unterscheiden, meist durch ihre Behaarung. Obendrein sind letztere selten bis sehr selten: Weiches Lungenkraut (Pulmonaria mollis), Knolliges Lungenkraut (Pulmonaria montana) und Schmalblättriges Lungenkraut (Pulmonaria angustifolia).
Letzteres ist Thema dieses Beitrages. Es weist auffallend langgestreckte, in den Blattstiel allmählich übergehende Blätter auf. Vom sehr ähnlichen Knolligen Lungenkraut ist es mitunter nur durch Zählung der Chromosomen eindeutig zu unterscheiden. Dennoch gibt es laut (2) weiterhin Untersuchungsbedarf.
Für das Vorkommen am Südwestrand des Kyffhäusers liegt laut (3) eine Chromosomenzählung vor, die es eindeutig als Schmalblättriges Lungenkraut ausweist.
Vorkommen (laut 2):
Waldsäume, extensiv genutzte Feuchtwiesen, lichte Eichen-Mischwälder. Die Art bevorzugt nährstoffarme, wechselfeuchte Standorte
Verbreitung:
auf Europa begrenzt: (Mittel- und Osteuropa)
Verbreitung und Gefährdung in Deutschland und Europa:
Die Art kam einst in sieben Bundesländern vor, heute wird sie nur noch in Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt gefunden, wo sie stark gefährdet (Rote Liste: 2, Bayern, Thüringen) bzw. vom Aussterben bedroht ist (Rote Liste 1, Sachsen-Anhalt). Laut floraweb.de ist die Art auch mitteleuropaweit gefährdet.
In Thüringen kam sie einst in 39 Viertelquadranten vor (Messquadrat mit rund 2,6 km Kantenlänge). Nach 1990 wurde sie noch in 15 nachgewiesen (62 % Verlust, siehe 4).
Rückgangsursachen:
laut floraweb.de heute insbesondere Ausbleibende natürliche Walddynamik. Das bedeutet, das durch die heutige Forstwirtschaft kaum lichte Waldstrukturen zugelassen werden, wie sie z.B. in einem Urwald durch das Umbrechen alter Bäume entstehen. Hinzu kommt die Verbuschung als Gefährdungsursache (siehe gestriger nnz-Beitrag), da z.B. die früher übliche extensive Mahd oder Beweidung von offenen Flächen heute meist unterbleibt.
All dies unterstreicht, dass für jeden verbliebenen Standort des Schmalblättrigen Lungenkrautes individuelle Pflegemaßnahmen diskutiert und umgesetzt werden müssten, um die Art in Thüringen nicht zu verlieren. Der Mangel an Geld und an politischen und ehrenamtlichen Enthusiasten sowie der bürokratische Aufwand für solche Maßnahmen aber sind ein gewaltiges Hindernis für Erfolge – trotz aller Schönwetterreden der Verantwortlichen.
Am einzigen nordthüringer, sehr versteckten Standort der Art am Südwestrand des Kyffhäusers versucht der Autor des Beitrages gemeinsam mit der UNB des Kyffhäuserkreises durch geeignete Maßnahmen eine positive Entwicklung zu erreichen.
Literatur und Quellen:
1: BÖRNGEN, S. (1985): Pflanzen helfen heilen. Verlag Volk und Geessundheit Berlin.
2: ZÜNDORF, H.-J., GÜNTHER, K.-F., KORSCH, H., WESTHUS, W.: (2006): Flora von Thüringen. Weissdorn-Verlag Jena.
3: BARTHEL, K.-J., PUSCH, J. (1999): Flora des Kyffhäusergebirges und der näheren Umgebung. Ahorn-Verlag Jena.
4: KORSCH, W., WESHUS, W, ZÜNDORF, H.-J. (2002): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens. Weissdorn-Verlag Jena.
Außerdem: www.floraweb.de
Bodo Schwarzberg





