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Mo, 06:39 Uhr
17.12.2012

Menschenbilder (55)

Im Spätherbst 2013 veröffentlicht der Nordhäuser Autor Bodo Schwarzberg den zweiten, reich bebilderten Band der Buchreihe "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" - wiederum mit rund 200 Texten über Zeitzeugen unserer jüngeren Geschichte...

Thea Riechel

Masseurin und Medizinische Bademeisterin; Physiotherapie, Massage und Wellnessparadies
99755 Hohenstein, Ortsteil Trebra


„Manchen Menschen geht es richtig schlecht, aber ich habe schon vielen von ihnen sehr wirksam helfen können“, bekräftigt Thea Riechel und erklärt dies mit ihrer besonderen Art, auf die jeweils ganz individuellen gesundheitlichen Probleme einzugehen. Das Wichtigste ist für die am 23.04.1965 in Bleicherode geborene Masseurin und Medizinische Bademeisterin der zwischenmenschliche Kontakt, das Einfühlen, wie sie sagt, dem vor allem Gespräche zugrundeliegen. „Ich nehme mir die Zeit dafür. Zeit für einen anderen Menschen ist heute knapper als früher und daher umso kostbarer“, sagt sie.

Und ihr ist wichtig, dass sie ihren Kunden diese Zeit, mitunter bis zu zweieinhalb Stunden, nicht berechnet. Denn Zeitdruck gefährde den Behandlungserfolg. Menschen mit Verspannungen, Knie-, Hüft- und Rückenprobleme suchen Thea Riechel in ihrer urgemütlichen Praxis in der Schulstraße 3 in Trebra auf. Doch die erfahrene Masseurin weiß nur zu gut, dass die wahren Ursachen für diese Beschwerden oft überhaupt nicht dort liegen, wo sie auftreten: Dann fragt sie die Menschen nach ihren Lebensumständen, nach ihrer beruflichen Tätigkeit, nach Stress und Kummer, Lebensgewohnheiten und körperlichen Besonderheiten.

Mitunter findet sie die Lösung auch in einer nicht optimalen Körpergeometrie, der sie durch einen gezielten Muskelaufbau entgegenwirken kann. – Kommt ein Kunde mit einem Rezept in der Hand zu ihr, so ist dies oft der Einstieg in eine lange Zusammenarbeit. „Eigentlich haben Sie mich gesund gemacht, aber ich möchte gern weiterhin zu Ihnen kommen, weil ich mich anschließend immer so wohl fühle“, sagen sie dann.

Viele auf verschiedenen beruflichen Stationen gewonnene Erfahrungen befähigen Thea Riechel zu den diesen Dankbarkeitsäußerungen zugrundeliegenden Erfahrungen: Weil ihr die Ausbildungen zur Krippenerzieherin und zur Friseurin versagt blieben, absolvierte sie von 1981 bis 1984 beim RFT in Nordhausen eine Ausbildung zum Facharbeiter für Nachrichtentechnik. Sie blieb anschließend in ihrem Lehrbetrieb, fühlte sich durch die mit der Bandarbeit verbundenen gleichförmigen Handgriffe jedoch nie ausreichend gefordert. Überwiegend stand die Fertigung der so genannten Kassiereinrichtung für Münzfernsprecher im Zentrum ihrer Tätigkeit.

Ein Jahr nach ihrer Hochzeit mit dem gelernten Maurer Bernd Riechel im Jahre 1987 wurde sie Mutter des kleinen Christopher und 1989 von Tochter Julia. Als sie ihre frühere Tätigkeit beim RFT im Jahre 1990 wieder aufnehmen wollte, gab es die entsprechende Abteilung nicht mehr. Auf Kurzarbeit folgten Arbeitslosigkeit und eine ABM gemeinsam mit ihrer Freundin Elisabeth Koch bei der Kirchgemeinde daheim in Trebra. Vom Malern über Pflastern bis hin zur Rasenpflege – es gab fast keine Arbeit, die die beiden während dieser Zeit nicht tun mussten.

Irgendwann um die Jahre 1991 und 92 kam den beiden jungen Frauen jener Gedanke, der ihre Zukunft für immer verändern sollte: „‘Wir machen ein bisschen Massage‘, sagten wir uns damals etwas blauäugig“, denkt Thea Riechel zurück. Schon während ihrer Zeit beim RFT hatte sie in den Schultern verspannten Kolleginnen durch gezielte Handgriffe zu Wohlbefinden verholfen. „Ich erinnerte mich daran, dass meine Massagen schon damals gut ankamen“, lächelt sie.

Die beiden Frauen fanden in der „Massageschule Dr. Muschinsky“ in Bad Lauterberg eine hervorragend geeignete Bildungseinrichtung zur Erreichung des selbstgesteckten Zieles. Finanziert vom Arbeitsamt, durften sie sich nach zweieinhalb Jahren, inklusive Staatsexamen und eineinhalbjährigem Klinikpraktikum in Bleicherode und im Kurmittelhaus Bad Sachsa „Masseurinnen und Medizinische Bademeisterinnen“ nennen (1995). Dieser Abschluss jedoch sollte nur der Auftakt zu zahlreichen weiteren Qualifikationen für Thea Riechel sein, so u.a. auf dem Gebiet der Lymphdrainage, die z.B. bei Patienten mit Wassereinlagerung notwendig werden kann.

Das erworbene Wissen wandte sie zunächst als angestellte Masseurin im Kurmittelhaus Bad Sachsa und anschließend in einer privaten Bleicheröder Praxis an Die nach deren Schließung erneut folgende Arbeitslosigkeit hat die aus einer Landwirtsfamilie stammenden Trebraerin in unangenehmer Erinnerung: „Die Ausbildung und die Tätigkeit, vor allem aber der Umgang mit den mir anvertrauten Menschen hatten mir so viel Freude bereitet, dass ich sehr darunter litt“, bekennt sie. Auch die Tätigkeit im Wellnessbereich des Bad Lauterberger Hotels „Revita“ wurde für sie nur zu einem kurzen Zwischenspiel. „Dort stieß sie auf ein Phänomen, dass sie aus der DDR nicht kannte – Ellenbogenmentalität.“

Ein Meilenstein hin zur späteren Selbstständigkeit waren für sie die Jahre von 1998 bis 2003, die sie an ihrer ehemaligen Ausbildungsstätte, der Klinik Dr. Muschinsky, verbrachte: „Dort konnte ich meine Fähigkeiten und Erfahrungen auf allen Fachgebieten vertiefen und viel Neues lernen“, sagt sie. Dies betraf insbesondere detaillierte Einblicke in die Erkrankungen des Bewegungsapparates und deren Behandlung, Massagetechniken, Elektrotherapie und Gruppengymnastik. Zum positiven Gesamtbild, das diese Zeit in ihr hinterlassen hat, trägt gewiss auch das ausgeglichene zwischenmenschliche Arbeitsklima an dieser Einrichtung bei.

Zeitgleich war Thea Riechel übrigens auch noch im Familienhotel Bad Lauterberg tätig, deren Chefin sie im Jahre 2003 zum auch in Nordhausen gut bekannten Fünf-Sterne-Hotel „Romantischer Winkel“ nach Bad Sachsa folgte. „Dort habe ich mein gesamtes Wissen im Bereich Wellness erworben und weitere Spezialausbildungen auf den Gebieten Ayurveda, Reiki, Hot Stone, Aroma-Massage und Akupressur absolviert. Da das renommierte Hotel mit meiner Arbeit zufrieden war, finanzierte es die ansonsten für mich kaum bezahlbaren Kurse“, erklärt sie. Dieses umfangreiche, anwendungsbereite Wissen, untrennbar verbunden mit ihren Erfahrungen, ist ein wesentlicher Grund für den hervorragenden Ruf der Masseurin bei ihren Patienten.

Nachdem sich die zwischenmenschlichen Verhältnisse im Team des Hotels verschlechtert hatten, entschied sich Thea Riechel für die Eröffnung einer eigenen Praxis im Trebraer Dorfgemeinschaftshaus. Dort hatte sich bereits eine Kosmetikerin selbstständig gemacht. Und sie sprach sich Mut zu. „Ich war mir sicher, dass ich das hinbekommen würde“, sagt sie. Der 13.09.2008, ein „Tag der offenen Tür“, fand so reges Interesse bei der Bevölkerung, dass sich die Trebraer Jungunternehmerin in ihrer Zuversicht uneingeschränkt bestätigt fühlen konnte.

Nach großzügigen Um- und Ausbaumaßnahmen erhielt sie schon bald die Kassenzulassung und durfte neben Privatkunden auch Menschen auf Rezept behandeln. Die Kassen erwarten eine hervorragende technische und räumliche Ausstattung“, betont sie. Fünf Behandlungsräume stehen ihr heute für die verschiedenen Anwendungen und Therapiemaßnahmen zur Verfügung. Hinzu kommt ein Gymnastikraum, in dem zur Zeit vier Gruppen unter fachlicher Anleitung trainieren. Vor allem Jüngere kommen dort beim Step-Aerobic auf Touren.

Seit 2010 wird Thea Riechel von den beiden Physiotherapeutinnen Heike Grams und Janette Wieseler, beide mit verschiedenen Zusatzqualifikationen, unterstützt. „Unser größtes Erfolgserlebnis ist die Dankbarkeit der Menschen“, sagt deren Chefin. Auf Grund des breit gefächerten Leistungsspektrums der Praxis, kann die Behandlung auf die individuellen Probleme der Menschen optimal abgestimmt werden. Das, aber nicht minder die menschliche Zuwendung, sind das Erfolgsgeheimnis von Thea Riechel und ihrem Team.

Schon bald kann sie übrigens über einen weiteren Raum verfügen: In ihm sollen medizinische Sportgeräte aufgestellt und genutzt werden.

Einen persönlichen Ausgleich zu ihrem nicht selten 12 Stunden währenden Arbeitstag findet die Unternehmerin beim Tanzen, beim Wandern oder während des Urlaubs in ihrer Lieblingsregion, den Dolomiten. Und was liebt sie an Trebra außer ihrer Familie noch? „Die St. Nicolai-Kirche mit ihren fünf Türmen. Dorthin schaue ich besonders gern.“
Autor: nnz

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