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Di, 12:34 Uhr
27.01.2004

Verzweiflung und Hoffnung

Nordhausen (nnz). Der Freistaat Thüringen gedenkt am Nachmittag im Stollen des Kohnsteins der Opfer des Nationalsozialismus. Dabei wird auch Stephane Hessel sprechen. Hessel ist einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen der Naziverbrechen. Die nnz stellt den 87jährigen vor.


Stephane Hessel Stephane Hessel, ehemaliger Diplomat und Autor mehrerer Bücher, wurde 1917 in Berlin geboren. Er ist der Sohn von Franz und Helen Hessel. Sein Vater war Lektor im Rowohlt-Verlag und Schriftsteller, seine Mutter Malerin und Modejournalistin. Ihr Leben war Vorbild für den Filmklassiker „Jules und Jim“ von Truffaut nach dem gleichnamigen autobiographischen Roman von Henri-Pierre Roché. Als Autor wurde Hessel bekannt durch sein Erinnerungsbuch „Tanz mit dem Jahrhundert“. Es enthält auch die Schilderung seiner Deportation von Paris nach Deutschland, seine Ankunft in Buchenwald am 16. August 1944. Unter dramatischen Umständen entgeht er dort der Hinrichtung und kommt unter dem Namen Michel Boitel nach Schönebeck an der Elbe.

Am 4. November 1944 wird er von dort nach Rottleberode (Zweigstelle von Junkers und Außenlager des KZ Buchenwald) gebracht, wo in der Gipssteinhöhe Heimkehle eine Fabrik eingerichtet worden war, die Flugzeugfahrwerke herstellte. Hessel flieht am 1. Febr. 1945, wird gefasst und kommt ins KZ Mittelbau-Dora, wo man ihn in den Bunker steckt. Da Hessel ja ursprünglich aus Deutschland stammt, spricht er perfekt deutsch und kann sich dadurch vor dem Tod retten. Er kommt ins Strafkommando. In dem Buch „Gesprungene Liebe, die wahre Geschichte zu ‚Jules und Jim’“ von Manfred Flügge steht auch ein Kapitel, dass Stephane Hessel verfasst hat. Darin beschreibt er relativ ausführlich, wie er das Bombardement auf Nordhausen von Dora aus erlebt hat.

„... Der Luftangriff war jetzt genau über Nordhausen, man hörte es pfeifen und schreien und brüllen und heulen, dieser Himmel und dieses grüne Tal! Und wir saßen da und schauten. Zehn Meilen entfernt schlugen Flammen auf aus der Stadt wie in einer romantischen Inszenierung, stiegen auf bis übers Tal hinaus. Die Geräusche und das Feuer waren so nah und doch außer Reichweite. Der Gedanke an den Piloten, frei, mächtig, bedroht, an den so nahen Sieg, symbolisch deutlich, blieb doch ganz faßlich für uns. Die Sonne und der Hügel, unsere sonderbare Muße, unser ungewisses Schicksal und unser noch ungewisseres Überleben, all das ist jetzt, in meiner Erinnerung, zusammengeflossen in ein Bild der Hoffnung. Warum Hoffnung und nicht Verzweifelung? Dafür gibt es keine Erklärung ...“

Beim Herannahen der Amerikaner werden auch die Häftlinge von Dora evakuiert, viele von ihnen nach Bergen-Belsen. Hessel gelingt dabei die Flucht in der Nähe von Lüneburg. Er schlägt sich bis nach Hannover durch und kommt am 12. April dort an, als auch die Amerikaner eintreffen. Am 8. Mai 1945 trifft er in Paris ein. Wer mehr über Hessels Leben erfahren möchte, dem sei auf die genannten Bücher verwiesen.
Autor: nnz

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