Sa, 17:29 Uhr
24.01.2004
Braunen Dreck rausgekehrt
Nordhausen (nnz). Fast genau nach einem Jahr hatte sich die NDP Nordhausen wieder als Aufmarschgebiet auserkoren. Rund 100 Neonazis aus Nordhausen und Thüringen kamen zum ehemaligen Busbahnhof. Die demokratische Musik spielte am Nachmittag jedoch woanders.

Die vier Fraktionen des Nordhäuser Stadtrates hatten zu einer Gegenveranstaltung vor dem Rathaus aufgerufen. Die Aktion stellten sie unter das Motto Kehrt den braunen Dreck weg aus Nordhausen! Nach einer Trommeleinlage sprach Bürgermeister Klaus Wahlbuhl von einer unerträglichen Situation, dass sich Neonazis wenige Tage vor dem Gedenktag gegen Faschismus in Nordhausen zusammenrotteten. Wahlbuhl regte an, derartige Aufmärsche künftig mit Nichtachtung abzustrafen. Heute allerdings sollten vor allem die jungen Menschen Flagge gegen rechts zeigen.
Für Unverständnis unter einige Stadträten sorgte am Nachmittag das Mitbringen von Plakaten und Transparenten durch linke Jugendliche, denn ein stiller Protest ohne Zusätze sei abgesprochen gewesen, auch mit der PDS. Ein ausländischer Mitbürger, der seit acht Jahren in Nordhausen lebt, las aus den Erinnerungen eines Häftlings des KZ Mittelbau-Dora. Er mahnte aber auch, dass sich an derartigen Protesten noch mehr Ausländer, die in Deutschland leben, beteiligen sollten. Nach zwei Songs eines Nordhäuser Liedermachers formierte sich schließlich der Protestzug, der von zwei Kehrmaschinen der Stadtwerke eskortiert wurden. Und wie es die politische Rangordnung vorschreibt: Vorn marschierten die Kandidaten für den Landtag von PDS und SPD, dann kam die kommunale Politik, dann die jungen Demonstrierer und am Schluß ein schon ziemlich alkoholisiertes Punker-Völkchen. Die, die sich am Nachmittag schon ziemlich viel Protest-Lust angetrunken hatten, die wurden durch Beamte der Thüringer Polizei vorsorglich begleitet.
Und die Neonazis. Die marschierten mit altbekannten Parolen durch Nordhausen, grölten gegen diesen Staat und alles, was links von ganz rechts ist. Bleibt nachzutragen, dass die Polizei von 150 rechten Demonstranten und 200 Nordhäusern bei der Gegenveranstaltung ausgeht. Bislang gab es für die Beamten einen ziemlich ruhigen Einsatz, mal abgesehen davon, dass ein Wochenende futsch ist: Ein 16 Jahre alter Jugendlicher aus der linken Szene musste vorläufig festgenommen werden, bei ihm wurden sechs Ersatzklingen für ein Cuttermesser gefunden. In vorläufiges Gewahrsam musste ein 17jähriger genommen werden, der hatte ein Ei gegen ein Polizeifahrzeug geworfen.
Autor: nnz
Die vier Fraktionen des Nordhäuser Stadtrates hatten zu einer Gegenveranstaltung vor dem Rathaus aufgerufen. Die Aktion stellten sie unter das Motto Kehrt den braunen Dreck weg aus Nordhausen! Nach einer Trommeleinlage sprach Bürgermeister Klaus Wahlbuhl von einer unerträglichen Situation, dass sich Neonazis wenige Tage vor dem Gedenktag gegen Faschismus in Nordhausen zusammenrotteten. Wahlbuhl regte an, derartige Aufmärsche künftig mit Nichtachtung abzustrafen. Heute allerdings sollten vor allem die jungen Menschen Flagge gegen rechts zeigen.Für Unverständnis unter einige Stadträten sorgte am Nachmittag das Mitbringen von Plakaten und Transparenten durch linke Jugendliche, denn ein stiller Protest ohne Zusätze sei abgesprochen gewesen, auch mit der PDS. Ein ausländischer Mitbürger, der seit acht Jahren in Nordhausen lebt, las aus den Erinnerungen eines Häftlings des KZ Mittelbau-Dora. Er mahnte aber auch, dass sich an derartigen Protesten noch mehr Ausländer, die in Deutschland leben, beteiligen sollten. Nach zwei Songs eines Nordhäuser Liedermachers formierte sich schließlich der Protestzug, der von zwei Kehrmaschinen der Stadtwerke eskortiert wurden. Und wie es die politische Rangordnung vorschreibt: Vorn marschierten die Kandidaten für den Landtag von PDS und SPD, dann kam die kommunale Politik, dann die jungen Demonstrierer und am Schluß ein schon ziemlich alkoholisiertes Punker-Völkchen. Die, die sich am Nachmittag schon ziemlich viel Protest-Lust angetrunken hatten, die wurden durch Beamte der Thüringer Polizei vorsorglich begleitet.
Und die Neonazis. Die marschierten mit altbekannten Parolen durch Nordhausen, grölten gegen diesen Staat und alles, was links von ganz rechts ist. Bleibt nachzutragen, dass die Polizei von 150 rechten Demonstranten und 200 Nordhäusern bei der Gegenveranstaltung ausgeht. Bislang gab es für die Beamten einen ziemlich ruhigen Einsatz, mal abgesehen davon, dass ein Wochenende futsch ist: Ein 16 Jahre alter Jugendlicher aus der linken Szene musste vorläufig festgenommen werden, bei ihm wurden sechs Ersatzklingen für ein Cuttermesser gefunden. In vorläufiges Gewahrsam musste ein 17jähriger genommen werden, der hatte ein Ei gegen ein Polizeifahrzeug geworfen.
