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Do, 17:49 Uhr
15.01.2004

Schnuppertour durch Landkreis (2)

Nordhausen (nnz). Der Nachmittag der Althaus-Thüringen-Tour war der Stadt Nordhausen vorbehalten. Von großem Interesse für Journalisten war vor allem die Diskussionsrunde in der Fachhochschule. Denn da wollten Thüringer und Nordhäuser Studenten dem „MP“ mal so richtig die Meinung sagen.


Rinke, Klaan, Althaus – nnz-Fotos: Wiethoff In Nordhausen angekommen, besuchte Ministerpräsident Dieter Althaus die renovierte Petersbergschule, wo er Nordhäuser Kornspezialitäten probieren durfte und sich aus dem Obergeschoß einen Überblick über das Gelände der Landesgartenschau verschaffte. Eine weitere Überraschung erwartete ihn an der Frauenbergkirche. Er bekam von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) eine Dauerkarte für die Gartenschau geschenkt. Inge Klaan erklärte, daß auch er ein Paßbild aufkleben müsse, da man ihn sonst nicht in das Ausstellungsgelände einlassen könne, was für Heiterkeit sorgte. Der Ministerpräsident zeigte sich beeindruckt von der geleisteten Arbeit und dem Engagement der Bürger für ihre Stadt. Dann gings weiter zum Weinberg.

Manchmal täuschen sich selbst erfahrene Journalisten. Was sollte heute vor dem Hörsaal oder im Hörsaal nicht alles passieren? Studenten wollten demonstrieren. Vertreter der Thüringer Studentenschaft wollten protestieren. Und schließlich war da noch die Liberale Hochschulgruppe, die all das überbieten wollte. Doch von Spruchbändern oder Plakaten sah der Beobachter nichts.

Dafür wurde Dieter Althaus artig beklatscht und begrüßt. Nach seinem Statement über die Thüringer Hochschulpolitik im Allgemeinen und der in Nordhausen im Speziellen, rief der moderierende Rektor Prof. Juckenack zu Fragen an den MP auf. Jetzt endlich musste es also losgehen. Weit gefehlt, das Schweigen der Studentenschaft nahm peinliche Züge an. Also fragte Juckenack selbst und Althaus antwortete.

Und dann endlich, welch Erleichterung, die ersten Fragen. Habe ich nach meinem Studium eine Chance für einen Job? Das wollten ein Fast-Absolvent und ein Erstsemestler wissen. Natürlich gibt es diese Chancen, antwortete Dieter Althaus, auch wenn der Arbeitsmarkt gegenwärtig trübe aussehe. Endlich die dritte Frage: Erhalten Studenten aus sozialschwachen Verhältnissen Stipendien? Antwort: Es werde keine Sozialauslese geben in Thüringen, jeder werde Zugang zur Bildung haben.

Geantwortet „Na, wollt ihr denn nicht mal was zu den Studentenprotesten der zurückliegenden Tage sagen?“ Die Frage kam vom FHN-Chef höchst selbst, der provozierend meinte, da er die Politikinteressiertheit der jungen Menschen vermisse, dafür eher eine Neigung zu „Spaß und Fun“ beobachte. Daraufhin meldete sich ein „Student“, der im Hauptberuf eigentlich Studiendekan ist. Der fragte schließlich nach der Elite.

Parteigemäß antwortete Thüringens Ministerpräsident, dass er davon überhaupt nichts halte, Talente müssten schon früh gefördert werden. Was bloß hätte Dieter Althaus geantwortet, wenn die Elite-Diskussion von der CDU losgetreten worden wäre? Aber danach wurde im Hörsaal 1 nicht gefragt. Dann ein Student aus Weimar, er studiert an der Bauhaus-Universität, der studentischen Protest-Keimzelle im Freistaat. „Es kann doch nicht sein: Überfüllte Hörsäle, ein Job nebenbei zur Finanzierung des Studium und dann Studiengebühren?“ Das war die Frage und Dieter Althaus bat darum, die Kirche im Dorf zu lassen. Vier Semester nach der Regelstudienzeit seien gebührenfrei, erst dann müssen 500 Euro je Semester hingeblättert werden.

Und dann war die Zeit auch schon abgelaufen. In Werther warteten schon die Bürgermeister des Landkreises. Und die werden vielleicht mehrere Fragen an den Ministerpräsident haben. Denn finanziell gesehen, steht den Kommunen das Wasser nicht nur bis zum Hals, einige werden sich in diesem Jahr wohl verschlucken. Ein Bürgerabend soll danach die neunte Thüringen-Tour von Dieter Althaus gemütlich abschließen.
Autor: nnz

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