Mo, 13:17 Uhr
15.10.2012
Menschenbilder (48)
Im Spätherbst 2013 veröffentlicht der Nordhäuser Autor Bodo Schwarzberg den zweiten, reich bebilderten Band der Buchreihe "Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion" - wiederum mit rund 200 Texten über Zeitzeugen unserer jüngeren Geschichte...
Im sonnigen Südharz, am Fuße des Naturschutzgebietes Alter Stolberg, einer europaweit einmaligen Gipskarstlandschaft – mit diesen Worten empfangen Katrin und Wolfgang Fahsel die Besucher ihrer Webseite. Sie informiert die Internetnutzer über das zwischen Steigerthal und Urbach gelegene Waldhaus Obergrasmühle, - ein Kleinod der Gastfreundlichkeit in unserer Region. Gerade hat meine am 02.03.1943 in Magdeburg geborene Gesprächspartnerin am Telefon eine Gästeanmeldung entgegen genommen: 35 Personen wollen vier Tage in der Pension verbringen – mitten in der Woche und außerhalb der Saison – das ist für die Obergrasmühle nichts Ungewöhnliches. Urlauber, Handelsreisende und viele Handwerker: Das Spektrum der Menschen, die sich in der historischen Mühle für einige Tage einquartieren möchten, ist vielfältig.
Werbung müssen die rührigen Wirtsleute seit Jahren nicht mehr machen: Wir sind auch so fast ständig ausgebucht, sagt Karin Fahsel, die meisten stoßen im Internet auf uns oder sie hören von Freunden, Bekannten oder Kollegen, dass es sich bei uns aushalten lässt. Das aber hat ganz gewiss etwas mit dem Herzblut zu tun, mit dem sie und ihr Ehemann rund um die Uhr für deren Wohl sorgen. Mein Mann und ich, wir haben uns für unsere Wohnung auf diesem Grundstück nur wenig Platz gegönnt. Die Gästezimmer sind größer, als unsere Wohnstube, bekennt sie und fügt an, dass sie ja sowieso von früh um sechs bis 24 Uhr in der Gaststätte und in der Küche stehe – aus Liebe zu ihrem Beruf.
Deren Wurzeln liegen in der frühen Jugend der Leimbacher Wirtin, die sich aber viel mehr als Steigerthalerin fühlt: Denn gleich nach einer Lehre zur Fachverkäuferin für Lebensmittel beim Konsum Magdeburg von 1957 bis 1961 wurde die heute nicht mehr existente Gaststätte Zum Unterbär in der Elbemetropole zu ihrer mehrjährigen Wirkungsstätte. Ich hatte schon immer Interesse an der Gastronomie. Jeden Tag mit anderen Menschen arbeiten zu können und ihnen etwas Gutes zu tun, das war mein berufliches Lebensziel, stand für Karin Fahsel schon damals fest.
Selbst an die regelmäßig einfallenden Soldaten der benachbarten Russenkaserne erinnert sie sich daher gern: Sie brachten Dörrfisch mit und tranken Unmengen Wodka, sagt sie. Die junge Wirtin lebte damals mit ihrer Tochter ganz in der Nähe. Das Betreiberpaar der Gaststätte kümmerte sich liebevoll um das kleine Mädchen – wie Oma und Opa, sagt meine Gesprächspartnerin.
Mit den Worten: Ob Du nun Bier zapfst oder Benzin, das ist doch egal, motivierte im Jahre 1964 ein Gast Karin Fahsel, nachdem die Schließung des Unterbärs fest stand. Und in der Tat: Die folgenden 13 Jahre sollten für die junge Frau ganz im Zeichen ihrer Tätigkeit für den DDR-Tankstellenbetrieb VEB Minol stehen. Die ersten sieben bezeichnet sie als die schönsten ihres Lebens: Sie waren von der Arbeit als Tankwart an der damals ersten, Intertankstelle Magdeburgs geprägt. An der Ecke Edita-Ring/Albert-Vater-Straße schenkte sie jedoch nicht nur Benzin und Diesel aus: Das Putzen der Scheiben und die Ölstandskontrolle gehörten selbst in der DDR damals zum Service.
Ich habe von 6 bis 19 Uhr gearbeitet. Die nie enden wollende Autoschlange abzuarbeiten machte mir unendlich viel Spaß, bekennt sie. Nach dem Bau einer Umgehungsstraße wurde die Tankstelle geschlossen und Karin Fahsel wechselte in die Magdeburger Minolverwaltung. Ihre Aufgabe dort: Die Suche nach angekündigten aber ausgebliebenen Benzinlieferungen und die kritische Kontrolle der ankommenden Tankfahrzeuge: Nicht immer war VK 94 oder VK 88 drin, obwohl es so auf den Lieferscheinen stand. Wir mussten genau aufpassen, denkt sie zurück. Zuletzt bekleidete sie bei Minol die Position der leitenden Finanzbuchhalterin und Inventurleiterin des Bezirkes Magdeburg.
1977 war die Erinnerung an die Gastronomie stärker, als alle anderen Erwägungen: Im Magdeburger Café Odett konnte sie als Mädchen für alles wieder Bockwurst, Schnitzel oder einen Eiscafé servieren. Um letzteren professionell herstellen zu können, machte die junge Magdeburgerin dort auch ihren Eisschein. Doch bevor das Leben für sie und ihren Mann Wolfgang mit der Obergrasmühle am Südharzrand für immer seine Weichen in Richtung Gastronomie stellen sollte, probte das Paar das gemeinsame berufliche Wirken mit Erfolg in einem Emma-Eck genannten Magdeburger Geschäft. Wir wollten auf niemanden mehr hören müssen, auch nicht auf HO und Konsum, sagt Karin Fahsel.
Dennoch musste das Paar seine Waren natürlich von der allmächtigen HO beziehen. Unser Sortiment entsprach dem einer Kaufhalle. Wir haben um jede Banane für unsere Kunden gekämpft, denkt sie zurück. Wegen eines undichten Schornsteins jedoch durften die beiden Magdeburger Mitte der 80er Jahre keine Lebensmittel mehr anbieten – das Aus für das Emma-Eck war die Folge. Das tat uns in der Seele weh, weil wir in unserer Arbeit aufgingen. Wir hatten zu unseren vielen Stammkunden ein ganz tolles Verhältnis. – Anschreiben? Bei uns war das kein Problem, sagt sie.
Als sich Karin und Wolfgang Fahsel 1986 erstmals die Obergrasmühle anschauten, gehörte sie dem damaligen VEB Starkstromanlagenbau Magdeburg. Wir nahmen das Angebot, sie zu führen, an, - als Herausforderung für uns gemeinsam, erklärt die langjährige Chefin des Hauses, das im 12. Jahrhundert von den Mönchen des Klosters Himmelgarten zur Fischzucht angelegt wurde. Nach ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg 1627 wurde sie erst 1668 vom Fürsten zu Stolberg wieder aufgebaut. Auf Grund der damals mit Gras überwucherten Trümmer erhielt das Anwesen den Namen Grasmühle.
Karin Fahsel wurde im März 1986 als Wirtschaftsleiter und Wolfgang Fahsel als Objektleiter eingestellt. Im Sommer Kinderferienlager, wurde die Obergrasmühle während der anderen Monate als Schulungsheim für die obere Leitungsebene der GST genutzt. Als wir übernahmen, waren die Wände tatsächlich fast alle rosa gestrichen. Wir haben uns köstlich amüsiert und tapezierten alles auf Betriebskosten um, denkt die heutige Unternehmerin zurück.
Zu DDR-Zeiten plagte das Paar die Untätigkeit des Magdeburger Starkstromanlagenbaus hinsichtlich der Verbesserung des baulichen Zustandes. Nach der Wende ließen sich die Fahsels weder durch die nun fällige, erst an den Starkstromanlagenbau und dann an die Treuhand zu zahlende Miete in astronomischer Höhe, noch durch einen Brand im Jahre 1999 vertreiben. Die Obergrasmühle war und ist unser Leben, sagt sie. Ja, obwohl sie nur Mieter waren, haben sie nach der Wende eine Schwammsanierung sogar aus eigener Tasche bezahlt – aus Liebe zu ihrem Haus.
Nach dem Brand, der die Fahsel nicht davon abhielt, noch am selben Tag eine gelungene Jugendweihefeier auszurichten, verlor die Treuhand endgültig das Interesse an dem Objekt und gab dem Kaufantrag des Paares statt. Dessen Einsatz über viele Jahre und dessen Unbeugsamkeit sollten sich nun endlich lohnen.
So nach und nach machte das Paar seine Obergrasmühle zu jenem Schmuckstück, als das es sich ihren Gästen heute präsentiert: mit 60 Plätzen in der gemütlichen Gaststätte, 30 im Cafégarten und 60 im Biergarten. 50 Zimmerbetten stehen für die Hausgäste bereit, unabhängig von ihrer Größe übrigens zum selben Preis. Geheizt werden Gaststätte und Pension ganz offiziell mit Holz aus den benachbarten Wäldern. Mein Mann steht in den Winternächten meist mehrfach auf, um Holzscheite nachzulegen. Ohne ihn steht und fällt hier alles, sagt die rührige Wirtin, deren mit einem Schuss Humor gewürzte Höflichkeit bei den Gästen ebenso gut ankommt, wie einige andere wichtige Kleinigkeiten: Die echten Blumen auf den Tischen und die Schlafschäfchen (Gummitiere) auf den Zimmerbetten. Geöffnet ist die Gaststätte täglich. Diese vier Worte sind Ausdruck der Hingabe von Karin und Wolfgang Fahsel zu ihrem Lebenswerk und ihrer Uneigennützigkeit. Bei Bewertungen im Internet erhalten sie Höchstnoten. Vielleicht auch, weil es hier auf jedem Zimmer zwar einen Breitband-DSL-Anschluss, aber keinen Handyempfang gibt: Wunderbar! Mein Chef kann mich nicht erreichen!, sagen vor allem Handelsreisende.
Wolfgang Fahsel, der am 19.11.1948 in Magdeburg geborene, ehemalige Gießereiarbeiter, würde eigentlich ganz gern in den Ruhestand gehen. Über seine Frau sagt er: Sie macht das hier, bis es nicht mehr geht. Und so macht auch er weiter mit.
Die Kinder des Paares heißen Karen (50, Küchendesigner) und Sven (43, Klempner). Sie machten die Fahsels mit drei Enkeln bzw. drei Urenkeln zu Groß- und Urgroßeltern.
Autor: nnzKarin und Wolfgang Fahsel
Waldhaus Obergrasmühle bei Steigerthal www.obergrasmuehle.deIm sonnigen Südharz, am Fuße des Naturschutzgebietes Alter Stolberg, einer europaweit einmaligen Gipskarstlandschaft – mit diesen Worten empfangen Katrin und Wolfgang Fahsel die Besucher ihrer Webseite. Sie informiert die Internetnutzer über das zwischen Steigerthal und Urbach gelegene Waldhaus Obergrasmühle, - ein Kleinod der Gastfreundlichkeit in unserer Region. Gerade hat meine am 02.03.1943 in Magdeburg geborene Gesprächspartnerin am Telefon eine Gästeanmeldung entgegen genommen: 35 Personen wollen vier Tage in der Pension verbringen – mitten in der Woche und außerhalb der Saison – das ist für die Obergrasmühle nichts Ungewöhnliches. Urlauber, Handelsreisende und viele Handwerker: Das Spektrum der Menschen, die sich in der historischen Mühle für einige Tage einquartieren möchten, ist vielfältig.
Werbung müssen die rührigen Wirtsleute seit Jahren nicht mehr machen: Wir sind auch so fast ständig ausgebucht, sagt Karin Fahsel, die meisten stoßen im Internet auf uns oder sie hören von Freunden, Bekannten oder Kollegen, dass es sich bei uns aushalten lässt. Das aber hat ganz gewiss etwas mit dem Herzblut zu tun, mit dem sie und ihr Ehemann rund um die Uhr für deren Wohl sorgen. Mein Mann und ich, wir haben uns für unsere Wohnung auf diesem Grundstück nur wenig Platz gegönnt. Die Gästezimmer sind größer, als unsere Wohnstube, bekennt sie und fügt an, dass sie ja sowieso von früh um sechs bis 24 Uhr in der Gaststätte und in der Küche stehe – aus Liebe zu ihrem Beruf.
Deren Wurzeln liegen in der frühen Jugend der Leimbacher Wirtin, die sich aber viel mehr als Steigerthalerin fühlt: Denn gleich nach einer Lehre zur Fachverkäuferin für Lebensmittel beim Konsum Magdeburg von 1957 bis 1961 wurde die heute nicht mehr existente Gaststätte Zum Unterbär in der Elbemetropole zu ihrer mehrjährigen Wirkungsstätte. Ich hatte schon immer Interesse an der Gastronomie. Jeden Tag mit anderen Menschen arbeiten zu können und ihnen etwas Gutes zu tun, das war mein berufliches Lebensziel, stand für Karin Fahsel schon damals fest.
Selbst an die regelmäßig einfallenden Soldaten der benachbarten Russenkaserne erinnert sie sich daher gern: Sie brachten Dörrfisch mit und tranken Unmengen Wodka, sagt sie. Die junge Wirtin lebte damals mit ihrer Tochter ganz in der Nähe. Das Betreiberpaar der Gaststätte kümmerte sich liebevoll um das kleine Mädchen – wie Oma und Opa, sagt meine Gesprächspartnerin.
Mit den Worten: Ob Du nun Bier zapfst oder Benzin, das ist doch egal, motivierte im Jahre 1964 ein Gast Karin Fahsel, nachdem die Schließung des Unterbärs fest stand. Und in der Tat: Die folgenden 13 Jahre sollten für die junge Frau ganz im Zeichen ihrer Tätigkeit für den DDR-Tankstellenbetrieb VEB Minol stehen. Die ersten sieben bezeichnet sie als die schönsten ihres Lebens: Sie waren von der Arbeit als Tankwart an der damals ersten, Intertankstelle Magdeburgs geprägt. An der Ecke Edita-Ring/Albert-Vater-Straße schenkte sie jedoch nicht nur Benzin und Diesel aus: Das Putzen der Scheiben und die Ölstandskontrolle gehörten selbst in der DDR damals zum Service.
Ich habe von 6 bis 19 Uhr gearbeitet. Die nie enden wollende Autoschlange abzuarbeiten machte mir unendlich viel Spaß, bekennt sie. Nach dem Bau einer Umgehungsstraße wurde die Tankstelle geschlossen und Karin Fahsel wechselte in die Magdeburger Minolverwaltung. Ihre Aufgabe dort: Die Suche nach angekündigten aber ausgebliebenen Benzinlieferungen und die kritische Kontrolle der ankommenden Tankfahrzeuge: Nicht immer war VK 94 oder VK 88 drin, obwohl es so auf den Lieferscheinen stand. Wir mussten genau aufpassen, denkt sie zurück. Zuletzt bekleidete sie bei Minol die Position der leitenden Finanzbuchhalterin und Inventurleiterin des Bezirkes Magdeburg.
1977 war die Erinnerung an die Gastronomie stärker, als alle anderen Erwägungen: Im Magdeburger Café Odett konnte sie als Mädchen für alles wieder Bockwurst, Schnitzel oder einen Eiscafé servieren. Um letzteren professionell herstellen zu können, machte die junge Magdeburgerin dort auch ihren Eisschein. Doch bevor das Leben für sie und ihren Mann Wolfgang mit der Obergrasmühle am Südharzrand für immer seine Weichen in Richtung Gastronomie stellen sollte, probte das Paar das gemeinsame berufliche Wirken mit Erfolg in einem Emma-Eck genannten Magdeburger Geschäft. Wir wollten auf niemanden mehr hören müssen, auch nicht auf HO und Konsum, sagt Karin Fahsel.
Dennoch musste das Paar seine Waren natürlich von der allmächtigen HO beziehen. Unser Sortiment entsprach dem einer Kaufhalle. Wir haben um jede Banane für unsere Kunden gekämpft, denkt sie zurück. Wegen eines undichten Schornsteins jedoch durften die beiden Magdeburger Mitte der 80er Jahre keine Lebensmittel mehr anbieten – das Aus für das Emma-Eck war die Folge. Das tat uns in der Seele weh, weil wir in unserer Arbeit aufgingen. Wir hatten zu unseren vielen Stammkunden ein ganz tolles Verhältnis. – Anschreiben? Bei uns war das kein Problem, sagt sie.
Als sich Karin und Wolfgang Fahsel 1986 erstmals die Obergrasmühle anschauten, gehörte sie dem damaligen VEB Starkstromanlagenbau Magdeburg. Wir nahmen das Angebot, sie zu führen, an, - als Herausforderung für uns gemeinsam, erklärt die langjährige Chefin des Hauses, das im 12. Jahrhundert von den Mönchen des Klosters Himmelgarten zur Fischzucht angelegt wurde. Nach ihrer Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg 1627 wurde sie erst 1668 vom Fürsten zu Stolberg wieder aufgebaut. Auf Grund der damals mit Gras überwucherten Trümmer erhielt das Anwesen den Namen Grasmühle.
Karin Fahsel wurde im März 1986 als Wirtschaftsleiter und Wolfgang Fahsel als Objektleiter eingestellt. Im Sommer Kinderferienlager, wurde die Obergrasmühle während der anderen Monate als Schulungsheim für die obere Leitungsebene der GST genutzt. Als wir übernahmen, waren die Wände tatsächlich fast alle rosa gestrichen. Wir haben uns köstlich amüsiert und tapezierten alles auf Betriebskosten um, denkt die heutige Unternehmerin zurück.
Zu DDR-Zeiten plagte das Paar die Untätigkeit des Magdeburger Starkstromanlagenbaus hinsichtlich der Verbesserung des baulichen Zustandes. Nach der Wende ließen sich die Fahsels weder durch die nun fällige, erst an den Starkstromanlagenbau und dann an die Treuhand zu zahlende Miete in astronomischer Höhe, noch durch einen Brand im Jahre 1999 vertreiben. Die Obergrasmühle war und ist unser Leben, sagt sie. Ja, obwohl sie nur Mieter waren, haben sie nach der Wende eine Schwammsanierung sogar aus eigener Tasche bezahlt – aus Liebe zu ihrem Haus.
Nach dem Brand, der die Fahsel nicht davon abhielt, noch am selben Tag eine gelungene Jugendweihefeier auszurichten, verlor die Treuhand endgültig das Interesse an dem Objekt und gab dem Kaufantrag des Paares statt. Dessen Einsatz über viele Jahre und dessen Unbeugsamkeit sollten sich nun endlich lohnen.
So nach und nach machte das Paar seine Obergrasmühle zu jenem Schmuckstück, als das es sich ihren Gästen heute präsentiert: mit 60 Plätzen in der gemütlichen Gaststätte, 30 im Cafégarten und 60 im Biergarten. 50 Zimmerbetten stehen für die Hausgäste bereit, unabhängig von ihrer Größe übrigens zum selben Preis. Geheizt werden Gaststätte und Pension ganz offiziell mit Holz aus den benachbarten Wäldern. Mein Mann steht in den Winternächten meist mehrfach auf, um Holzscheite nachzulegen. Ohne ihn steht und fällt hier alles, sagt die rührige Wirtin, deren mit einem Schuss Humor gewürzte Höflichkeit bei den Gästen ebenso gut ankommt, wie einige andere wichtige Kleinigkeiten: Die echten Blumen auf den Tischen und die Schlafschäfchen (Gummitiere) auf den Zimmerbetten. Geöffnet ist die Gaststätte täglich. Diese vier Worte sind Ausdruck der Hingabe von Karin und Wolfgang Fahsel zu ihrem Lebenswerk und ihrer Uneigennützigkeit. Bei Bewertungen im Internet erhalten sie Höchstnoten. Vielleicht auch, weil es hier auf jedem Zimmer zwar einen Breitband-DSL-Anschluss, aber keinen Handyempfang gibt: Wunderbar! Mein Chef kann mich nicht erreichen!, sagen vor allem Handelsreisende.
Wolfgang Fahsel, der am 19.11.1948 in Magdeburg geborene, ehemalige Gießereiarbeiter, würde eigentlich ganz gern in den Ruhestand gehen. Über seine Frau sagt er: Sie macht das hier, bis es nicht mehr geht. Und so macht auch er weiter mit.
Die Kinder des Paares heißen Karen (50, Küchendesigner) und Sven (43, Klempner). Sie machten die Fahsels mit drei Enkeln bzw. drei Urenkeln zu Groß- und Urgroßeltern.

