Di, 11:37 Uhr
02.10.2012
Ruhla tickt nach wie vor
Wie macht man das: mit der Kamera in Ruhla stehen und eine Nordhäuser Gruppe aufnehmen, die sich gerade zwischen der Annen- und Nikolaikirche in Eisenach bewegt? Die Größenverhältnisse geben schon einen kleinen Hinweis: Man braucht dazu keine Wunderwaffe der Fotografie, sondern nur eine Fahrt zum Park mini-a-thür mit seinen 108 maßstabsgetreuen Modellen von Sehenswürdigkeiten aus dem gesamten Freistaat...
Mit wenigen Schritten ist man auch gleich beim Gothaer Schloss, schräg gegenüber steht man vor der Staatskanzlei in Erfurt und der Blick in den Hintergrund landet wieder bei der Georgenkirche in Eisenach.
Zu solcher Fahrt – nach Ruhla und Friedrichroda - eingeladen waren die Ehrenamtler aus der katholischen Domgemeinde Nordhausen, von Ellrich über Nordhausen und Bleicherode bis Großlohra und Sollstedt, deren Mithilfe in dieser neuen Riesen-Kirchengemeinde noch wichtiger wird als vorher. Sie füllten einen großen und einen kleinen Bus. Praktisch: In Ruhla hat man (fast) alles Sehenswerte aus Thüringen auf einem Fleck beisammen. Nur leider nichts aus dem Landkreis Nordhausen, denn Nordthüringen endet – vom Süden her gesehen - bei mini-a-thür mit dem Modell des Possenturms bei Sondershausen. Dafür erfährt man im Begleittext zum Rundgang immerhin, dass Ilfeld die nördlichste Gemeinde Thüringens ist und der geografische Mittelpunkt Thüringens – errechnet mit einer mathematischen Formel – in der Gemeinde Rockhausen im Ilmkreis sein soll.
Diese mathematische Formel scheint aber über Thüringen hinaus zu versagen, denn Deutschland habe – so liest man es in Ruhla – je nach Berechnungsweise gleich fünf Mittelpunkte: vier in Thüringen (Niederdorla, Flinsberg, Silberhausen, Landstreit bei Eisenach) und einen in Niedersachsen (Krebeck). Da kommen einem doch gleich auch die unterschiedlichen Berechnungsmodelle hinsichtlich der (Kreis-)Gebietsreformen in den Sinn, mit deren Hilfe Bürger und Politiker zu jeweils unterschiedlichen Effekten kommen – und die Reform entweder zu Einsparungen oder zu Mehrkosten führt! Wen wundert da noch der andauernde Streit um dieses Thema, so dass sich manchmal auch im politischen und Parteien-Betrieb kein Rad mehr drehen will? Denn wie sollte sich ein Rad noch drehen, wenn die Achse eines Landes gleich durch fünf unterschiedlich positionierte Achslager geht?
Auch eine Begegnung mit dem originalen Wappen von Ruhla, dem leibhaftigen Ruhlaer Schmied hatten die Nordhäuser. Der erzählte ihnen am Beispiel einer mitgebrachten Saufeder, was die Ruhlaer Schmiede früher vor allem geschmiedet haben. Denn das einst beschauliche und weltabgeschiedene Ruhla habe noch bis in die frühen DDR-Jahre hinein vornehmlich von der Wilddieberei gelebt, bis ein Schauprozess in Ruhla diesem weit verbreiteten Volkssport und Erwerbszweig ein Ende machte.
Dafür habe man dann die Uhrenindustrie angesiedelt und ausgebaut, die Ruhla weithin bekannt machte. Und heute? Heute lebe Ruhla fast von gar nichts mehr, was die vielen leeren Fenster in den vielen Alt-Neubauten und der Uhrenfabrik aus der DDR-Zeit zu bestätigen scheinen. Einst eine junge Stadt, ist Ruhla heute eine Senioren- und Pendlerstadt. Immerhin: Abgerissen hat man die schönen, aber leeren in DDR-Zeiten erbauten Häuser, die keine Plattenbauten sind, bisher nicht, was auch wieder Hoffnung symbolisiert. Mini-a-thür mit seinen Nebeneffekten - eindrucksvoll und viel besucht - ist ein liebevoll und technisch-künstlerisch ausgefeiltes Teilchen dieser Hoffnung.
Eduard Seifert
Autor: nnzMit wenigen Schritten ist man auch gleich beim Gothaer Schloss, schräg gegenüber steht man vor der Staatskanzlei in Erfurt und der Blick in den Hintergrund landet wieder bei der Georgenkirche in Eisenach.
Zu solcher Fahrt – nach Ruhla und Friedrichroda - eingeladen waren die Ehrenamtler aus der katholischen Domgemeinde Nordhausen, von Ellrich über Nordhausen und Bleicherode bis Großlohra und Sollstedt, deren Mithilfe in dieser neuen Riesen-Kirchengemeinde noch wichtiger wird als vorher. Sie füllten einen großen und einen kleinen Bus. Praktisch: In Ruhla hat man (fast) alles Sehenswerte aus Thüringen auf einem Fleck beisammen. Nur leider nichts aus dem Landkreis Nordhausen, denn Nordthüringen endet – vom Süden her gesehen - bei mini-a-thür mit dem Modell des Possenturms bei Sondershausen. Dafür erfährt man im Begleittext zum Rundgang immerhin, dass Ilfeld die nördlichste Gemeinde Thüringens ist und der geografische Mittelpunkt Thüringens – errechnet mit einer mathematischen Formel – in der Gemeinde Rockhausen im Ilmkreis sein soll.
Diese mathematische Formel scheint aber über Thüringen hinaus zu versagen, denn Deutschland habe – so liest man es in Ruhla – je nach Berechnungsweise gleich fünf Mittelpunkte: vier in Thüringen (Niederdorla, Flinsberg, Silberhausen, Landstreit bei Eisenach) und einen in Niedersachsen (Krebeck). Da kommen einem doch gleich auch die unterschiedlichen Berechnungsmodelle hinsichtlich der (Kreis-)Gebietsreformen in den Sinn, mit deren Hilfe Bürger und Politiker zu jeweils unterschiedlichen Effekten kommen – und die Reform entweder zu Einsparungen oder zu Mehrkosten führt! Wen wundert da noch der andauernde Streit um dieses Thema, so dass sich manchmal auch im politischen und Parteien-Betrieb kein Rad mehr drehen will? Denn wie sollte sich ein Rad noch drehen, wenn die Achse eines Landes gleich durch fünf unterschiedlich positionierte Achslager geht?
Auch eine Begegnung mit dem originalen Wappen von Ruhla, dem leibhaftigen Ruhlaer Schmied hatten die Nordhäuser. Der erzählte ihnen am Beispiel einer mitgebrachten Saufeder, was die Ruhlaer Schmiede früher vor allem geschmiedet haben. Denn das einst beschauliche und weltabgeschiedene Ruhla habe noch bis in die frühen DDR-Jahre hinein vornehmlich von der Wilddieberei gelebt, bis ein Schauprozess in Ruhla diesem weit verbreiteten Volkssport und Erwerbszweig ein Ende machte.
Dafür habe man dann die Uhrenindustrie angesiedelt und ausgebaut, die Ruhla weithin bekannt machte. Und heute? Heute lebe Ruhla fast von gar nichts mehr, was die vielen leeren Fenster in den vielen Alt-Neubauten und der Uhrenfabrik aus der DDR-Zeit zu bestätigen scheinen. Einst eine junge Stadt, ist Ruhla heute eine Senioren- und Pendlerstadt. Immerhin: Abgerissen hat man die schönen, aber leeren in DDR-Zeiten erbauten Häuser, die keine Plattenbauten sind, bisher nicht, was auch wieder Hoffnung symbolisiert. Mini-a-thür mit seinen Nebeneffekten - eindrucksvoll und viel besucht - ist ein liebevoll und technisch-künstlerisch ausgefeiltes Teilchen dieser Hoffnung.
Eduard Seifert








