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Fr, 13:43 Uhr
28.09.2012

doku: Das Schloss und die Polizei

Anlässlich der Beförderung mehrerer Polizeibeamter der Nordthüringer Polizei veröffentlichen wir die Festrede von Polizeidirektor Thomas Unger. Diese Reden bieten alljährlich einen kleinen Einblick in die Arbeit der Polizei, abseits der täglichen Meldungen in unseren Online-Zeitungen...


Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

es ist in der Polizeidirektion Nordhausen zu einer guten Tradition geworden, den Festakt zur Beförderung an historischen und geschichtsträchtigen Orten durchzuführen.

Ich habe mich dieser Tradition gebeugt und mich auf den Weg gemacht, um Sie heute hier im Schloss Heringen zu begrüßen und gemeinsam mit Ihnen diesen festlichen Akt der Beförderungen zu begehen.

Die Geschichte der Stadt Heringen war schon immer sehr eng mit der Geschichte dieses Schlosses verbunden. Ursprünglich erbauten die Hohnsteiner Grafen an der Nordwestecke des Ortes im Jahre 1327 eine romanische Burganlage mit Turmhaus und Vorburg. Im gleichen Jahr wird Heringen erstmals im Walkenrieder Urkundenbuch als Stadt erwähnt.

1417, nach dem Tod Dietrich IX. Graf zu Hohnstein, ging Heringen als Lehen der Landgrafen von Heringen an das Schwarzburger und Stolberger Grafenhaus, die 1439 durch Kauf gemeinschaftliche Besitzer wurden. Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts fanden umfangreiche Reparatur- und Umbauarbeiten statt. Sie verwandelten die einstige Burg in ein Renaissanceschloss.

Das Schloss diente von 1597-1658 der Gräfin Clara von Schwarzburg als Witwensitz, ihr Gemahl, Wilhelm I. Graf von Schwarzburg starb bereits nach 4 Ehejahren. Nach dem Tod der Gräfin, sie starb 1658 hier in Heringen, geriet das Schloss immer mehr in Vergessenheit und stand nur noch selten im Mittelpunkt von Hofereignissen.

1721 besuchte als letzter Repräsentant, Friedrich Anton Fürst von Schwarzburg das Amt und Schloss in Heringen. Danach erfüllte das Schloss nur noch untergeordnete Funktionen, es begann die Wandlung von einer Residenz in eine landwirtschaftliche Domäne, entsprechend verschlechterte sich der bauliche Zustand.

Im Ergebnis des Wiener Kongresses von 1815, ging 1819 Schloss Heringen einschließlich Domäne durch Kauf in königlich-preußischen Besitz über. 1836 verkaufte Preußen seine Rechte am Amt Heringen an das Grafenhaus Stolberg-Stolberg. Im Zuge der Bodenreform wurde das Schloss am 03.September 1945 verstaatlicht und die LPG nutzte das Objekt.

Seit 1980 steht das Schloss unter Denkmalschutz. 1984 begann die allmähliche Instandsetzung des Schlosses. Spätestens jetzt fragen sie sich vermutlich, „Warum erzählt er uns das eigentlich?“

Nun, zum Einen gehört es ganz einfach dazu, dass man ein paar wichtige Dinge über den Ort erfährt, an dem man sich befindet. Zum Anderen ist es die wechselvolle Geschichte dieses Hauses. Sie ist geprägt von ständigen Veränderungen. Auch wir, die Thüringer Polizei, unterliegen stets Veränderungen. Nicht zuletzt durch die gegenwärtig von uns allen erlebbare Polizeistrukturreform. Sie ist die tiefgreifendste Veränderung unserer Organisation in den vergangenen zwei Jahrzehnten.

Als Sie vorhin hier am Schloss angekommen sind, konnten Sie sicher bemerken, dass es umfangreiche Bauarbeiten gibt. Das Schloss wird umgebaut. Altes wird für die Zukunft erhalten, einiges wird den heutigen Anforderungen angepasst, vieles kommt hinzu, was es früher gar nicht gegeben hat. Genauso verhält es sich mit unserer Polizeistruktur. Wir bauen sozusagen auch um.

So wie dieses Schloss wird auch die Thüringer Polizei in absehbarer Zeit nicht mehr das sein, was sie einmal war. Es ist seit Wochen spürbar, dass es Veränderungen gibt, die für Verschiedene von uns auch mit neuen Aufgaben, vielleicht sogar mit einem Neuanfang verbunden sein können. Mit der Strukturreform soll die Polizei in Thüringen den heutigen wirtschaftlichen Bedingungen und einer zeitgemäßen Polizeiarbeit angepasst werden.

Letztlich geht es heutzutage nicht mehr darum, eine Lösung zu finden, die für alle Zeit Gültigkeit hat. Dazu ist der Wandel viel zu schnell; zu rasch ändern sich die Bedingungen. Eigentlich heißt es für jeden, der heute Erfolg haben will, immer wieder neu anzufangen. So, wie die Schlossherren in den vergangenen Jahrhunderten. Auch sie haben immer wieder neu angefangen. Haben das Schloss Veränderungen unterworfen.

Vor gar nicht allzu langer Zeit konnte man im Inneren des Schlosses durch alle Etagen hindurch in den freien Himmel blicken. Der Zustand der Bausubstanz war nahezu hoffnungslos. Und heute? Das Schloss erstrahlt in neuem Glanz und hat mit Sicherheit eine glänzende Zukunft vor sich.

Ich bin überzeugt, dass es bei vielen Vorhaben, die hier im Schloss verwirklicht wurden, auch viele Skeptiker gab, die nicht an den Erfolg glauben wollten. Sicher steht man Veränderungen immer etwas skeptisch gegenüber. So ist der Mensch nun mal. Auch unsere Polizeistrukturreform hat viele Skeptiker. Ich möchte Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an dieser Stelle bitten, sich nicht an Spekulationen und Gerüchten zu beteiligen, sondern mit gebührender Sachlichkeit in die Zukunft zu blicken.

Noch einmal zum Vergleich zwischen dem Heringer Schloss und der Thüringer Polizei: Um dieses schöne Gebäude zu erhalten bedurfte es bei den Verantwortlichen Mut, Risikobereitschaft und Entschlossenheit. Wer solch ein Projekt erfolgreich umsetzen will, muss auch realistisch und selbstkritisch bleiben und wissen, wann und wo es genug ist, also nicht über das Ziel hinaus zu schießen. Kurzum: Eine gesunde Mischung aus Enthusiasmus und Realismus braucht der erfolgreiche Mensch, um sein Ziel zu erreichen.
Beförderung bei der Nordthüringer Polizei (Foto: Polizei)
Beförderung bei der Nordthüringer Polizei (Foto: Polizei)
Beförderung bei der Nordthüringer Polizei (Foto: Polizei)
Beförderung bei der Nordthüringer Polizei (Foto: Polizei)
Beförderung bei der Nordthüringer Polizei (Foto: Polizei)
Beförderung bei der Nordthüringer Polizei (Foto: Polizei)
Sie, meine Damen und Herren, haben eines Ihrer Ziele erreicht. Sie haben in der Vergangenheit die wesentlichen Charaktereigenschaften eines guten Polizisten an den Tag gelegt, nämlich Mut, Risikobereitschaft und Entschlossenheit. Dazu haben sie Enthusiasmus und Realismus bewiesen. Deshalb dürfen sie heute befördert werden.

So, wie ein altes Schloss ist auch der Polizeialltag oft verwinkelt und es geht mal steil nach oben und ein andermal steil nach unten. Es gibt Etagen mit Licht und Etagen mit Schatten. So, wie unser Leben nun einmal ist. Täglich müssen wir uns diesen Situationen anpassen, oft blitzschnell entscheiden, welchen Weg wir einschlagen. Und das, ohne zu wissen, was uns in der nächsten Etage erwartet.

Die Freude, die heute in Ihnen darüber ist, auf der richtigen Etage angekommen zu sein, ist mit der Enttäuschung bei vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen verbunden, die heute nicht dabei sein dürfen.
In der letzten Monaten standen immer wieder die Fragen im Raum, ob es überhaupt in diesem Jahr Beförderungen geben wird und wie viele.

Umso mehr freue ich mich, dass wir heute von geplant 34 noch 15 Beamte befördern können und die Beförderung weiterer 25 für die nächsten Wochen vorbereiten. Es gibt in Thüringen mehrere Beamte, die den Rechtsweg beschritten haben und deshalb dürfen heute nicht alle dafür Vorgesehenen auch befördert werden. Ich hoffe, dass wir das in den nächsten Wochen nachholen können.

Wir sollten uns aber auch vor Augen führen, dass es nicht in allen Bundesländern Ernennungen und Beförderungen in dieser Form gibt. In Brandenburg z.B. sind sie vollständig ausgesetzt. Selbst die Absolventen der Verwaltungsfachhochschule werden nicht zu Kommissaren ernannt, sondern erhalten lediglich den Befähigungsnachweis für den gehobenen Polizeivollzugsdienst. Wir als Polizeiführer haben um diese Beförderungen in Thüringen gekämpft, weil wir wissen, wie wichtig sie für die Motivation der Beamten in den einzelnen Dienstorganisationen sind.

Wir haben hier im Norden Thüringens in den vergangenen Jahren hervorragende Ergebnisse in der polizeilichen Arbeit erreicht. Das aber nur, weil wir flexibel waren und anpassungsfähig, weil wir oft auch neue oder ungewöhnliche Wege beschritten und dabei Schwerpunkte gesetzt haben. Weil wir wachsam waren und immer darauf geachtet haben auf der richtigen Etage anzukommen.

Auch für die Zukunft bleibt uns keine Wahl: Wir müssen uns immer wieder neue Chancen und Möglichkeiten suchen, immer wieder einen neuen Kurs, neue Ziele festlegen – und sie dann mit unerschütterlichem Optimismus verfolgen. Wir sind also auf unserem Weg immer gespannt auf die nächste Etage und bereit, das in Angriff zu nehmen, was uns dort erwartet.

Wechseln wir – zum Abschluss – einmal den Blickwinkel. Man kann ja nicht nur von der Schlosstreppe auf die einzelnen Etagen blicken, sondern auch von den Etagen auf die Treppe. Sobald der Hinaufsteigende eine Etage erreicht, steht er im Rampenlicht. Mit dem Kopf zuerst kommt er an; er wird also betrachtet und begutachtet, noch bevor er selbst aktiv werden kann. Ein Versteck gibt es für ihn nicht. Schonungslos ist er konfrontiert mit der neuen Etage, mit den Gegebenheiten, mit den Aufgaben und vor allem mit den Menschen, die ihn dort erwarten.

Sie, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, werden also stets und überall auf ihrem Weg gesehen, sie stehen in der Öffentlichkeit, sie setzen sich oftmals blitzschnell mit den neuen Gegebenheiten, mit den neuen Aufgaben auseinander. Dass sie dazu in der Lage sind, haben sie bewiesen.

Nun, die Geschichte mit dem Schloss und der Thüringer Polizei kennen sie jetzt. Ich bin sicher, dass wir unsere Ziele, unsere Etagen sicher erreichen, wenn jeder von Ihnen sich voll und ganz dafür einsetzt. Ich danke Ihnen für alles, was Sie bisher für die Polizei in Thüringen, für unsere Thüringer Bevölkerung getan haben.

Und wenn ich in Ihre Gesichter schaue, lese ich darin Mut und Zuversicht. Übertragen sie ihren Mut, ihre Zuversicht auch auf die anderen Kolleginnen und Kollegen in den Dienststellen. Das ist es auch, was wir brauchen. Der Erfolg gehört den Tüchtigen! Lassen Sie uns zupacken und nicht lockerlassen!

Nehmen sie auch in Zukunft sicheren Schrittes die Treppe zum Erfolg und verpassen sie das rechtzeitige Abbiegen in der richtigen Etage nicht. Wenn uns das auch künftig gemeinsam gelingt, so bin ich überzeugt, dass auch andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der nächsten Etage neben uns stehen.

Dazu wünsche ich uns möglichst eine Treppe ohne Hindernisse, viele Etagen mit Licht und wenige mit Schatten.
Autor: red

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Kommentare
Wolfi65
28.09.2012, 16:51 Uhr
Genau
Der Erfolg gehört den Tüchtigen! Was das mit der Polizei NDH zutun hat, bleibt ein Rätsel.
Orden verteilen und sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, konnte der Germane schon immer. Man sollte das Gestern hinter sich lassen und sich um das Heute kümmern. Die Sterne sind verteilt und die Vorstellung ist beendet.
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