Di, 09:26 Uhr
23.12.2003
nnz-Betrachtung: Wo ist das "Wir"?
Nordhausen (nnz). Weihnachten steht vor der Tür. Die Menschen im Landkreis Nordhausen werden hoffentlich einige besinnliche Tage genießen können. Trotzdem einige nicht allzu optimistische Bemerkungen...
Es ist klar, dass auch die kommunalen Politiker in unserer Region in ihren Rückblicken und Grußworten zuerst das Positive herausstellen. Dem wollen wir uns anschließen, doch wollen wir auch aufmerksam machen auf das, was nicht so lief, wie man es sich vorgestellt hat.
Noch immer ist im Landkreis Nordhausen jeder Fünfte ohne Job. Ein Fakt, der Auswirkungen nicht nur auf die Kassen der Kommunen hat, der vor allem viele Spuren in den Familien hinterlässt. Es fehlt an Geld in der Familienkasse, es fehlt immer mehr – und das ist viel schlimmer – an einer Motivation für das alltägliche Leben. Was soll man einem 50jährigen sagen, der vielleicht schon seit sechs oder sieben Jahren arbeitslos ist? Der vielleicht schon einige Umschulungen oder ABM-Jobs hinter sich hat und danach wieder dort steht, wo das Elend einst begann: es gibt für ihn keine Arbeit. Was sagen die Politiker seinen Kindern, die sich an schönen strahlenden Schaufenstern die Nase plattdrücken und wissen, das alles gibt es – nur nicht für mich.
Ich möchte an dieser Stelle anmerken: Die Gedanken beziehen sich auf jene Männer und Frauen, die arbeiten wollen, die jahrelang durch die Vermittlungszimmer im Arbeitsamt gelaufen und immer wieder leer ausgegangen sind. Welche Stelle haben sie in der Gesellschaft? Welchen Wert schreiben sie sich selbst zu in dieser Gesellschaft?
Zu Weihnachten wird die Gesellschaft immer munter, für eine kurze Zeit wird das Ich zum Wir. Dann wird daran gedacht, wie man Menschen helfen kann, die in Not geraten sind. Es gibt Konzerte, Sammelaktionen, das werden Gestecke gebastelt – und all die Erlöse daraus, die werden dann verteilt. Sicher sind das alles höchstlöbliche Aktionen, doch was ist danach, was ist mit den Beschenkten bis zum nächsten Weihnachtsfest? Wenn es eine Gesellschaft fertig bringt, derartige Aktionen vielleicht überflüssig zu machen, dann ist sie beim wirklichen Wir angekommen. Einen Trend dorthin sehe ich allerdings nicht. Auch wenn die Politik (die kleine und die große) immer wieder versucht, das Gegenteil zu suggerieren.
Trotzdem wünsche ich den Lesern der nnz, ihren Freunden, Bekannten und Familien ein besinnliches Weihnachten 2003, ich wünsche Ihnen im Namen aller nnz-Macher vielleicht auch einige nachdenkliche Stunden, vor allem aber eine riesige Portion Gesundheit. Aber die wird im kommenden Jahr ja auch teurer.
Herzlichst – Ihr Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzEs ist klar, dass auch die kommunalen Politiker in unserer Region in ihren Rückblicken und Grußworten zuerst das Positive herausstellen. Dem wollen wir uns anschließen, doch wollen wir auch aufmerksam machen auf das, was nicht so lief, wie man es sich vorgestellt hat.
Noch immer ist im Landkreis Nordhausen jeder Fünfte ohne Job. Ein Fakt, der Auswirkungen nicht nur auf die Kassen der Kommunen hat, der vor allem viele Spuren in den Familien hinterlässt. Es fehlt an Geld in der Familienkasse, es fehlt immer mehr – und das ist viel schlimmer – an einer Motivation für das alltägliche Leben. Was soll man einem 50jährigen sagen, der vielleicht schon seit sechs oder sieben Jahren arbeitslos ist? Der vielleicht schon einige Umschulungen oder ABM-Jobs hinter sich hat und danach wieder dort steht, wo das Elend einst begann: es gibt für ihn keine Arbeit. Was sagen die Politiker seinen Kindern, die sich an schönen strahlenden Schaufenstern die Nase plattdrücken und wissen, das alles gibt es – nur nicht für mich.
Ich möchte an dieser Stelle anmerken: Die Gedanken beziehen sich auf jene Männer und Frauen, die arbeiten wollen, die jahrelang durch die Vermittlungszimmer im Arbeitsamt gelaufen und immer wieder leer ausgegangen sind. Welche Stelle haben sie in der Gesellschaft? Welchen Wert schreiben sie sich selbst zu in dieser Gesellschaft?
Zu Weihnachten wird die Gesellschaft immer munter, für eine kurze Zeit wird das Ich zum Wir. Dann wird daran gedacht, wie man Menschen helfen kann, die in Not geraten sind. Es gibt Konzerte, Sammelaktionen, das werden Gestecke gebastelt – und all die Erlöse daraus, die werden dann verteilt. Sicher sind das alles höchstlöbliche Aktionen, doch was ist danach, was ist mit den Beschenkten bis zum nächsten Weihnachtsfest? Wenn es eine Gesellschaft fertig bringt, derartige Aktionen vielleicht überflüssig zu machen, dann ist sie beim wirklichen Wir angekommen. Einen Trend dorthin sehe ich allerdings nicht. Auch wenn die Politik (die kleine und die große) immer wieder versucht, das Gegenteil zu suggerieren.
Trotzdem wünsche ich den Lesern der nnz, ihren Freunden, Bekannten und Familien ein besinnliches Weihnachten 2003, ich wünsche Ihnen im Namen aller nnz-Macher vielleicht auch einige nachdenkliche Stunden, vor allem aber eine riesige Portion Gesundheit. Aber die wird im kommenden Jahr ja auch teurer.
Herzlichst – Ihr Peter-Stefan Greiner


