eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Mo, 15:52 Uhr
15.12.2003

Kekse für die Kirche

Nordhausen(nnz). St. Blasii stürzt nicht ein, garantiert nicht. Daran haben nicht nur die fleißigen Bauarbeiter einen Anteil, sondern auch gewöhnliche Weihnachtsplätzchen. Ein Rückblick auf das bisher Geleistete und ein Ausblick hier in der nnz.

Arbeiten Auf wackligen Füßen steht St. Blasii bald nicht mehr. Heute wurden die hydraulischen Pressanlagen der Südfassade in Betrieb genommen. Das Fundament machte Probleme, denn es bestand nicht aus Stahlbeton, wie man das heute bei einem Bauwerk vergleichbarer Größe tun würde, sondern aus normalem Mauerwerk.

Einfach unter dieses zu schachten und ein neues Fundament aus Beton darunter zuschieben, das stellte ein zu großes Risiko für das historische Gebäude dar. So wurde neben der alten Mauer rechts und links geschachtet und Beton eingebracht.

Die Last der Wand wird durch Querbalken auf diese neuen Fundamente umgeleitet. Dafür mußten 600 mm große Löcher gebohrt werden. Um die alten Mauern zu stabilisieren wurden dünne Edelstahlrohre eingebracht. Sollte es später einmal bessere Methoden geben, können diese Bauteile ohne Schäden zu hinterlassen entfernt werden.

Wenn ein Bauwerk wie Nordhausens große Stadtkirche den Boden unter sich zusammenpreßt und sich sozusagen setzt, dann können, wenn dies ungleichmäßig geschieht, Risse im Mauerwerk entstehen. Das wird durch die Hydraulikpressen verhindert. Die Last der Kirche wird simuliert, und mit moderner Technik kann der Setzvorgang am Computer verfolgt werden. Jede Presse kann individuell nach den Notwendigkeiten für den Baukörper gesteuert werden.

Blasii von außen Ganz billig ist so eine Fundamentsicherung nicht. In diesem Jahr wurden 1,2 Millionen Euro für die Sicherung der Blasii-Kirche ausgegeben, 2,95 Millionen sollen es insgesamt werden, einschließlich der Notsicherung, die bereits 2001 stattfand.

Als ein weiteres Problem stellte sich in der Vergangenheit der echte Hausschwamm dar. Der ist eine solche "Seuche" für einen Baukörper, daß er meldepflichtig ist wie zum Beispiel bestimmte Lungenkrankheiten beim Menschen.

Der Schwamm fühlt sich besonders in feucht-warmem Klima mit stehender Luft wohl. Sein Myzel wächst durch Fugen bis es sich zellullosehaltige Nahrung gesucht hat. Balken werden von dem aggressiven Pilz von innen her zerstört, von außen sieht er also noch in Ordnung aus. Die Gefahr besteht darin, daß so ein Balken unter Last ohne Vorwarnung brechen kann. Nicht nur Holz sondern auch das Mauerwerk kann befallen werden.

Häuser, die nicht unter Denkmalschutz standen, mußten wegen Hausschwamm sogar abgerissen werden, berichtet Eva Schmidt, die Sachverständige für Holzschutz. Inzwischen ist der Dachstuhl aber wieder hergestellt, auch wenn es lange Verzögerungen gegeben hatte, da jeder Balken einzeln von Frau Schmidt begutachtet werden mußte, bevor weitergebaut werden durfte.

Wer glaubt bei der Einweihung der ausgebesserten Kirche eine neue und besonders verschönte vorzufinden, der muß enttäuscht werden. Dafür ist kein Geld da. Auch für die Sanierung der Glocken und der Turmuhr gibt es keinen Cent aus den üblichen Fordertöpfen.

Aber man kann auch kleine Plätzchen backen, so wie es der Förderverein tut. Allein mit Weihnachtskeksen nahmen die engagierten Nordhäuser 980,- Euro ein. Insgesamt sammelten sie bereits über 50.000 Euro an Spenden.

Der Weiterbau an der Fassade ist auf jeden Fall gesichert. Pfarrer Peter Lipski konnte sich bereits über zwei Fördermittelbescheide freuen . Von der Landeskirche soll es im nächsten Jahr 200.000 Euro geben. Das ist mehr als gedacht und eine der größten Einzelförderungen. Die Stiftung Kirchenbau, eine eigentlich eher kleine Stiftung, wird 55.000 Euro beisteuern. Dank guter Öffentlichkeitsarbeit machte die Blasii- Kirche nämlich bundesweit Schlagzeilen.

Mit einer Eröffnung der Kirche zur Landesgartenschau im nächsten Jahr wird es leider nichts. Wenn die Gemeinde 2004 wieder Weihnachten hier feiern kann, dann ist wenigstens nicht wieder was unvorhergesehenes dazwischengekommen. Das weiß man jedoch nie bei einem Gebäude dessen erste Teile bereits 1301 erbaut sein sollen.
Autor: wf

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)