Auch ethische Dimension diskutiert
Im Zuge der Beratungen in den Stadtratsausschüssen zum Bau einer Biomethanlage habe man sich auch intensiv mit der ethischen Dimension dieses Vorhabens befasst. Die Stadträte haben dazu intensiv Professor Viktor Wesselak vom Bereich Regenerative Energietechnik der Nordhäuser Fachhochschule befragt...
Schwerpunkt war dabei die Frage "Nahrungsmittelversorgung kontra Bioenergie" sowie die Energie-Bilanz des Vorhabens. Professor Wesselak hat anhand von wissenschaftlich abgesicherten Daten erläutert, dass wir uns mit dem Maisbedarf der Biomethananlage deutlich unterhalb der Grenze zur Nahrungsmittelkonkurrenz befinden. Mit Blick auf die unmittelbare doppelte Strom-Wärme-Verwertung des Biomethans in unserer Blockheizkraftwerken sprach Professor Wesselak von einer "Traumkonstellation" hinsichtlich der Co-2-Bilanz.
"Auch die Verwendung von Mais als einer der beiden Grundstoffe neben der Nordbrand-Schlempe sei eine gute Wahl, da er aufgrund seiner hohen Energieausbeute u.a. einen deutlich geringeren Flächenbedarf als zum Beispiel Raps habe, so Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh im Anschluss an die Diskussion.
Autor: nnz
Kommentare
Flitzpiepe
13.07.2012, 13:39 Uhr
Viel zu positiv
Die Aussagen von Prof. Wesselak sind mir viel zu positiv zur Energiegewinnung aus Biomasse. Auf welchen Zahlen aus welchen Werken beruhen diese Aussagen?
Hat er überhaupt irgendwelche negativen Auswirkungen benannt?
Wenn man andere Publikationen liest (z.B. hier aufgelistet http://initiativen-mit-weitblick.de/15.html), dann kommt diese Art der Energiegewinnung gar nicht positiv weg. Noch nicht mal in der CO2-Bilanz.
Wem soll man nun glauben?
dirfido
13.07.2012, 16:17 Uhr
Traumkonstellation oder Träumerei?
Die Bilanz: 60% Methan zu 40% CO2 bei der Erzeugung des Brennstoffes durch die Vergärung zzgl. der freigesetzten CO2 Mengen für die Anlieferung und die Entsorgung der Grundstoffe; bei der Verstromung und Verbrennung des aufbereiteten Methans (kostet auch Energie) entsteht in jedem Fall wieder CO2.
Da die zur Rede stehende Anlage in ein bestehendes Gas-Netz einspeisen soll, ist die 100%ige Verstromung mit gleichzeitiger Nutzung der Wärme nicht realistisch! Es ist zu vermuten, dass die eingespeisten Gasmengen zu einem erheblichen Teil wieder in normalen Heizungskesseln verschwinden und dann wie ganz gewöhnliches Erdgas verheizt werden.
Es wird immer suggeriert das Methan ohne Nebenwirkungen einfach so aus den Grundstoffen extrahiert werden kann.
… Und dann ist es eben BIO.
Es handelt sich aber um einen komplexen technischen Vorgang mit allen seinen Risiken und Emissionen; und da ist CO2 mit seinem 40%-Anteil bei der Erzeugung noch das kleinste Übel!!
Traumkonstellation oder Träumerei?
W.Roßmell
13.07.2012, 19:19 Uhr
Mag ja alles Träumerei sein...
auch von diesem Prof. Wesselak, für mich ist an dieser Stelle einfach nur wichtig, dass so eine Anlage weder in NDH-Ost/Himmelgarten noch in NDH-Bielen beim BIC als Standort hingehören! Alles andere können sich doch Verantwortlichen selbst in "die Tasche" haun, dafür sind wir einfach nicht in der Lage, solche Traumergebnisse und damit verbundene Renditen zu glauben. Das wird sich dann nämlich in weiter steigenden Strom- und Gaspreisen zeigen, wer hier alles nur schön Gerechnet hat. Leider sind für mich auch die Abgeordneten nicht alle in der Lage solche Zahlen tiefgründiger sprechen zu lassen und hoffe, dass unsere Argumente eine Biomethan-Anlage in bzw. an angrenzenden Wohngebieten haben nichts zu suchen und gehören abgelehnt! Ein Standort zu finden, wo niemand unserer Bürger auch nur gestört oder gar geschädigt wird, das ist für mich der absolut wichtigste Punkt und den scheinen die Verantwortlichen einfach ersteinmal begreifen zu müssen. Vor ihrer eigenen Haustür wollen sie so eine Anlage ja auch nicht stehen haben...! Also dann liebe Bürger und Leser, kommt zahlreich am Dienstag ab 15 Uhr zu den Stadtwerken in Nordhausen in der Robert-Blum-Straße 1 zur öffentlichen Stadtratssitzung und zeigt Gesicht, bringt Eure Sorgen gegenüber denen, die die GmbH gründen wollen und vor allem auch Eure Ablehnung zu den Standorten deutlich zum Ausdruck! Je mehr Leute, desto knapper die Plätze, aber der Betrieb ist groß genug, um unsere Ziele deutlich zu machen und wenn der Saal aus den Fugen platzen sollte (das wäre jedenfalls die richtige Antwort auf diese wissenschaftliche Traumthese vom Professor)...
Wir sehen und am Dienstag den 17.07.2012 ab 15Uhr und vergeßt nicht, auch die Zeitungen am Wochenende zu Lesen!!!
Bodo Schwarzberg
13.07.2012, 23:35 Uhr
Gefälligkeitsgutachten?
Ein Professorentitel zieht meistens. Und es ist normal, dass unsere FH eine Biomethananlage begrüßt. Sie könnte ihre eigene Legitimation durch eine solche Anlage stärken. Dass sich Dr. Zeh ausgerechnet den genannten Profesor als Ratgeber ausgesucht hat, spricht nicht gerade für Fingerspitzengefühl. Es liegt doch, wie oben geschrieben, auf der Hand, dass er nichts Negatives über eine solche Anlage sagen wird. Die Wissenschaft lebt viel zu sehr von der Wirtschaft, als dass sie sich keine Gefälligkeitsgutachten leisten in jedem Falle leisten könnte.
Ich hoffe, dass Dr. Zeh nicht tatsächlich davon ausgeht, dass der gemeine Bürger dem Professor glaubt und dass er ihn mit einem solch gefärbten Gutachten überzeugt. Es sollte uns immer zu denken geben, wenn jemand ein Projekt über den grünen Klee lobt. Denn so, das sagt einem allein schon der gesunde Menschenverstand,ganz abgesehen von den vielen anderen Unwägbarkeiten, ist die Realität niemals. Aber vielleicht ist Dr. Zeh ganz einfach schon zu lange in der Politik.
98maschr
14.07.2012, 10:44 Uhr
Akzeptanz anderer Meinungen...
Bei allem nötigen Respekt, aber das diffamieren von Personen nur weil sie eine andere Meinung haben erinnert eher an den Kindergarten. Schämen sollten sie sich Herr Schwarzberg. Wer Herrn Wesselak kennt, weiß dass er ein kritischer Geist ist. Und mit Sicherheit mehr Ahnung von der Materie hat als jeder Andere hier.
andreas66
14.07.2012, 11:17 Uhr
Wenn...
der genannte Professor in Nordhausen-Ost wohnen würde, da würde ich gern nochmal sein Gutachten lesen oder seine Meinung hören wollen. Habe einen Prof. Dr. ..... laut Telefonbuch in Duderstadt gefunden. Meine Vermutung liegt nahe das es sich um den Genannten im Beitrag handelt.
W.Roßmell
14.07.2012, 17:01 Uhr
Stimmt, wenn der Herr Professor in Ost /Himmelgarten...
oder in Bielen wohnen würde, dann wäre ich genauso über sein Gutachten interessiert! Es ist keine Diffarmierung gegen den Professor, es ist eine Behauptung, denn eine Biomethan-Anlage mag ja gut sein, aber eben nicht an den bisher genannten Standorten! In der Nähe von Wohngebieten gehören solche Anlagen nicht hin und das ist der eigentliche Hauptgrund unseres Aufbegehrens! Ich bin dafür, dass so eine Anlage gebaut werden soll, auch wenn dadurch die Landwirtschaft meiner Meinung auf komplett Monokultur umstellt und das in anderen Beiträgen festgestellte fehlende Pflügen der Felder, wie zu DDR-Zeiten weiter fehlen wird und man der Mäuseplage, den Wildschweinen nur noch mehr gutes Futter bietet!
Aber egal, das müssen die Verantwortlichen dann selber vertreten, wenn dann das Gejammere auf diese Weise kommen wird! Der Herr Professor ist ja auch "nur" vom Sinn dieser Anlage überzeugt und deshalb ein Fürsprecher, aber Ahnung von der vorhandenen verkehrstechnischen Situation, der enormen Belästigungen aller Anwohner in diesen Gebieten, das geht ihm schlicht sonst wo vorbei, denn davon hat er ganz bestimmt absolut keine Ahnung! Also kommt alle am 17.07.2012 ab 15Uhr zur öffentlichen Stadtverordnetenversammlung und kämpft gegen diese Standorte für solch eine Biomethan-Anlage in Wohngebieten! Dort gehören Sie nicht hin! Dagegen werden wir kämpfen, bis ein Standort gefunden ist, wo sich keiner beklagen kann...! Wir wollen kein 2. "Stuttgart 21", aber je mehr und schneller für eine Anlage dieser Art geworben wird, desto schneller ist die zu gründende GmbH dabei, alle Meinungen der Bürger über den Haufen zu schmeißen und legt los! Und das ist viel gefährlicher, denn eigentlich mußte die Gründung der GmbH für eine solche Anlage gestoppt werden, bis ein Standort gefunden ist!
dirfido
14.07.2012, 17:20 Uhr
Neuer Bürgermeister altes Spiel?
Die Diffamierung von anderen Meinungen, Positionen und Personen hat leider Tradition, wie in der Wissenschaft so auch in der Politik. Selbst in unserem aktuellen Fall einer Methanerzeugungsanlage wird den Gegnern der Standorte ein ewig gestriges Denken unterstellt und kritische Nachfragen als permanente Opposition von Neinsagern verunglimpft.
Aber erinnern wir uns an die Vergangenheit in der alle möglichen Koryphäen selbst die Atomkraftwerke als umweltfreundlich, sicher und zukunftsweisend verkauft haben.
Zu weit hergeholt?
Dann darf ich auf den Bericht hier in nnz-online vom 4. August 2010 PROBLEME OHNE ENDE? verweisen!!
Haben wir Nordhäuser so ein kurzes Gedächtnis??
Müssen wir wieder sehenden Auges in ein unausgegorenes Abenteuer schlittern??
Ist so viel Geld im Spiel dass uns der Verstand aussetzt??
Zitat aus dem o.g. Bericht:
Fünf Jahre ist die Anlage jung - und Schrott. Zwei Millionen Euro müssen investiert werden, um die Auflagen des Landesverwaltungsamtes für einen Weiterbetrieb zu erfüllen. Übrigens: Gekostet hatte das alles vor fünf Jahren rund sechs Millionen Euro. Einnahmen gibt es nicht mehr, dabei bleiben Abschreibungen und Darlehensverpflichtungen auf der Ausgabenseite bestehen.
In diesem heiß es weiter, Zitat:
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind in diesen Tagen eingestellt worden. Es gebe keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Biogasanlage über den normalen Verschleiß hinaus gefahren worden sei. Ein beabsichtigte Nutzungsdauer von 16 Jahre nicht realistisch, eher zehn Jahre, schreiben die Staatsanwälte in ihrer Begründung.
Offenbar ist für die damals Verantwortlichen die ganze Sache ohne Folgen geblieben, leider auch für unsere Kommunalpolitiker. Wie sonst erklärt sich ein Bericht, in der alle Fraktionen für den Bau einer Anlage zur Methanerzeugung zustimmen?
Neuer Bürgermeister altes Spiel?
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