Mo, 06:38 Uhr
24.11.2003
nnz-Forum: Eigennutz?
Nordhausen (nnz). Das Industriegebiet in der Goldenen Aue polarisiert im Landkreis Nordhausen wie kaum ein anderes Thema. Da schlagen Emotionen hoch, sie werden auch in der nnz sichtbar. Deshalb dazu ein etwas ungewöhnlicher Beitrag im nnz-Forum.
Es ist richtig, dass Journalisten objektiv arbeiten sollen. Es ist ebenso richtig, dass sie ausgewogen und sachlich berichten sollen. Doch unstrittig ist, dass auch Journalisten Subjekte sind. Subjekte mit Meinungen, Anschauungen und Haltungen. Und als Subjekt will ich diese Betrachtung verstanden wissen.
Um es klar zu sagen: Ich als Subjekt bin für das Industriegebiet in der Goldenen Aue. Dafür gibt es viele Gründe, einer davon kommt mir zum Beginn eines jeden Monats auf den Tisch. Es sind die aktuellen Statistiken des Arbeitsamtes. Aus den Zahlenkolonnen schreit doch eine Forderung heraus: Schafft endlich Arbeit, schafft endlich Arbeitsplätze! Das Schaffen kann einzig und allein die Wirtschaft übernehmen. Die Politik jedoch, die kann und muß (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) die Bedingungen realisieren. Sie sind vielfältig. Einige sind bekannt, andere wiederum nicht öffentlich.
Nun schickt sich ein Planungsverband mit der darin dominierenden Stadt Nordhausen an, eine Fläche von 100 Hektar in der Goldenen Aue zu beplanen, nicht zu erschließen. Es wird also virtuell ein Plan auf diese Fläche gelegt. Nicht mehr aber auch nicht weniger ist es im Moment. Und dann wird, nach einem demokratischen Abwägungsprozedere (vor- und festgeschrieben in den deutschen Gesetzlichkeiten) ein Beschluß gefasst. Den Beschluß, den fasst nicht die Oberbürgermeisterin von Nordhausen in ihrem Dienstzimmer, den fasst der Planungsverband, dem auch die gewählten Vertreter der Kommunen in der Goldenen Aue angehören. Und wenn die jenen Beschluß demokratisch fassen, dann ist der geltendes Recht.
Warum eigentlich das große Industriegebiet ausgerechnet in der Goldenen Aue? Nun, es ist ganz einfach: Es ist der Standort, der nach Ansicht von Menschen, die sich mit der Materie beschäftigen, der beste Platz in diesem Landstrich. Die Gegner des Industriegebietes hatten im vergangenen Jahr das Gewerbegebiet bei Werther favorisiert. Auch als Journalist fragt man sich dann: Warum nicht bei Werther? Das Revier liegt ja auch schön nah an der Autobahn.
Nach meinen bescheidenen Informationen, die nicht unbedingt aus der Nordhäuser Region stammen, haben in diesem Jahr bereits drei Unternehmen bezüglich einer Ansiedlung nachgefragt. Sie wollten so um die 60 Hektar Platz, sie wollten zwischen 160 und 500 Arbeitsplätze schaffen. Nur sie wollten eben nicht nach Werther, sondern in die Goldene Aue. Vielleicht auch deshalb, weil das Gelände einfach zu bebauen ist, weil es im Regionalen Raumordnungsplan nicht als landwirtschaftliche Vorrangfläche ausgeschrieben ist?
Eines der Unternehmen ist weitergezogen, in Richtung Artern. Es wird sich vermutlich dort ansiedeln, es wird dort Arbeitsplätze schaffen, die anderen beiden Investoren sprechen in diesen Tagen im Sächsischen Wirtschaftsministerium in Dresden vor.
Warum soll sich Industrie künftig hier im Landkreis Nordhausen ansiedeln? Das fragte nnz-Leser Michael Bethke in diesem Forum. Die Antwort: Weil der Landkreis Nordhausen eben diese Fläche vielleicht zu bieten hat. Sie war nicht willkürlich beim Dartspiel im Nordhäuser Rathaus gewählt worden, sondern die Auswahl erfolgte nach Kriterien.
Da schreibt die Bürgerinitiative von unerträglichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität durch die künftige Industrieansiedlung. Das mag ja in gewissem Maß auch stimmen, denn dort wo jetzt Acker ist, da werden irgendwann einmal Fabrikhallen stehen. Doch werden die – im Jahr 2003 - Lärm, Dreck oder Gestank in unerträglichem Maße verursachen?
Aber die Bürgerinitiative schlug und schlägt immer wieder Alternativstandorte vor: Werther, Uthleben, Hesserode – eigentlich überall im Landkreis Nordhausen – nur nicht in der Goldenen Aue. Sind die Menschen außerhalb von Urbach, Görsbach oder Windehausen weniger wert und sollten deshalb die stinkende, Lärm und Dreck verursachende Industrie erleiden?
Irgendwann mal sammelte die BI Rettung der Goldenen Aue mehrere Tausend Unterschriften gegen das Industriegebiet. Ich will diese Zahl nicht anzweifeln. Doch ich halte eine andere Zahl dagegen: Rund 9.300. Das ist die Zahl, die im jüngsten Arbeitsmarktbericht zu finden war. Und dem Planungsverband, dem wünsche ich ganz persönlich, dass er das alles durchzieht und zu einem demokratischen Ergebnis kommt. Ob dann die Investoren hier bei uns Schlangestehen, das glaube ich kaum.
Aber diejenigen, die für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verantwortlich sind, die haben dann den Versuch wenigstens gewagt.
Peter-Stefan Greiner, Nordhausen
Autor: nnzEs ist richtig, dass Journalisten objektiv arbeiten sollen. Es ist ebenso richtig, dass sie ausgewogen und sachlich berichten sollen. Doch unstrittig ist, dass auch Journalisten Subjekte sind. Subjekte mit Meinungen, Anschauungen und Haltungen. Und als Subjekt will ich diese Betrachtung verstanden wissen.
Um es klar zu sagen: Ich als Subjekt bin für das Industriegebiet in der Goldenen Aue. Dafür gibt es viele Gründe, einer davon kommt mir zum Beginn eines jeden Monats auf den Tisch. Es sind die aktuellen Statistiken des Arbeitsamtes. Aus den Zahlenkolonnen schreit doch eine Forderung heraus: Schafft endlich Arbeit, schafft endlich Arbeitsplätze! Das Schaffen kann einzig und allein die Wirtschaft übernehmen. Die Politik jedoch, die kann und muß (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) die Bedingungen realisieren. Sie sind vielfältig. Einige sind bekannt, andere wiederum nicht öffentlich.
Nun schickt sich ein Planungsverband mit der darin dominierenden Stadt Nordhausen an, eine Fläche von 100 Hektar in der Goldenen Aue zu beplanen, nicht zu erschließen. Es wird also virtuell ein Plan auf diese Fläche gelegt. Nicht mehr aber auch nicht weniger ist es im Moment. Und dann wird, nach einem demokratischen Abwägungsprozedere (vor- und festgeschrieben in den deutschen Gesetzlichkeiten) ein Beschluß gefasst. Den Beschluß, den fasst nicht die Oberbürgermeisterin von Nordhausen in ihrem Dienstzimmer, den fasst der Planungsverband, dem auch die gewählten Vertreter der Kommunen in der Goldenen Aue angehören. Und wenn die jenen Beschluß demokratisch fassen, dann ist der geltendes Recht.
Warum eigentlich das große Industriegebiet ausgerechnet in der Goldenen Aue? Nun, es ist ganz einfach: Es ist der Standort, der nach Ansicht von Menschen, die sich mit der Materie beschäftigen, der beste Platz in diesem Landstrich. Die Gegner des Industriegebietes hatten im vergangenen Jahr das Gewerbegebiet bei Werther favorisiert. Auch als Journalist fragt man sich dann: Warum nicht bei Werther? Das Revier liegt ja auch schön nah an der Autobahn.
Nach meinen bescheidenen Informationen, die nicht unbedingt aus der Nordhäuser Region stammen, haben in diesem Jahr bereits drei Unternehmen bezüglich einer Ansiedlung nachgefragt. Sie wollten so um die 60 Hektar Platz, sie wollten zwischen 160 und 500 Arbeitsplätze schaffen. Nur sie wollten eben nicht nach Werther, sondern in die Goldene Aue. Vielleicht auch deshalb, weil das Gelände einfach zu bebauen ist, weil es im Regionalen Raumordnungsplan nicht als landwirtschaftliche Vorrangfläche ausgeschrieben ist?
Eines der Unternehmen ist weitergezogen, in Richtung Artern. Es wird sich vermutlich dort ansiedeln, es wird dort Arbeitsplätze schaffen, die anderen beiden Investoren sprechen in diesen Tagen im Sächsischen Wirtschaftsministerium in Dresden vor.
Warum soll sich Industrie künftig hier im Landkreis Nordhausen ansiedeln? Das fragte nnz-Leser Michael Bethke in diesem Forum. Die Antwort: Weil der Landkreis Nordhausen eben diese Fläche vielleicht zu bieten hat. Sie war nicht willkürlich beim Dartspiel im Nordhäuser Rathaus gewählt worden, sondern die Auswahl erfolgte nach Kriterien.
Da schreibt die Bürgerinitiative von unerträglichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität durch die künftige Industrieansiedlung. Das mag ja in gewissem Maß auch stimmen, denn dort wo jetzt Acker ist, da werden irgendwann einmal Fabrikhallen stehen. Doch werden die – im Jahr 2003 - Lärm, Dreck oder Gestank in unerträglichem Maße verursachen?
Aber die Bürgerinitiative schlug und schlägt immer wieder Alternativstandorte vor: Werther, Uthleben, Hesserode – eigentlich überall im Landkreis Nordhausen – nur nicht in der Goldenen Aue. Sind die Menschen außerhalb von Urbach, Görsbach oder Windehausen weniger wert und sollten deshalb die stinkende, Lärm und Dreck verursachende Industrie erleiden?
Irgendwann mal sammelte die BI Rettung der Goldenen Aue mehrere Tausend Unterschriften gegen das Industriegebiet. Ich will diese Zahl nicht anzweifeln. Doch ich halte eine andere Zahl dagegen: Rund 9.300. Das ist die Zahl, die im jüngsten Arbeitsmarktbericht zu finden war. Und dem Planungsverband, dem wünsche ich ganz persönlich, dass er das alles durchzieht und zu einem demokratischen Ergebnis kommt. Ob dann die Investoren hier bei uns Schlangestehen, das glaube ich kaum.
Aber diejenigen, die für die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verantwortlich sind, die haben dann den Versuch wenigstens gewagt.
Peter-Stefan Greiner, Nordhausen
| Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. |
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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