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Mo, 16:04 Uhr
14.05.2012

Formel 1 am Harztor

Formel 1 der Rennmotorsportzirkus in Niedersachswerfen bei Nordhausen? Nein! Kein Sebastian Vettel, Michael Schumacher oder gar ein F1 Rennstall ist aus dem Südharz. Es gab und gibt keine solche Motorsportveranstaltung am Harztor bei Nordhausen. Eine Geschichte in der nnz von Tim Schäfer...

Formel 1 in NSW (Foto: privat) Formel 1 in NSW (Foto: privat)

Aber es gab eine denkwürdige Premiere & Episode ostdeutscher Rockmusik. Diese vor dem Hintergrund der sich zu Ende neigenden Geschichte der DDR mit Formel 1, einer Rockband aus Berlin, ehemals Hauptstadt der DDR. Die 80-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts sind teils über 30 Jahre Geschichte. Die prägte sich auch für die Freunde der Rockmusik in Behinderung vor dem Hintergrund von vielfältiger Zensur und Beeinflussung, im Sinne der sogenannten sozialistischen Kultur und Moral. Geführt vom Willen einer anonymen Arbeiterklasse und Ihrer politischen, sozialistischen Elite der DDR oder eher denen, die sich dafür hielten.

Betriebs- und Dorffestspiele, stabsmäßig gut durchorganisiert, betreut vor allem auch durch die ortsansässigen Betriebe, Gipswerk (Leuna-Werke) oder Kältetechnik, fanden jährlich mit großem Aufwand statt. Und die hatten eine Veranstaltung am freitäglichen Abend für die Jungend. Ein geplantes Freiluftevent, mit Rockmusik aus Ostdeutschland, legendär. Und dies einmal in einer Premiere, einem Konzert der Rockband Formel 1 auf der Freilichtbühne am Festgelände Sportplatz.

Die Rockformation Formel I war eine der bekanntesten Bands (Heavy Metal, Cover, Deutschrock) in der ehemaligen DDR1). Sie wurde am 1. Januar 1981 in Ost-Berlin gegründet. Typischerweise wurden eigene Stücke in vorwiegend deutschen Texten verfasst, mit speziell einem Schuss Berliner Dialekt. Doch auch Stücke von Iron Maiden (GB) wurden öffentlich aufgeführt und aus vielen Kehlen mitgesungen, naja, mitunter eher bier-seelig mitgegrölt.

„Niedersachswerfen war eines der besten Konzerte die Formel 1 jemals gegeben hat, fast eine der ersten open air Veranstaltungen mit neuem Programm und mit Höhle! Unvergesslich!! Und mit viel Nebel dank mc Alpe! Und anschließend eine der schönsten Nacht Rückfahrten über den Harz, bergauf so ca mit Schritttempo! …Und Montag musste bei Günther wieder die Kopfdichtung gewechselt werden. Im Jahr darauf Regen und sollte im Saal (heute der Handwagen, damals Haus des Volkes, d.A.) sein, ist aber aus welchen Gründen auch immer dann ausgefallen. Übrigens gibt es von dem Konzert auch einige Bilder, in Farbe. Weil kurz danach ließen se uns ja nich mehr“... 2)

Und dies kurz vor dem Sperrgebiet (Grenznähe zur BRD)! Was für ein sicherheitspolitisches Risiko! Man stelle sich nur vor, wie seinerzeit der legendäre Verleger Axel Springer es in Berlin zeigte, West Beat und die FDJ-ler aus dem Osten des Gänsefüßchenlandes „DDR“ gehen ab, wie auf einer mit Minol Getriebeöl geschmierten Bunaplastik.

Bekannt war die Band sehr, Texte von Stücken wie „Fußballfan“ oder „Wär mein Leben programmierbar“ konnten auch sonst oft gehört werden. In „Weg nach oben“ beschreibt die Band ihre Erfolgsgeschichte. Im Jahre 1985 konnte die Band eine Single beim DDR-Label Amiga aufnehmen und ein Jahr später ihre LP im Stahlwerk Hennigsdorf. Viele Liveauftritte der Band mit aufwändiger innovativer Bühnenshow waren auch durch einen neuen Stil äußerst beliebt.

Das Jahr 1985 brachte der Band auch eine erneute Teilnahme an "Rock für den Frieden" und einen zweiten Live-Mittschnitt des DDR-Rundfunks. Gerade in Sachen Bühnenpräsenz setzte FORMEL 1 in der DDR Maßstäbe, indem für die 85/86er Tour eine Bühnendekoration in Gestalt einer Tropfsteinhöhle eingesetzt wurde, die auch in Niedersachswerfen aufgebaut wurde.

Die Musik war der Zeit voraus, kraftvoll und schnell, wie die Titel „Kreuzritter“ und „Hart wie Stahl“ beweisen. Doch schon 1987 löste sich die Band wieder auf. Bandmitglieder waren wohl offenbar müde ob der erfahrenen Beeinflussung, mehrere Bandmitglieder stellten einen Ausreiseantrag (zum Verlassen der DDR,-d. A.).
Tim Schäfer
siehe Götz Hintze: Rocklexikon der DDR. Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 1999,
ISBN 3-89602-303-9
per Mail an den Autor
Foto, Quelle: Der Edelrocker.
Autor: nnz

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