Mi, 10:27 Uhr
25.04.2012
nnz-Forum: Temporäre Verunsicherung
Man stelle sich vor, eine Reise zu einer Behörde nach Darmstadt liegt an. Zur Vorbereitung einer solchen Fahrt in die rund 320 km entfernte hessische Stadt gehört unter anderem auch das Tanken. Ein Erlebnisbericht von nnz-Leser Manfred Handke...
Diesel war in Nordhausen am Dienstagmorgen für 1,549 Euro zu haben. Die Fahrt verlief ganz angenehm außer dass wie immer gefühlte Millionen Andere auch unterwegs waren. Am Zielpunkt angekommen, begegnete mir eine Vielzahl von scheinbar ausgeglichenen und ungestressten Mitarbeitern. Mein Anliegen wurde sehr freundlich und zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigt. Aber trotzdem erschien mir hier so Vieles ganz anders als von zu Hause in Nordthüringen gewohnt.
Noch mehr Verwirrung bereitete mir der Dieselpreis in Darmstadt – 1,449 Euro. Sage und schreibe 10 Cent billiger als bei uns in Nordhausen. Einen solchen Preis hatte ich das letzte Mal im Januar bei uns bezahlt. Meine Gedanken begannen zu kreisen. Es musste so sein, irgendetwas konnte hier nicht stimmen. Hatte ich unbemerkt eine kleine Zeitreise unternommen?
Nun war mir aus wissenschaftlichen Sendungen bekann das angeblich die Zeit schneller vergeht je schneller man sich auf die Sonne zu bewegt. Aber ich war doch morgens Richtung Westen, also von der aufgehenden Sonne weg gefahren. Und außerdem, so schnell um Grenzwerte der Physik zu erreichen, fährt mein Peugeot-Transporter nun wirklich nicht. Im Gegensatz von der in Darmstadt stehen gebliebenen Zeit in Bezug auf die Dieselpreise, war die Vegetation wesentlich weiter entwickelt. Kastanien und Raps standen schon in voller Blüte.
Anbetracht meiner zeitgefühlsmäßigen Verwirrungen begab ich mich wieder auf die Heimfahrt. Vorbei am Airport Frankfurt, am Herkules in Kassel, durch den
Höllbergtunnel und vorbei an der ersten Tankstelle im Nordthüringer Raum. Und da hatte ich ihn wieder, den mir bekannten Dieselpreis von 1,549 Euro am Ortseingang von Nordhausen. Nur einen Cent weniger als am Morgen.
Meine Verwirrung war unbegründet. Und im Gegenteil, ich konnte mir bewusst sein. Die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West hatten sich innerhalb von 10 Stunden um einen Cent bewegt. Bloß zu welchen Gunsten und in welche Richtung habe ich nicht verstanden.
Manfred Handke, Werther
Autor: nnzDiesel war in Nordhausen am Dienstagmorgen für 1,549 Euro zu haben. Die Fahrt verlief ganz angenehm außer dass wie immer gefühlte Millionen Andere auch unterwegs waren. Am Zielpunkt angekommen, begegnete mir eine Vielzahl von scheinbar ausgeglichenen und ungestressten Mitarbeitern. Mein Anliegen wurde sehr freundlich und zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigt. Aber trotzdem erschien mir hier so Vieles ganz anders als von zu Hause in Nordthüringen gewohnt.
Noch mehr Verwirrung bereitete mir der Dieselpreis in Darmstadt – 1,449 Euro. Sage und schreibe 10 Cent billiger als bei uns in Nordhausen. Einen solchen Preis hatte ich das letzte Mal im Januar bei uns bezahlt. Meine Gedanken begannen zu kreisen. Es musste so sein, irgendetwas konnte hier nicht stimmen. Hatte ich unbemerkt eine kleine Zeitreise unternommen?
Nun war mir aus wissenschaftlichen Sendungen bekann das angeblich die Zeit schneller vergeht je schneller man sich auf die Sonne zu bewegt. Aber ich war doch morgens Richtung Westen, also von der aufgehenden Sonne weg gefahren. Und außerdem, so schnell um Grenzwerte der Physik zu erreichen, fährt mein Peugeot-Transporter nun wirklich nicht. Im Gegensatz von der in Darmstadt stehen gebliebenen Zeit in Bezug auf die Dieselpreise, war die Vegetation wesentlich weiter entwickelt. Kastanien und Raps standen schon in voller Blüte.
Anbetracht meiner zeitgefühlsmäßigen Verwirrungen begab ich mich wieder auf die Heimfahrt. Vorbei am Airport Frankfurt, am Herkules in Kassel, durch den
Höllbergtunnel und vorbei an der ersten Tankstelle im Nordthüringer Raum. Und da hatte ich ihn wieder, den mir bekannten Dieselpreis von 1,549 Euro am Ortseingang von Nordhausen. Nur einen Cent weniger als am Morgen.
Meine Verwirrung war unbegründet. Und im Gegenteil, ich konnte mir bewusst sein. Die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West hatten sich innerhalb von 10 Stunden um einen Cent bewegt. Bloß zu welchen Gunsten und in welche Richtung habe ich nicht verstanden.
Manfred Handke, Werther
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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