Di, 07:11 Uhr
24.04.2012
Orchideen leiden
Der von vielen wissenschaftlichen Studien auch für unsere Region nachweisbare menschgemachte Klimawandel dürfte auch zu der engen Folge äußerst trockener Frühjahre und teilweise auch der Sommer in den Jahren 2007, 2009, 2011 und nun auch 2012 (bisheriges Frühjahr) in unserer Region und weiten Teilen Ostdeutschlands geführt haben...
Klimaforscher stellen diese Häufung in einen Zusammenhang mit dem ungebremsten Ausstoß von Treibhausgasen. Seit Jahren beobachte ich unter anderem die Enflüsse dieser Extremereignisse auf unsere heimische Flora. Beobachtet werden konnte u.a., dass mehrere Orchideenarten unserer Halbtrockenrasen zu Kümmerwuchs, ganz ausfallender Entwicklung bzw. Blüte (Fruchtbildung und Nekrosen (Vertrocknungserscheinungen) neigen. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Totalausfälle der Blüte, so z.B. an Standorten des Spätblühenden Brand-Knabenkrauts.
Erstmals scheint es nun auch deutliche Auswirkungen auf das Blasse Knabenkraut an zwei individuenreichen Standorten des Landkreises Nordhausen zu geben. Bisher konnte ich an beiden keine Blüten entdecken. Im letzten feuchten Frühjahr 2010 waren es insgesamt mehrere Hundert blühende Pflanzen! Schon 2011 aber waren die Pflanzen schmächtig und weniger zahlreich. Die obersten, leicht scheidigen Blätter, in denen sich normalerweise der knospende Blütenstand befindet, ist bei allen von mir untersuchten Pflanzen leer. Die Individuen an einem der beiden Standorte sind 2012 dermaßen schmächtig, dass sie offenbar vielfach gar nicht mehr zur Blütenbildung in der Lage waren (Fotos). Die Fotos zeigen Orchis pallens 2012 mit Kümmerwuchs infolge Trockenheit und eventuell auch Winterkälte, abgefressene Pflanzen durch Beweidung zur Blütezeit und blühende Exemplare aus dem Jahre 2010.
Dort aber kommt noch ein weiterer schwerwiegender Faktor hinzu: Während in manchen Jahren überhaupt keine Beweidung zur Pflege des Biotops festgestellt werden konnte, erfolgte nun ausgerechnet zur Entwicklungszeit des Blassen Knabenkrautes Schafhutung. Das beweist die zerstreut herumliegende frische Losung.
An zahlreichen Orchideenpflanzen sind Blätter und möglicherweise doch auch einzelne sich entwickelnde Blütenstände abgefressen worden. Kommen die immer gravierenderen Einflüsse des Klimawandels und derartige Stressoren wie Beweidung zum falschen Zeitpunkt zussammen, dürfte das für die Erhaltung des betreffenden Bestandes nicht günstig sein.
Die UNB und der BUND bemühen sich unter oft schwierigen Ausgangsbedingungen um eine schonende Landschaftspflege. Wer auch immer diese Beweidung zur Entwicklungszeit des Blassen Knabenkrautes durchgeführt hat: Er sollte befragt und gegebenenfalls zur Verantwortung gezogen werden. Denn laut Naturschutzgesetzgebung ist die Beschädigung geschützter Arten grundsätzlich verboten.
Noch eine Erläuterung: Unsere heimischen Orchideen sind größtenteils subozeanisch verbreitet. Das heißt, dass sie an ausgeglichene Niederschlagsverhältnisse angeppasst sind. Gerade im Frühjahr benötigen sie für ihre Entwicklung von Laub und Blüten Feuchtigkeit.
Das Blasse Knabenkraut benötigt eine besonders schonende, eher seltene Beweidung auf seinen Wiesenstandorten und ist sehr trittemfindlich. Die zunehmende Trockenheit während der Vegationszeit wird zu einem immer größeren Problem für zahlreiche Pflanzenarten. Wissenschaftler beobachten weltweit z.T. massive Artenverluste.
So wichtig, wie die Entbuschung unserer Halbtrockenrasen auch ist, angesichts des Klimawandels sollten einzelne Sträucher als kleine Feuchteinseln stehen bleiben. Die notwendige Beweidung sollte andererseits nicht zum Verdrängen schutzwürdiiger Arten führen und entsprechend abgestimmt werden. Die Beobachtungen zeigen, dass sich die Orchideen im Umfeld größerer Sträucher auch in Trockenjahren noch etwas kräftiger entwickeln.
Die zunehmenden Temperaturen jedoch könnten perspektivisch alle Schutzbemühungen zerstören. Erschreckend sind nicht einzelne Trockenjahre sondern deren seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie dagewesene Häufung.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzKlimaforscher stellen diese Häufung in einen Zusammenhang mit dem ungebremsten Ausstoß von Treibhausgasen. Seit Jahren beobachte ich unter anderem die Enflüsse dieser Extremereignisse auf unsere heimische Flora. Beobachtet werden konnte u.a., dass mehrere Orchideenarten unserer Halbtrockenrasen zu Kümmerwuchs, ganz ausfallender Entwicklung bzw. Blüte (Fruchtbildung und Nekrosen (Vertrocknungserscheinungen) neigen. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Totalausfälle der Blüte, so z.B. an Standorten des Spätblühenden Brand-Knabenkrauts.
Erstmals scheint es nun auch deutliche Auswirkungen auf das Blasse Knabenkraut an zwei individuenreichen Standorten des Landkreises Nordhausen zu geben. Bisher konnte ich an beiden keine Blüten entdecken. Im letzten feuchten Frühjahr 2010 waren es insgesamt mehrere Hundert blühende Pflanzen! Schon 2011 aber waren die Pflanzen schmächtig und weniger zahlreich. Die obersten, leicht scheidigen Blätter, in denen sich normalerweise der knospende Blütenstand befindet, ist bei allen von mir untersuchten Pflanzen leer. Die Individuen an einem der beiden Standorte sind 2012 dermaßen schmächtig, dass sie offenbar vielfach gar nicht mehr zur Blütenbildung in der Lage waren (Fotos). Die Fotos zeigen Orchis pallens 2012 mit Kümmerwuchs infolge Trockenheit und eventuell auch Winterkälte, abgefressene Pflanzen durch Beweidung zur Blütezeit und blühende Exemplare aus dem Jahre 2010.
Dort aber kommt noch ein weiterer schwerwiegender Faktor hinzu: Während in manchen Jahren überhaupt keine Beweidung zur Pflege des Biotops festgestellt werden konnte, erfolgte nun ausgerechnet zur Entwicklungszeit des Blassen Knabenkrautes Schafhutung. Das beweist die zerstreut herumliegende frische Losung.
An zahlreichen Orchideenpflanzen sind Blätter und möglicherweise doch auch einzelne sich entwickelnde Blütenstände abgefressen worden. Kommen die immer gravierenderen Einflüsse des Klimawandels und derartige Stressoren wie Beweidung zum falschen Zeitpunkt zussammen, dürfte das für die Erhaltung des betreffenden Bestandes nicht günstig sein.
Die UNB und der BUND bemühen sich unter oft schwierigen Ausgangsbedingungen um eine schonende Landschaftspflege. Wer auch immer diese Beweidung zur Entwicklungszeit des Blassen Knabenkrautes durchgeführt hat: Er sollte befragt und gegebenenfalls zur Verantwortung gezogen werden. Denn laut Naturschutzgesetzgebung ist die Beschädigung geschützter Arten grundsätzlich verboten.
Noch eine Erläuterung: Unsere heimischen Orchideen sind größtenteils subozeanisch verbreitet. Das heißt, dass sie an ausgeglichene Niederschlagsverhältnisse angeppasst sind. Gerade im Frühjahr benötigen sie für ihre Entwicklung von Laub und Blüten Feuchtigkeit.
Das Blasse Knabenkraut benötigt eine besonders schonende, eher seltene Beweidung auf seinen Wiesenstandorten und ist sehr trittemfindlich. Die zunehmende Trockenheit während der Vegationszeit wird zu einem immer größeren Problem für zahlreiche Pflanzenarten. Wissenschaftler beobachten weltweit z.T. massive Artenverluste.
So wichtig, wie die Entbuschung unserer Halbtrockenrasen auch ist, angesichts des Klimawandels sollten einzelne Sträucher als kleine Feuchteinseln stehen bleiben. Die notwendige Beweidung sollte andererseits nicht zum Verdrängen schutzwürdiiger Arten führen und entsprechend abgestimmt werden. Die Beobachtungen zeigen, dass sich die Orchideen im Umfeld größerer Sträucher auch in Trockenjahren noch etwas kräftiger entwickeln.
Die zunehmenden Temperaturen jedoch könnten perspektivisch alle Schutzbemühungen zerstören. Erschreckend sind nicht einzelne Trockenjahre sondern deren seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie dagewesene Häufung.
Bodo Schwarzberg








