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Mo, 14:38 Uhr
23.04.2012

nnz-Forum: Bewegende Stunden

Ganz im Zeichen der Ehrung der über 20 000 Opfer des ehemaligen KZ Mittelbau-Dora und seinen vielen Außenlagern standen die Veranstaltungen in den letzten Tagen. Besonders wurde einer Opfergruppe des Holocaust gedacht, die hier im Südharz mit über 5 500 Häftlingen zur Zwangsarbeit getrieben wurde. Dazu Anmerkungen eines Lesers der nnz...


Das waren fast die Hälfte derer, die Anfang August 1944 Liquidierung des Familienlagers Auschwitz-Birkenau als arbeits und transportfähig selektiert wurden. Bis in die achtziger Jahre wurde die Vernichtung der Sinti und Roma sowohl in der deutschen Öffentlichkeitals auch weltweit verschwiegen, oder es wurde ein verlogenes Bild davon präsentiert.

Erst 1982 erklärte der deutsche BundeskanzlerHelmut Schmidt, dass für die Vernichtung der Sinti und Roma, wie auch für den Holocaust an den Juden, die Deutschen verantwortlich sind, in einer offiziellen Erklärung der Regierung feststellte, die nationalsozialistische Diktatur führte zu schweren Verbrechen gegen die Sinti und Roma. Sie wurden aus rassistischen Gründen verfolgt. Diese Verbrechen sind als Völkermord zu betrachten.

So kamen auf Befehl von Heinrich Himmlers ab Dezember 1942 alle Sinti und Roma aus Deutschland und den besetzten Ländern in das KZ Auschwitz-Birkenau. Anfang August 1944 wurde das Familienlager aufgelöst. Fast alle Insassen wurden vergast und die arbeitsfähigen männlichen Personen ins Innere Deutschlands zur Zwangsarbeit gebracht. Über die Hälfte davon nach Mittelbau-DORA, Ellrich, Harzungen, Osterode, Rottleberode und andere Lager.

Einer der Überlebenden, der damals siebenjährige Zoni Weisz sprach zu uns. Aufgewachsen in einer glücklichen Familie in Holland, die ein gutes Einkommen hatte. Der Vater war Musiker und Instrumentenbauer und sorgte für seine Angehörigen. Dann unterbrach der Redner seine Worte und stellte allen mahnend die Fragen.

„Wie hat es dazu kommen können? Warum haben so viele Deutsche weggeschaut, wurden Mitläufer und Mitschuldige? Was haben wir als kleine Minderheit die seit Jahrzehnten geächtet wird, regelmäßig Pogrome erlebt und auch in diesen Tagen in vielen Ländern Europas unwürdig behandelt werden eigentlich böses getan?“

Sie haben Sinti und Roma in Rumänien und Bulgarien kaum Arbeit, sind ohne gesicherte medizinische Betreuung und haben eine geringere Lebenserwartung als andere Bürger. Rechtskräfte in Ungarn, in Nazikleidung, hetzen schon wieder gegen Mitglieder unseres Volkes und treiben sie außer Landes. In Westeuropa aber erleben viele wieder die diskriminierende Ghettorisierung.

Erinnert nicht vieles an vergangene geglaubte Zeiten? Wenn auch später beginnend als in Deutschland begannen die Nazis auch in Holland nach bewährten Schema identifizieren, isolieren, berauben, ausbeuten und deportieren. Schließlich der Massenmord, hochorganisiert, brutal industrialisiert.

Der 16. Mai 1944, so der Redner, war für viele Familien im Land der schlimmste Tag ihres Lebens. Auf der Grundlage gemein ausgeklügelter Rassengesetze erfolgte jetzt die rassistische Verfolgung. Die Razzia erfasste die ganze Familie, nur der Junge Zoni konnte sich verstecken und wurde von einer Tante betreut. In ergreifenden Worten beschrieb er uns seine Angst die zutiefst begründet war. Aber auch er wurde gegriffen und zu seiner Familie in das berüchtigte Sammel- und Durchgangslager Westerbork gebracht.

Einige Tage später sollten sie alle verladen werden, Transportziel Auschwitz. Er konnte keinen retten. Widerrum konnte er aber mit Hilfe eines verständnisvollen Polizisten entkommen. Er sah seine Angehörigen zum letzten Mal. Jetzt allein als Kind und von einen Versteck in das andere getrieben, erlebte er 1945 die Befreiung in einem Wald. Befreiung?

Dann die bittere Nachricht: Alle 21 Familienmitglieder ermordet. Mutter, Schwestern und Tanten in Auschwitz vergast. Vater, Bruder, Onkels und Neffen zur Zwangsarbeit nach Mittelbau-DORA und andere Lagern. Ermordet, infolge Vernichtung durch Arbeit, wie es seinen Vater in Ellrich erging, der am 13. November 1944 hier umkam.

Manch einen von uns Zuhörern stellte sich die Frage. Wie mag es den 75 jährigen heute zumute sein, hier an diesem Ort, den Friedhof seiner Angehörigen, so ruhig und warnend zu sprechen.. Die zweite und dritte Generation, so seine Worte, leiden noch darunter was uns angetan wurde.

Völkermord ja „Ein vergessener Holocaust?“ Über eine halbe Millionen Kinder, Frauen und Männer ermordet. Was wurde daraus gelernt? Was erwarte ich von Ihnen? Meine Pflicht, so Herr Weisz, ist es.“ Alles zu tun, dass so etwas nie vergessen wird!“

Ergriffen von seinen Ausführungen betonte die Thüringer Landtagspräsidentin Frau Birgit Dietzel: „Viel zu spät haben wir uns mit dem Leiden dieser Personen beschäftigt und es ist doch unsere Aufgabe die gleichen Rechte und Pflichten für Minderheiten zu garantieren und nie zuzulassen, dass in Deutschland Menschenrechte mit Füßen getreten werden.“

Noch lange klingen die abschließenden Worte von Herrn Zoni Weisz in uns nach. „Ich werde weiter machen und erhebe meine Stimme für meine ermordete Familie, für ein besseres Europa, für eine bessere Welt für unsere Kinder. Unsere Lieben sollen nicht umsonst gestorben sein.“

Gemeinsam gingen wir dann sehr nachdenklich in die Ausstellung „ Von Auschwitz in den Harz – Sinti und Roma im KZ Mittelbau-DORA, “ die noch bis Ende August geöffnet hat und in der auch Nordhäuser Sinti, mit ihrem Lebens und Leidensweg vorgestellt werden. Im wahrsten Sinne, der Holocaust vor unsere Haustür.
Reinhard Gündel
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
H.Buntfuß
25.04.2012, 09:21 Uhr
Bewegende Stunden
man wundert sich, dass der nationalsozialismus solche blüten treiben kann, aber ist das ein wunder? die bundesregierung hat sich 1982 erst dazu überwunden muss man schon sagen, zuzugeben das die deutschen für den holocaust an juden, sinti und roma verantwortlich sind.

es ist eine schande für deutschland. weiter muss sehen, wie viele altnazis unter adenauer und auch später noch in hohen ämtern saßen. auch heute noch vergreifen sich politiker und persönlichkeiten im ton.

so zum beispiel heiner geißler, der in stuttgart die demonstranten fragte, ob sie den totalen krieg wollten. hinterher ließ er verlauten, er habe nicht gewusst woher dieser ausspruch stammt.

jeder eigener maßen gebildeter mensch weiß, von wem dieser satz stammt, nur politiker nicht,sehr seltsam, die tun doch sonst immer so neun mal klug. in diesen sinne sei auch noch martin delius und lars von trier genannt.
98maschr
25.04.2012, 10:25 Uhr
Böse BRD
Und in der DDR gabs keine Altnazis? Da isse wieder die Mär' die die SED durch Propaganda in den Köpfen vieler gepflanzt hat^^
Harzer_Wolf
25.04.2012, 11:07 Uhr
Die gab es sicher auch
in der DDR, @ 98maschr. Deshalb behauptet ja auch jeder Politiker, der ungefragt danach antwortet, das die DDR ein Unrechtsstaat war. Das die Nazis in der DDR in den höchsten Regierungskreisen saßen ist mir aber trotzdem neu. Soviel Politiker hatte die DDR garnicht, soviel wie Alt-Nazis in der BRD in den höchsten politischen Kreisen hofiert wurden. Aber das wird ja auch in den Schulen nicht mehr gelehrt. Unter den Tisch gekehrt und aus die Maus. Und Peter Lustig weiß davon auch nichts mehr.
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