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Fr, 09:09 Uhr
17.10.2003

nnz lesen verdirbt den Charakter!?

Nordhausen (nnz). Das WWW ein riesiges Netz, wo sich selbst Computerexperten kaum zurechtfinden. Auf verschlungenen Wegen kommt man schneller auf eine Schundseite als man wegklicken kann. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Wie soll da ein Kind zurechtkommen? Antworten gab's gestern von Buchautor Thomas Feibel.


VortragVerbieten macht geil, zum Beispiel auf Counterstrike, ein Computerspiel, was nach dem Amoklauf des Erfurter Schülers Robert S. in den Medien und bei Politikern in Verruf geriet. Man erwog das Spiel zu indizieren, da es zu tödlicher Gewalt animiere und Kinder die Realität nicht vom Geflimmer auf dem Monitor unterscheiden könnten. Alles Quatsch, meint "Die Internet Generation" Autor Thomas Feibel. Er führte das Beispiel der US Army an, die ein Counterstrike ähnliches Spiel zur Werbung von Rekruten nutzt. Wer bei den Wettkämpfen im Netz gut ist, wird von der Army angeschrieben und soll dann live töten, im Irak oder den anderen Brennpunkten der Welt. Feibel fragte Kinder, ob sie darauf auch Bock hätten. Nein, das wollten sie nicht, da könnte ja echt jemand sterben, im Ernstfall auch sie selbst.

Kinder und Jugendliche seien nicht so blöd, wie Erwachsene sie gern machen würden. Sie kapieren was real ist und was bloß ein Spiel. Wer hat nicht als Kind Indianer gespielt oder Pirat, das war auch nur Phantasie. Niemals wären Erwachsene hier auf die Idee gekommen, daß das Kind plötzlich meint wirklich Indianer oder Pirat zu sein.

Da Erwachsene konfliktscheu sind, vermeiden sie es Kindern gegenüber klare Ansagen zu machen. Sie trauen sich deshalb nicht unliebsame Themen wie Fernsehen oder Computer anzusprechen, weil es ja Krach geben könnte. Prima rausreden können sich Eltern dann mit: " Wir haben von dem technischen Zeug nicht so viel Ahnung wie du." Dann sollten sie sich die verschaffen.

Eigentlich wissen die jungen Leute aber gar nicht so viel über Computer. Gut, sie können e-mail verschicken, chatten, Musik downloaden oder Cheat Codes für Spiele. Wie das Netz funktioniert, das haben die wenigsten kapiert, egal welches Alter sie haben. Wenn man die leider nicht sehr zahlreich erschienenen erwachsenen Zuhörer fragt, dann erschrickt man, wie wenig die Lehrer und Erzieher wissen. Die können vielleicht ein Word Dokument öffnen oder eine Excell Tabelle erstellen, aber was eine IP Adresse oder wie sinnvoll eine Firewall ist, da waren sie überfragt. Auch bei den für Jugendliche interessanten Seiten und Spielen fehlte ihnen nahezu jeder Durchblick. Aber wegsehen und rausreden ist nun wirklich das Letzte, was Jugend vor schädlichen Produkten schützen kann. Wer hingegen weiß, was es gibt, der kann Partner sein für eine Generation, die ganz natürlich mit modernen Medien aufwächst.

Das Internet selbst ist nicht schuld, wenn Schüler Amok laufen. Aber es ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Ein Beispiel: Angeblich schaut niemand Pöbeltalkshows im Privat TV, aber überall läuft derartiges. Einfach unerklärlich?! Im Netz ist das nicht anders, es gibt nur Inhalte, die gefragt sind, schon wegen der Online Werbung.

Eltern könnten die Erziehung der Kinder nicht auf Filterprogramme abwälzen, die den Nachwuchs angeblich vor zweifelhaften Seiten schützen, erklärt Thomas Feibel. Sie sollten vielmehr das Gespräch mit den Mädchen und Jungen suchen und ihnen behilflich sein, sich in der riesigen Datenwelt zurechtzufinden. Ganz klar abgemacht wird, das Kind muß den Eltern Bescheid sagen, wenn es in Netz etwas komisch findet, wenn es obszön angemacht wird oder einfach wenn Gesprächsbedarf da ist. Es gibt leider viele Spinner, welche die scheinbare Anonymität ausnutzen und sich an junge Menschen heranmachen. Aus dem Grund sollten die auch nie ihren Namen und ihre Adresse oder Telefonnummer angeben.

Noch ein paar statistische Daten, für alle, die nur den objektiven Zahlen glauben. 52,5 % aller Computerspiele wurden 2001 ohne Altersbeschränkung verkauft. Nur 2,4 % waren nicht für Menschen unter 18 geeignet. Und nur 16,9 % aller Käufer sind unter 15 Jahre alt. Klingt prima, ist es aber nicht. Haben Sie einen CD-Brenner? Kann ihr Nachwuchs damit eventuell umgehen? Ganz bestimmt kann er das, und da wissen Sie auch wie schnell hier neue Beschaffungswege entstehen. Und was man nicht in der Schule tauschen kann, das läßt sich im Internet immer noch runterladen.

Verbieten bringt nichts, aber mal gemeinsam surfen oder spielen und sich darüber austauschen, warum eine Seite oder ein Spiel toll sind, das gibt den Kindern die Möglichkeit das Erlebte einzuordnen und zu bewerten. Man darf dann ruhig kritisch feststellen, daß manches vielleicht gar nicht so klasse ist und man es nur nutzt, weil es halt in ist.

Ob nnz lesen nun wirklich den Charakter verdirbt, das müssen Sie selbst herausfinden. Aber eigentlich bedeutet Wissen Macht, und nichts wissen macht ´ne ganze Menge. Mehr Infos aus der Region gibt´s in gewohnter Qualität bei uns, mehr über die Arbeit von Thomas Feibel gibt´s hier.
Autor: wf

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