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Mo, 06:31 Uhr
30.01.2012

nnz-Forum: Kennen Sie Borlaug?

Im vergangenen Jahr hatte nnz-Leser Thomas Fichtner in einer Sitzung des Stadtrates die Frage geäußert, ob künftig der Name Borlaug bei der Benennung von Straßen berücksichtigt werden könnte. Jetzt folgt im Forum der nnz seine Begründung...


Borlaug (Foto: privat/Autor) Borlaug (Foto: privat/Autor) Borlaug, nein das ist kein neues Trendgemüse. Borlaug, genauer Norman Ernest Borlaug (geborgen am 25. März 1914 in Cresco, Iowa, gestorben am 12. September 2009 im Alter von 95 Jahren in Dallas, Texas), war ein amerikanischer Agrarwissenschaftler, der für seine Bestrebungen und Arbeiten zur Verbesserung der Landwirtschaft 1970 den Friedensnobelpreis erhielt.

Sein Lebenswerk widmete dieser kaum bekannte Mann der Entwicklung mehrerer Weizenhochleistungssorten, sowie etliche Mais- und Bohnensorten. Besonders bekannt wurde der ertragsstarke Mexikoweizen, dem ein Gen zum „Zwergwuchs“ einer japanischen Sorte eingezüchtet wurde. Dieser Weizen kann aufgrund seines kurzen und kompakten Halms die schwere Ähre tragen, ohne abzuknicken. Vor allem in Indien, wo dieser Weizen seit 1962 angebaut wird, konnten die Erträge in zehn Jahren auf fast das Dreifache gesteigert werden. Ähnliche Erfolge konnten in China durch verbesserten Reis erzielt werden, wo man mit Borlaugs Zuchtmethoden bald Reissorten kreierte, die schon bald nahezu die Hälfte der Menschheit ernährten. Mit seinen Bemühungen gilt Borlaug heute als wesentlicher Initiator der so genannten Grünen Revolution in den Entwicklungsländern, die seit dem mehrere hundert Millionen Menschen vor dem Hungertod bewahrte. Eine Zahl die sich mit jeden Tag weiter erhöht.

Der Begriff der ebenfalls fast vergessen Grünen Revolution stammt dabei aus einer Zeit, als Grün nur für die Landwirtschaft und noch nicht für eine politische Richtung stand. Als revolutionär wurden in den 60er- und 70er-Jahren die bahnbrechenden Erfolge der Agrarwissenschaft bezeichnet, die dazu führten, dass es immer weniger Hungersnöte auf der Welt gab und bald darauf eigentlich genug Getreide für die gesamte Menschheit geerntet werden konnte. Ein Erfolg, der bis heute trotz des rasanten Bevölkerungswachstums anhält. Denn, darin sind sich alle Experten einig, die Ursache der Hungerkatastrophen neuerer Zeit liegt nicht in mangelnder Nahrung. Sie sind – wie in der sudanesischen Provinz Darfur, Somalia oder vielleicht auch bald Ägypten – politische Desaster, ausgelöst durch Kriege, jahrzehntelange Misswirtschaft oder diktatorische Regime, die unliebsame Bevölkerungsgruppen gezielt aushungern wollen.

Doch zurück zu Norman Borlaug.
Durch die Anwendung seiner Arbeit wurde allein in Indien etwa 400.000 km² (Fläche Deutschlands: 357.111 km²) Natur davor bewahrt, durch Rodung oder Umgestaltung, zur Deckung der Nahrungs-produktion in Ackerland verwandelt werden zu müssen. Die Verwendung seiner besonderen Getreidearten, hatte auch nachhaltigen und umfangreichen Einfluss auf sechs lateinamerikanische Länder, mehrere im Nahen und Mittleren Osten, sowie in Afrika.

Zusammen mit Alexander Fleming (Entdecker des Penicillin), Robert Koch und Louis Pasteur zählt er daher zu jenen, die mit ihrem Engagement das Leben für die Menschheit nachhaltig verbessert haben. Und wie jene, sollte man ihn gebührend ehren. Diese Leistungen sollten, meines Erachtens, unbedingt im Schulunterricht thematisiert werden und so sein Name nicht länger der breiten Masse unbekannt bleiben.

Nordhausen, als Stadt deren Geschichte mit der des Getreides eng verbunden ist, sei es durch die Goldenen Aue, den Branntwein, dem Bau von Traktoren für die Landwirtschaft, der ehemaligen Landtechnik (heute FH-Nordhausen) und der früheren Saatzucht, stünde es gut diesen bedeutenden Mann, z.B. mit einem Straßen- oder Platznamen zu bedenken, um damit ihn und sein Vermächtnis zu ehren und so zu zeigen, dass auch das Engagement Einzelner, mit Visionen und Ausdauer, große Verbesserungen für die gesamte Menschheit bringen kann - sei es auch nur der Sohn eines einfachen Farmers aus Iowa.

Um dies anzustoßen, habe ich bereits im letzten Jahr - bei einer Einwohnerfragestunde im Rahmen einer Stadtratssitzung - den Vorschlag eingebracht zu prüfen, ob man bei der Vergabe zukünftiger Straßen- bzw. Gebäudenamen in Nordhausen, jenen von Normen Borlaug vielleicht berücksichtigen könnte und möchte auf diesem Wege die Nordhäuser Bürger um Unterstützung dafür bitten, sowie generell über den durch dieses Lebenswerk geleisteten Beitrag, dieses bisher eher unbekannten Mannes, ein wenig aufklären.


Mit freundlichen Grüßen



Thomas Fichtner
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Flitzpiepe
30.01.2012, 10:03 Uhr
Ich denke
dass Sie da bei der Stadt auf taube Ohren stoßen. Sie bringt es ja noch nicht mal fertig, wenn sie einen Mann wie Förstemann ehren will, eine Schule nach ihm zu benennen. Nein, sie benennt die ehemalige Grundschule Ost nach einem Weg...

Ich habe auch schon Vorschläge bei der Stadt zu Namensvergabe für einen bekannten Nordhäuser Maler gemacht. Keine Reaktion.
Wenn ich das richtig gelesen habe, hat Herr Borlaug keinen Bezug zu Nordhausen, da würde es mich echt wundern, wenn sie darauf reagieren sollte.
abc123
30.01.2012, 16:50 Uhr
Herr Fichtner,
um die Eingangsfrage Ihres Artikels zu beantworten: Nein, ich kannte Herrn Borlaug bisher nicht. Ich bedanke mich daher für Ihren Artikel, es war interessant, etwas über diesen Herrn zu lesen.

Zum Thema Straßennamen: Ich persönlich bin generell dagegen, dass man Straßen oder Plätzen den Namen von Personen gibt, die keinen direkten Bezug zur Stadt Nordhausen haben/hatten. Dieses Privileg sollte Personen vorbehalten bleiben, die sich in besonderem Maße um unsere Stadt verdient gemacht haben.
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