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So, 09:10 Uhr
05.10.2003

Gekickt und gesprochen

Nordhausen (nnz). Interkulturell ging es am zurückliegenden Wochenende in Nordhausen. Neben vielen Begegnungen und Gesprächen wurde auch Fußball gespielt. In der nnz gibt es mit einem Klick auf MEHR eine interessante Zusammenfassung.


Miteinander


Das war wieder ein Fußballturnier mit allen Eigenarten eines Turniers zur INTERKULTURELLEN Woche: Teams mit Spielern aus mehr als zehn Ländern nahmen daran teil: am 2. 10. in Nordhausen- Ost. Nur war diesmal kein Team aus OST dabei... Leider. Die Fußballer aus dem Stadtgebiet waren jedoch heiß darauf, gegen die Siegermannschaft noch einmal zu spielen. Doch da war es schon dunkel, als der Pokal übergeben wurde. Im nächsten Jahr wollen sie aber dabei sein... Schließlich kann es interkulturell nur gelingen, wenn alle gleichberechtigt dabei sind.

Ausgezeichnet Während des heißen Fußballwettkampfes nahmen die Kinder die Gelegenheit wahr und probierten MOBILE und Bastelangebote, Gesichtsmasken und Spiele. Im Jugendclub sang der Chor „Schatz“ fröhliche und sehnsuchtsvolle Lieder und die neugegründete Tanzgruppe lud zur Hopsa-Polka ein. Zugegeben: Organisatorisch hatten wir in diesem Jahr große Anlaufsorgen. Doch dann wurde es ein fröhlicher Nachmittag. Die Versorgung mit kulinarischen Besonderheiten anderer Länder war wunderbar. Nachbarschaftsbackwerk versüßte den Kaffee und Tee aus FAIREM Handel. Ein großes DANKE an alle Mitwirkenden: Den Mitarbeiterinnen der Kindereinrichtungen insbesondere, dem Platzwart, dem Jugendclub für die Öffnung seiner Pforten (er war etwas überrascht worden....) und allen, die einfach halfen, wo und wann es Not tat.

Was auf sportlichem Gebiet doch noch gelang, wurde am darauffolgenden Tag sehr ernsthaft auf einer anderen Grundlage diskutiert: Wie friedensfähig sind Religionen in Wort und Tat? Ein Kreis in der Frauenberg-Kirche, Muslime, Nicht-Gläubige und Christen dabei, sprach offen und ohne Berührungsängste über die Erfahrungen mit Friedlosigkeit, Aggression und Gewalt in der Lebenswelt zwischen Menschen verschiedener Religionen. Anregungen gaben die plakativen Darstellungen des PROJEKT "WELTETHOS", an dem der bekannte Theologe Hans Küng seit Jahren inspirierend arbeitet. Sehr einfach fiel den Teilnehmenden die Feststellung: In den Kernaussagen geht es den allermeisten Religionen um ein gelingendes Zusammenleben aus und in der Kraft des jeweiligen Glaubens. Die "Goldenen Regeln" der REligionen sind schlicht und anschaulich zusammengestellt auf einem der Plakate! Jede Selbstüberhebung des Menschen über andere ist (beispielsweise in den abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum, Islam - in der Reihenfolge ihres Entstehens) eine Missachtung der Gebote und der Stellung des (barmherzigen) Gottes.

Barmherzigkeit, oder mit heutigen Worten, die Empathiefähigkeit des Menschen ist ein hohes Gut, das in den Religionen Bestätigung finden kann und gefördert wird. Auch in ihrer Praxis? Den anderen Menschen als fühlendes, heimat- und sinnsuchendes Wesen in der eben diese Gabe dem Egoismus individueller und gemeinschaftlicher Struktur opfernden Gesellschaft wahrzunehmen, darauf komme es doch an. Oder werden, sofern (der eigene) Glauben als die höchste und allein richtige Form angesehen und gelehrt wird, indirekt Ausgrenzungstendenzen und "Revierdenken" bestätigt? Wie leicht ist Religion als Mittel zur Fanatisierung anwendbar, wie oft verschanzen sich Intoleranz und Extremismus hinter (pseudo)religiösen Haltungen?! Um den dazu Verführenden nicht auf den Leim zu kriechen, brauchen wir die Lern- und Lebensoffenheit auf Begegnung, Nachbarschaftlichkeit, VertrauensBILDUNG hin. Wer in sich eine Tendenz zur pauschalen Verurteilung anders lebender Menschen(gruppen) spürt, sollte in sich prüfen, woher die Angst vor der Begegnung rührt.

Erst in diesem Topf rühren, erst die Vorurteile hinterfragen, auf ihre Hintergründe hin prüfen. Jeder Mensch macht Erfahrungen, die die Selbstachtung verletzen. Religion ist ein Weg der (Selbst)Erkenntnis, die mein Menschsein bestätigt und erweitert auf das Mitgefühl, das Einfühlungsvermögen zum anderen Menschen hin. Im Christentum: Ich bin als Mensch (an)erkannt, angenommen, deshalb brauche ich nicht andere um meiner Stellung willen niedermachen, zerstören, an ihnen Rache üben, Kriege führen ..... das sind "Teufelskreise", das sind Bedingungen vorläufiger Absicherung und niemals Ziele religiöser Lebenshaltungen.

Das Gespräch nahm viele Beispiele aus der Praxis auf. Menschen aus anderen Ländern berichteten von ihren Erfahrungen. Und es war deutlich - wir sollten und können zu Menschen anderer Religionen eine um so bessere Beziehung, eine um so offenere Einladung aussprechen, je klarer und authentischer wir unsere Glaubensgründe leben.

Begegnung auf Augenhöhe und nicht um der Unterwerfung des anderen willen, das kann an Orten wie der Frauenberg-Kirche geübt werden. Sie hat die Spuren missratenen "Führerglaubens und -gehorsams" an sich. Sie hat aus den Wunden ein offenes Tor zur Welt werden lassen. Das Gespräch fand mit dem Ausblick auf Stadt und Landschaft, mit dem bewußten Entgrenzen unserer Horizonte eine symbolische Form der Offenheit füreinander.

Als dann die Klänge von AFRO-PEAN-FLOWER (jetzt:AfrikanER.de), ihre Botschaft von Lebensfreude und religiöser Tiefe in der Begegnung musikalischer Traditonen Afrikas, der Karibik und Europas, die Zuhörer begeisterten, da spürten wir, welche entfesselnden Erfahrungen uns guttun. Alle schienen froh zu sein, dass Orgel, Trommeln, Gesang und die Mitwirkung aller zu einer spürbaren Ermutigung auf dem Weg in die alltäglichen Abläufe verschmolzen. Zur Landesgartenschau kommen die Musiker vielleicht wieder...!

So hatte der Tag der deutschen Einheit in seiner Vielheit der Fragen und Antworten einen deutlichen Akzent erhalten: Wir sind uns näher, je offener wir als Gastgeber sind, wir sind freier, je freimütiger wir dem anderen Menschen begegnen, wir sind geschützter, je intensiver wir unsere Ängste vor Fremdem und Fremden überwinden, wir sind heimatverbundener, je einladender unsere Fest - Orte sind.
Peter Kube
Autor: nnz

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