Sa, 12:25 Uhr
21.01.2012
Vereint in der Dichterstätte
Aus Anlass des 100. Geburtstages des Schriftstellers und Dichters Rudolf Hagelstange wird am Samstag in einer Woche in Limlingerode ein Programm dargeboten, das die Verbindung zu einer von ihm verehrten Dichterin aufzeigt, der Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848). Auch Sarah Kirsch hat gedichtet: Der Droste möchte ich gern Wasser reichen...
Zwei Veröffentlichungen Hagelstanges werden im Mittelpunkt des Nachmittages stehen, die Meersburger Elegie von 1950 und der Essay Huldigung für Annette von Droste-Hülshoff von 1960. In Letzterem ruft er mehrere ihrer Gedichte und Balladen auf, um die Modernität dieser Dichterin zu bekunden. Diese Verse werden am Samstag in das Programm in der Dichterstätte eingewoben.
Das erstgenannte Werk ist zur Zeit in zwei Ausgaben im Kunsthaus Meyenburg in der Sonderausstellung Rudolf Hagelstange - Literatur und Kunst zu sehen. Die erste Ausgabe stammt aus dem Jahr 1950 und zeigt eine zarte Zeichnung von Franz Deringer (1903-1950) am Buchanfang. Der Maler und Illustrator lebte in der Nordschweiz in Unterstammheim, wo auch sein künstlerischer Nachlass verwaltet wird. Er schuf Federzeichnungen, Aquarelle und Ölbilder.
Eine bibliophile Ausgabe der Meersburger Elegie von 1982 illustrierte Richard Wilhelm Allgaier, Maler, Zeichner und Bildhauer, geboren 1949, mit sieben Zeichnungen. Er lebt und arbeitet in der Barockstadt Bad Waldsee in Oberschwaben.
Das Lesebuch Der Schriftsteller Rudolf Hagelstange aus Nordhausen am Harz enthält den vollen Wortlaut des poetischen Textes, in dem der Autor seine Geburtsstadt mit Meersburg am Bodensee vergleicht. Hin zum Bodensee waren die Hagelstanges 1948 gezogen. Beide Städte liegen am Hang, eine allerdings wurde durch Bomben kurz vor Ende des Krieges stark zerstört. In Nordhausen war bei Hagelstange bereits früh der Wunsch entstanden, Schriftsteller zu werden. Hier begegnete er, so beschreibt er es, in vielen Winkeln den antiken Göttern und dem Sänger Orpheus, die ein wichtiger Teil seines Weltbildes wurden.
In Meersburg hatte sich etwa hundert Jahre vorher die Droste dreimal bei Schwester und Schwager, die auf der imposanten Burg zu Hause waren, aufgehalten, die für Hagelstange eine der großen Dichterinnen war. Annette von Droste-Hülshoff ist in der Elegie eine zentrale Gestalt. In ihr stürmte eine unerwiderte Liebe. Sie war aus dem Norden, ihrer angestammten Heimat, in den Süden gezogen und erlebte eine schöpferische Periode.
Schon der Einstieg in dieses Werk zeigt die klassische Schulung des Schreibenden: Herbst ist geworden. Aus schrägeren Bahnen / rollen die Reste des glühenden Jahres. Der Vögel / trunkenes Lied ist verstummt ...
Der Krieg liegt noch nicht lange zurück und der Gedanke, was er in den Menschen und in der Landschaft angerichtet hat, ist in Hagelstange präsent. Viele Menschen leben nicht mehr dort, wo sie geboren und aufgewachsen sind, auch die Hagelstanges. Der Dichtende fragt: Ach, wo ist Heimat für diesen schrecklichen Zwitter, / der wir doch sind: eine silberne Ader göttlicher Sehnsucht / in diesem düstern Bergwerk von Fleisch und Gebrechen? Heimat, so Hagelstanges damalige Lebenserkenntnis, ist nicht immer dort, wo das Haus steht, wo man geboren ist, besonders dann nicht, wenn man nahelegt bekommt, die Zunge zu spalten und über die Lider Blindheit zu senken, wenn Zeugnis zur Schuld wird...
Da am 24. 1. 2012 Friedrich II. von Preußen 300 Jahre wird, gibt es in der Dichterstätte eine kleine Ausstellung über ihn, der sich ja auch als Philosoph, Musiker und Schreibender einen Namen machte. Eines der Bilder stammt von Gerd Mackensen, der den Alten Fritz mehrfach abgebildet hat. Dieses Kunstwerk entstand 2011 aus Anlass der Menzel-Ausstellung im Kunsthaus Meyenburg.
Heidelore Kneffel
28. Januar, 14.30 Uhr, Dichterstätte Limlingerode
Autor: nnzZwei Veröffentlichungen Hagelstanges werden im Mittelpunkt des Nachmittages stehen, die Meersburger Elegie von 1950 und der Essay Huldigung für Annette von Droste-Hülshoff von 1960. In Letzterem ruft er mehrere ihrer Gedichte und Balladen auf, um die Modernität dieser Dichterin zu bekunden. Diese Verse werden am Samstag in das Programm in der Dichterstätte eingewoben.
Das erstgenannte Werk ist zur Zeit in zwei Ausgaben im Kunsthaus Meyenburg in der Sonderausstellung Rudolf Hagelstange - Literatur und Kunst zu sehen. Die erste Ausgabe stammt aus dem Jahr 1950 und zeigt eine zarte Zeichnung von Franz Deringer (1903-1950) am Buchanfang. Der Maler und Illustrator lebte in der Nordschweiz in Unterstammheim, wo auch sein künstlerischer Nachlass verwaltet wird. Er schuf Federzeichnungen, Aquarelle und Ölbilder.
Eine bibliophile Ausgabe der Meersburger Elegie von 1982 illustrierte Richard Wilhelm Allgaier, Maler, Zeichner und Bildhauer, geboren 1949, mit sieben Zeichnungen. Er lebt und arbeitet in der Barockstadt Bad Waldsee in Oberschwaben.
Das Lesebuch Der Schriftsteller Rudolf Hagelstange aus Nordhausen am Harz enthält den vollen Wortlaut des poetischen Textes, in dem der Autor seine Geburtsstadt mit Meersburg am Bodensee vergleicht. Hin zum Bodensee waren die Hagelstanges 1948 gezogen. Beide Städte liegen am Hang, eine allerdings wurde durch Bomben kurz vor Ende des Krieges stark zerstört. In Nordhausen war bei Hagelstange bereits früh der Wunsch entstanden, Schriftsteller zu werden. Hier begegnete er, so beschreibt er es, in vielen Winkeln den antiken Göttern und dem Sänger Orpheus, die ein wichtiger Teil seines Weltbildes wurden.
In Meersburg hatte sich etwa hundert Jahre vorher die Droste dreimal bei Schwester und Schwager, die auf der imposanten Burg zu Hause waren, aufgehalten, die für Hagelstange eine der großen Dichterinnen war. Annette von Droste-Hülshoff ist in der Elegie eine zentrale Gestalt. In ihr stürmte eine unerwiderte Liebe. Sie war aus dem Norden, ihrer angestammten Heimat, in den Süden gezogen und erlebte eine schöpferische Periode.
Schon der Einstieg in dieses Werk zeigt die klassische Schulung des Schreibenden: Herbst ist geworden. Aus schrägeren Bahnen / rollen die Reste des glühenden Jahres. Der Vögel / trunkenes Lied ist verstummt ...
Der Krieg liegt noch nicht lange zurück und der Gedanke, was er in den Menschen und in der Landschaft angerichtet hat, ist in Hagelstange präsent. Viele Menschen leben nicht mehr dort, wo sie geboren und aufgewachsen sind, auch die Hagelstanges. Der Dichtende fragt: Ach, wo ist Heimat für diesen schrecklichen Zwitter, / der wir doch sind: eine silberne Ader göttlicher Sehnsucht / in diesem düstern Bergwerk von Fleisch und Gebrechen? Heimat, so Hagelstanges damalige Lebenserkenntnis, ist nicht immer dort, wo das Haus steht, wo man geboren ist, besonders dann nicht, wenn man nahelegt bekommt, die Zunge zu spalten und über die Lider Blindheit zu senken, wenn Zeugnis zur Schuld wird...
Da am 24. 1. 2012 Friedrich II. von Preußen 300 Jahre wird, gibt es in der Dichterstätte eine kleine Ausstellung über ihn, der sich ja auch als Philosoph, Musiker und Schreibender einen Namen machte. Eines der Bilder stammt von Gerd Mackensen, der den Alten Fritz mehrfach abgebildet hat. Dieses Kunstwerk entstand 2011 aus Anlass der Menzel-Ausstellung im Kunsthaus Meyenburg.
Heidelore Kneffel
28. Januar, 14.30 Uhr, Dichterstätte Limlingerode



