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Mi, 18:54 Uhr
28.12.2011

nnz-Exklusiv: Grüne Kurbelwellen

Über die FEUER Powertrain in Nordhausen ist an dieser Stellen schon viel geschrieben worden. Jüngst erst bekam das Unternehmen Lob von der Gewerkschaft oder der Arbeitsagentur. Jetzt wird sich eventuell auch Lob von umweltbewussten Menschen dazugesellen...


Menschen wie Oliver Wönnmann haben viele Unternehmenszahlen im Kopf. Kennziffern wie Produktivität oder Gewinn sind durchaus in der Lage, die Stimmung eines Geschäftsführers ein wenig anzuheben. Kosten hingegen verursachen Probleme. Aber: Im Fall der Nordhäuser Firma sind sie auslösendes Moment für ein neues Projekt. Konkret für ein “Umweltdemonstrationsprojekt”. Wir wollen es konkreter wissen und haben uns heute mit Geschäftsführer Wönnmann getroffen.

“Wir sind garantiert Nordhäuser Weltmeister im Stromverbrauch. In diesem Jahr müssen wir rund fünf Millionen Euro für Energie ausgeben, in den kommenden Jahren werden es - so unsere interne Prognose - acht bis neun Millionen Euro sein.” Mit einer anderen Kennziffer wird das Problem noch deutlicher: Von derzeit 28 Millionen Kilowattstunden soll der Stromhunger mittelfristig auf 50 Millionen gesteigert werden.

So weit - so gut oder: so schlecht.

Künftig will das Unternehmen Energiekosten einsparen und sich - zumindest teilweise - von der Entwicklung am Weltmarkt abkoppeln. Und das funktioniert folgendermaßen: Zusammen mit zwei anderen Partnern wird eine Gesellschaft gegründet, diese wird künftig für den Einkauf von Energie verantwortlich sein und: Sie wird Energie selbst erzeugen. Regenerative Energie aus Wind, um konkret zu werden. Einige Kilometer entfernt von der Rothenburgstraße 27 in Nordhausen wird ein Windpark errichtet. Sechs Windräder werden es sein, die zusammen etwa 14 bis 15 Millionen Kilowattstunden an Leistung erbringen. Dieser Strom wird in einem eigenen Kabel direkt nach Nordhausen in die Rothenburgstraße geleitet. FEUER Powertrain wird also das erste Thüringer Unternehmen in dieser Größe sein, das seinen Strom zur Hälfte selbst erzeugt.

Eine Fläche für die Windräder ist “ausgeguckt”, die kommunalen Politiker dieser Gemarkung haben sich einstimmig für das Projekt ausgesprochen. Nicht nur, weil sie künftig Gewerbesteuer der neuen Firma bekommen, sondern weil alle Bürger dieser Gemeinde - so sie es wollen - verbilligten Strom aus der Windkraft beziehen können. Der Preis für diesen Strom werde deutlich unter dem Marktpreis liegen, verspricht Oliver Wönnmann, auch weil auf den EEG-Zuschlag verzichtet werden kann. “Allianz” nennt er das, alle Beteiligten profitieren und auch die wissenschaftliche Begleitung wird mit der Fachhochschule und deren Institut in der Region angesiedelt.

20 Millionen Euro wollen das Unternehmen und dessen beide Partner in das Vorhaben investieren. Das sind auch Kosten, die allerdings Geschäftsführer Wönnmann keine Bauschmerzen bereiten. Im Gegenteil, diese Millionen werden sich alsbald amortisieren und sie verleihen dem Hersteller von Kurbelwellen ein grünes Siegel, mit dem auf dem heiß umkämpften Weltmarkt gepunktet werden kann. Und: Das Unternehmen macht sich zur Hälfte unabhängig von möglichen Turbulenzen auf dem Energiemarkt. Für Wönnmann steht fest: Die Preise für Energie aller Art werden steigen, da muss man nicht in eine Glaskugel sehen.

In den Jahren 2014/2015 soll der erste selbst erzeugte Strom eingespeist werden. Das ist noch lange hin, doch im “Boot der grünen Allianz” sitzen nicht nur Unternehmen oder Forschungseinrichtungen, sondern auch das Bundesumweltministerium. In diesem Fall muss das für das Image des gesamten Projekts nun wirklich nicht schädlich sein.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
Gudrun1974
28.12.2011, 19:42 Uhr
Gute Idee - wann wachen die Stadtwerke auf?
Liest sich gut! Wann kommen endlich mal die Nordhäuser Stadtwerke auf die Idee mit regenerativen Energien Geld zu verdienen?

Denn die Feuer-Inititive bedeutet im Umkehrschluss, dass deutlich weniger Strom beim bisherigen Anbieter (EVN?) bezogen wird.

Oder irre ich mich?
meister
28.12.2011, 20:24 Uhr
sehr guter gedankengang
von der firma feuer und ihren partnern!
anscheinend ist aber so ein gedankengut in der stadtverwaltung eher im hintergrund...
dort wird lieber jahrelang über sinnlose industriegebiete,die unheimlich teuer und letztenendes vielleicht auch noch ungenutzt sind,disskutiert!
über erneuerbare energie wird da anscheinend nicht großartig nachgedacht,oder hat jemand schon irgendetwas in der richtung verlauten lassen??
ich bin zwar kein freund von riesigen windparks in wohngegendnähe aber wir haben doch auch viele ungenutzte landschaften(die nicht landwirtschaftlich oder industrieell genutzt werden können) an denen solche windparks wie von der firma feuer geplant,gebaut werden und somit saubere energie für nordhausen hergestellt werden können!
auch gibt es sicher genug gelegenheiten für eine biogasanlage,sicher diese verschlingt dann wieder fläche auf der nahrungsmittel angebaut werden können,aber besser für biomasse land "verschwendet" als für ungenutzte industriefläche...

ich glaube in sachen regenerative energie muß in der stadt nordhausen noch über einiges nachgedacht werden!!

man nehme sich einmal ein beispiel an sachsen-anhalt,dort wird in den letzten jahren sehr viel und intensiv in erneuerbare energie investiert,sicher mit erfolg...
Frankledig
29.12.2011, 08:22 Uhr
Windkraft......
Bleibt die Frage wo die netten kleinen Rädchen stehen werden...Einige Kilometer klingt ganz schön nah . warum schreibt man bei einer so ausführlichen Beschreibung nicht wo sie stehen werden??? Gab ja bisher schon einigen Ärger mit Windkraftanlagen in der nächsten Umgebung....
Bodo Schwarzberg
29.12.2011, 12:01 Uhr
Powertrain beispielhaft, aber nicht ausschließlich
Natürlich wird unsere an sich schon gebeutelte, versiegelte und übernutzte Landschaft durch immer mehr Windräder nicht aufgewertet. Aber die zweifelhafte menschliche Philosophie "des immer mehr" steht bekanntermaßen im Widerspruch zur Erhaltung der Lebensbedingungen auf der Erde. Aus dieser Erkenntnis heraus sind diese Windräder ein Kompromis.

Allerdings sollten wir uns die Frage stellen, was wäre, wenn jeder größere Energiekonsument eigene Windräder aufstellt. Das wäre ein Desaster für unsere Landschaft. Daher sind langfristig andere Lösungen gefragt: Offshoreparks z.B., Nutzung möglichst aller geeigneten Dächer für Photovoltaik und Energieeinsparung. Denn in der gesamten Umweltdiskussion führt der ungebremst wachsende Flächenverbrauch noch immer ein Schattendasein. Denn der Betrachter sieht immer nur weinige wenige versiegekte Quadratmeter, nicht aber die 125 ha pro Tag zubetonierte Fläche in Deutschland.
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