Mo, 07:38 Uhr
12.12.2011
Schwarzbergs Wegwerfgesellschaft (3)
Müll ist ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft, die der Natur Stoffe entzieht und verwandelt, diese dann lieb gewinnt und deren Glieder dann feststellen, dass sie und die daraus erzeugten Produkte ihn doch nicht, oder nicht all zu lange glücklich machen. Diesem Phänomen widmet sich Bodo Schwarzberg in dieser nnz-Serie...
Müll in unserer Landschaft zu entdecken, ist nicht schwer. Man muss ihn noch nicht einmal gezielt suchen, denn eigentlich ist er in fast jedem Straßengraben vorhanden oder wurde von Mitbürgern etwas verschämt, aber offenbar nicht verschämt genug, an Feldwegen platziert. Als weiteres Merkmal der Bequemlichkeit dieser sehr offensiven Vertreter unserer Müllgesellschaft mag gelten, dass sie die Gegenstände, derer sie überdrüssig geworden sind, meist in der Nähe von Straßen ablagern: egal, ob am Rande von Wohn- oder Naturschutzgebieten.
Wild abgelagerter Müll ist nur das äußere Erscheinungsbild einer Zeit, in der der einzelne Gegenstand uns nicht mehr so lange begleitet, wie vielleicht noch unsere Großeltern. All zu schnell weckt die Werbung neue Wünsche in uns und führt zu dem Problem, den jetzt ungeliebten alten Wohlstand durch einen neuen und vermeintlich besseren zu ersetzen.
Heute möchte ich Sie mit einigen Fundstücken an einem Weg vertraut machen, der von der Straße Buchholz-Steigerthal etwa 500 m vor Steigerthal nach links in Richtung I-Berg-Talsperre abzweigt. Er führt durch das Naturschutzgebiet Alter Stolberg zwischen dem Singerberg im Norden und etwa dem Hoppenberg im Süden. Das heißt, der hier vorgestellte Müll wurde im NSG abelagert. Neben einigen Radkappen und Dachrinnen, gewahrt der aufmerksame Wanderer hier auch mehrere Plastesäcke mit Tapetenresten, einen Reifen, einen Eimer und vor allem bunte Säcke mit Gartenabfällen.
Auch Letzteres ist in mehrfachem Sinne problematisch: Zunächst einmal frage ich mich, warum die mutmaßlichen Täter den organischen Müll nicht einmal ausgekippt haben. So könnte er wenigstens verwesen und in den natürlichen Kreislauf zurück gelangen. Aber selbst dazu waren sie offenbar zu phlegmatisch. Interessanterweise ist ein Teil der Gartenpflanzenreste in Gelbe Säcke der Stadtwerke verpackt.
Problematisch und verantwortungslos ist die besonders oft zu beobachtende Ablagerung von Gartenabfällen aber auch aus einem weiteren Grund: Eine ganze Reihe von invasiven Pflanzenarten sind gärtnerischer Herkunft und verdrängen einheimische Wildpflanzenarten. In einem Naturschutzgebiet, das ja als Refugium für bedrohte Spezies dienen soll, ist die Ablagerung von Pflanzenresten daher besonders gefährlich. Auf einem Bild sind womöglich vertrocknete, samentragende Blütenstände des Weidenblättrigen Spierstrauches (Spiraea salicifolia) zu sehen, der in einigen Bundesländern zumindest auf der Vorwarnliste neoinvasiver Arten steht.
Auffallend ist nicht zuletzt, dass einige Säcke offenbar schon recht lange an der besagten Stelle liegen. Niemand, also auch unser ansonsten so flinkes Ordnungsamt, scheint dort gewesen zu sein.
Vielleicht mag sich ja auch die Abfallbehörde der Fundstücke im Naturschutzgebiet annehmen und diese beseitigen. Oder besser noch: Genauso heimlich, wie sie von ihren früheren Besitzern gebracht wurden, holen sie ihren Müll wieder ab, um ihn doch noch gesetzeskonform zu entsorgen.
Der Autor dieser Reihe wird gelegentlich nachschauen, was aus seinen Müllfunden geworden ist und die nnz-Gemeinde informieren.
Leider bis zum nächsten Mal!
Bodo Schwarzberg
Autor: nnzMüll in unserer Landschaft zu entdecken, ist nicht schwer. Man muss ihn noch nicht einmal gezielt suchen, denn eigentlich ist er in fast jedem Straßengraben vorhanden oder wurde von Mitbürgern etwas verschämt, aber offenbar nicht verschämt genug, an Feldwegen platziert. Als weiteres Merkmal der Bequemlichkeit dieser sehr offensiven Vertreter unserer Müllgesellschaft mag gelten, dass sie die Gegenstände, derer sie überdrüssig geworden sind, meist in der Nähe von Straßen ablagern: egal, ob am Rande von Wohn- oder Naturschutzgebieten.
Wild abgelagerter Müll ist nur das äußere Erscheinungsbild einer Zeit, in der der einzelne Gegenstand uns nicht mehr so lange begleitet, wie vielleicht noch unsere Großeltern. All zu schnell weckt die Werbung neue Wünsche in uns und führt zu dem Problem, den jetzt ungeliebten alten Wohlstand durch einen neuen und vermeintlich besseren zu ersetzen.
Heute möchte ich Sie mit einigen Fundstücken an einem Weg vertraut machen, der von der Straße Buchholz-Steigerthal etwa 500 m vor Steigerthal nach links in Richtung I-Berg-Talsperre abzweigt. Er führt durch das Naturschutzgebiet Alter Stolberg zwischen dem Singerberg im Norden und etwa dem Hoppenberg im Süden. Das heißt, der hier vorgestellte Müll wurde im NSG abelagert. Neben einigen Radkappen und Dachrinnen, gewahrt der aufmerksame Wanderer hier auch mehrere Plastesäcke mit Tapetenresten, einen Reifen, einen Eimer und vor allem bunte Säcke mit Gartenabfällen.
Auch Letzteres ist in mehrfachem Sinne problematisch: Zunächst einmal frage ich mich, warum die mutmaßlichen Täter den organischen Müll nicht einmal ausgekippt haben. So könnte er wenigstens verwesen und in den natürlichen Kreislauf zurück gelangen. Aber selbst dazu waren sie offenbar zu phlegmatisch. Interessanterweise ist ein Teil der Gartenpflanzenreste in Gelbe Säcke der Stadtwerke verpackt.
Problematisch und verantwortungslos ist die besonders oft zu beobachtende Ablagerung von Gartenabfällen aber auch aus einem weiteren Grund: Eine ganze Reihe von invasiven Pflanzenarten sind gärtnerischer Herkunft und verdrängen einheimische Wildpflanzenarten. In einem Naturschutzgebiet, das ja als Refugium für bedrohte Spezies dienen soll, ist die Ablagerung von Pflanzenresten daher besonders gefährlich. Auf einem Bild sind womöglich vertrocknete, samentragende Blütenstände des Weidenblättrigen Spierstrauches (Spiraea salicifolia) zu sehen, der in einigen Bundesländern zumindest auf der Vorwarnliste neoinvasiver Arten steht.
Auffallend ist nicht zuletzt, dass einige Säcke offenbar schon recht lange an der besagten Stelle liegen. Niemand, also auch unser ansonsten so flinkes Ordnungsamt, scheint dort gewesen zu sein.
Vielleicht mag sich ja auch die Abfallbehörde der Fundstücke im Naturschutzgebiet annehmen und diese beseitigen. Oder besser noch: Genauso heimlich, wie sie von ihren früheren Besitzern gebracht wurden, holen sie ihren Müll wieder ab, um ihn doch noch gesetzeskonform zu entsorgen.
Der Autor dieser Reihe wird gelegentlich nachschauen, was aus seinen Müllfunden geworden ist und die nnz-Gemeinde informieren.
Leider bis zum nächsten Mal!
Bodo Schwarzberg

















