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Do, 15:26 Uhr
08.12.2011

Platz für 13 Stunden Hochwasser

Wir hatten am Vormittag bereits kurz über die Inbetriebnahme einer der größten Hochwasserschutzmaßnahmen in Thüringen in diesem Jahr berichtet. Hier weitere Einzelheiten...


Ein Hochwasserauffangpolder mit einem Volumen 420.000 Kubikmeter freigegeben haben heute Thüringens Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU), Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) und Ortsbürgermeister Hein Peter sowie Klaus-Rainer Hoffmann, Präsident der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie in Nordhausens Ortsteil Sundhausen.
Hochwasserschutz (Foto: P. Grabe)
Hochwasserschutz (Foto: P. Grabe)
Hochwasserschutz (Foto: P. Grabe)
Der Polder ist in der Lage, 13 Stunden lang Hochwasser der Helme zurückzuhalten und hat ein Volumen von 420.0000 Kubikmeter. „Der Ort und das benachbarte Industriegebiet sind künftig ein ganzes Stück sicherer. Niemand muss mehr bei der Schneeschmelze oder bei starken Regenfällen angstvoll auf die Pegel schauen“, sagte Hoffmann. Statistisch gesehen wird der Polder nur zweimal in 100 Jahren geflutet, kann also zwischenzeitlich landwirtschaftlich genutzt werden.

„Das Projekt ist zugleich ein Paradebeispiel dafür, wie Hochwasserschutz und Naturschutz miteinander verbunden werden können. Einerseits haben wir einen Hochwasserschutz für rund 1200 Menschen geschaffen und andererseits die Europäische Wasserrahmenrichtlinie umgesetzt, nämlich einen Flussabschnitt renaturiert“, sagte Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz in Nordhausen.

Die Investitionen für das Gesamtprojekt liegen bei etwa 5,5 Millionen Euro, die zum Großteil aus dem EU-Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) stammen.

„Angestoßen durch das schwere Hochwasser der Oberen Helme zum Jahreswechsel 2002/2003 begann die Arbeit an einem Schutzkonzept. Knapp zwei Jahre hat es nun gedauert, das Konzept umzusetzen. Entstanden ist ein Polder mit einem Volumen von 420.000 Kubikmetern, in den bei starkem Abfluss Wasser abgeleitet und zurückgehalten wird. Da die Helme als Lebensraum von Fischotter, Bachmuschel oder Bachneunauge unter besonderem Schutz stand, wurde der Naturschutz von Anfang an in das Projekt eingebunden. Um den Habitat-Ansprüchen der Tiere Rechnung zu tragen, wurden beispielsweise Kiesbänke zum Laichen angelegt und die Flussufer mit Gehölzen bepflanzt“, sagte Dr. Karlheinz Hintermeier, Referatsleiter im Landesamt.

Oberbürgermeisterin Barbara Rinke sagte, dass viele Einheimische erst durch die Arbeiten für den Hochwasserschutz erfahren hätten, wie wertvoll und artenreich die Flora und Fauna entlang des Flusslaufs sei. „Wir werden jetzt die entsprechenden Informations- und Schautafeln fertigen und aufstellen entlang des Flusses“, so Frau Rinke.

Ortsbürgermeister Hein Peter sagte, „dank der Arbeiten zum Hochwasserschutz hat Sundhausen jetzt eine grüne Oase mit neuem Rad- und Gehweg und einen wunderbaren neuen Fußgängerbrücke.“ Die Kinder des Ortes hätten die neuen Uferanlagen längst schon in Besitz genommen haben zum Spielen, Rollschuh- und Fahrrad Fahren.“ Darüber hinaus gebe es auch erste Investitionen auf Flächen, die bisher wegen der Hochwassergefahr brach gelegen hätten. „Das ganze ist eine rundum gelungene Sache“!
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
09.12.2011, 04:18 Uhr
Hochwasserschutz: Gelungene Sache? Ja aber!
Ob das Ganze am Ende eine "gelungene Sache" ist, wie im Beitrag bemerkt, das klingt nach typischem Politikerwort. Auf den ersten Blick ist das so und die Hochwasserschutzmanßnehmen sind zu begrüßen. Das derzeitig sichtbare Ergebnis ist positiv. Entscheidend aber dürfte die langfristige Entwicklung sein: Wer zum Beispiel kann heute schon sagen, ob der renaturierte Helme-Abschnitt tatsächlich von der vom Aussterben bedrohten, empfindlichen und einstmals weit verbreiteten Bachmuschel angenommen wird?

Wer kann sagen, ob die Statistik angesichts der Unwägbarkeiten des Klimawandels auch künftig stimmt? - Also nur zwei Polderüberflutungen pro Jahrhundert? Wer weiß, wie sich künftige Hochwasserereignisse, heute noch als Extremhochwasser bezeichnet, gestalten werden? Lohnt sich also z.B. eine dauerhafte landwirtschaftliche Nutzung tatsächlich? Und können sich die Bewohner dahinter wirklich sicher fühlen? Sicherer vielleicht, als noch vor drei Jahren. Das lasse ich gelten.

Der obige Beitrag zeigt, dass viele Verantwortliche nur das gerade vor ihnen stehende Ergebnis sehen und beurteilen. Kritische Stimmen zu möglichen Zukunftsszenarien, die aber angesichts der Realtität gar nicht so unwahrscheinlich sind, bleiben bei ihnen aus. Ökologische Anpassungen von Flora und Faune vollziehen sich über längere Zeiträume als einer Legislaturperiode entsprechen, was ein Vorteil für die Erfolge verkündenden Politiker, aber nicht immer ein Vorteil für Jene ist, die später mit einem einst realisierten Projekt leben und dieses hinsichtlich Wirksamkeit beurteilen müssen.

Momentan aber können wir uns über das Hochwasserschutzprojekt erst einmal freuen.

Dies mag dem Denken und dem Wunsch der Bevölkerung am ehesten entsprechen, ist aber nicht immer zukunftsweisend.
Erfolgsverkündende Politiker sollten wir dennoch, aus vielen, vielen Erfahrungen heraus mit großer Skepsis beurteilen, ob nun in Sachen Euro oder Bachmuschel.
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