Mo, 18:45 Uhr
22.09.2003
Promis und Normalos auf Tour
Nordhausen (nnz). Was gibt es nicht alles für Tage? Den des Wasser, der Erde, der Umwelt. Am Sonntag war der Tag des Geotops angesagt. Und da zog es Interessierte natürlich in den Südharz.
Bei schönstem Wetter wurde gestern auch im Landkreis Nordhausen wahr, was vor einem Jahr noch Wunsch war: Der Tag des Geotops soll eine Tradition werden. Nachdem man sich 2002 an der Langen Wand in Ilfeld traf und auch in das gleichnamige Bergwerk einfuhr, war es dieses Mal die Landschaft zwischen Neustadt und Buchholz, die zu den Geotopen einlud. Eine ansehnliche Zahl Interessierten begab sich unter Führung von Diplom-Geologen Helmut Garleb auf die Exkursion, unter ihnen der Thüringer Minister für Wirtschaft, Jürgen Reinholz, der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Hohnstein/Südharz, Bernd Meyer, und der Bürgermeister Neustadts, Peter Sieckel. Zukünftig soll immer der 3. Sonntag im September den Geotopen gelten.
Für das Konzept im Landkreis zeichneten die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Nordhausen, die Wandergruppe Ilfeld, der Harzclub Zweigverein Neustadt und die Agenda-Stelle von Neustadt verantwortlich. Eingeladen hatte der Verein für Wirtschaftsentwicklung der Region Nordhausen e. V. Zechstein bei Neustadt am Harz – Am Ufer des Zechsteinmeeres, betitelte Helmut Garleb seine Route. Am Stadtberg von Neustadt begann der Rundgang. Dort steht man genau am Ufer des alten Festlandes mit seinen inzwischen eingeebneten Lavaergüssen , dem Porphyrit des Rotliegenden am Strand des Zechsteinmeeres auf den zu Sandstein verfestigten Strandsedimenten, einem Zechsteinkonglomerat.
Der zu einem dünnplattigen Gestein verfestigte metallhaltige Schlamm, der Kupferschiefer, ist wegen seiner geringen Mächtigkeit von ca. 40 cm hier nur gelegentlich zu erblicken, aber die darüber liegenden, zu einem bankigen Kalkstein gewordenen kalkigen Ablagerungen, der Zechsteinkalk, bedeckt fast den ganzen Hang und ist überall auf dem Acker zu sehen. Die zum Inneren des Thüringer Beckens folgenden mächtigen Anhydrite sind hier unter dem Einfluss des Oberflächen- und des Grundwassers in Gips umgewandelt.
Der Kupferschiefer und der Gips sind Bodenschätze, die schon sehr frühzeitig das Interesse der Menschen erweckten und bergmännisch gewonnen wurden. Der Kupferschiefer wurde wegen seines Metallgehaltes wohl schon seit der Bronzezeit abgebaut, zunächst im Tagebau, später im aufwendigen Untertagebetrieb, führte Garleb aus. Der zu dem Erzrevier von Buchholz gehörige ‚Tiefe Harzfelder Stollen’ diente der Wasserlösung dieses Reviers und wurde in 2 Etappen aufgefahren, 1734 bis 1771 auf einer Länge von 1.940 m und von 1845 bis 1859 weiter auf eine Länge von insgesamt 3.121 m. Heute sieht man als Sachzeugen das total verbrochene Stollenmundloch und einige Halden. Aus dem ehemaligen Mundloch fließt immer noch wie aus einer natürlichen Quelle das Grundwasser aus dem Bergbaurevier ab, die Schächte sind durch ihre inzwischen meist baumbestandenen Halden zu erkennen.
Das nächste Ziel war die Harzfelder Kirche. Dort sind noch Mauerreste zu sehen. Ansonsten ging der Ort Harzfeld bei den Fleglerkriegen 1412 zugrunde. Der als Alabaster bezeichnete Gipswerkstein wurde hier am Brandberg und im Harzfelder Holz im Untertagebetrieb abgebaut. Die Stollen sind zu einem großen Teil noch erhalten, aber im Interesse der Sicherheit und weil sie leider vermüllt waren, Anfang der 90er Jahre verschlossen worden. Eine Öffnung wurde gelassen, so dass Tiere, z. B. verschiedene Fledermausarten, dort beheimatet bleiben können. Der Abbau des Alabasters, den man z. B. zu Epitaphien, Schreibzeuggarnituren, Schnupftabakdosen verarbeitete, meist drechselte, kam erst nach dem II. Weltkrieg zum Erliegen. Die Stollen und die zugehörigen Halden sind im Wald versteckt und erschließen sich nur dem aufmerksamen Beobachter.
Die Menschen des Mittelalters nutzten alle ihnen verfügbaren natürlichen Rohstoffe als Baustoffe, ein schönes Beispiel bietet die Ruine der Kirche der Gemeinde Harzfeld. Hier sind fast alle heimischen Gesteine, vor allem der Porphyrit, aber auch Gips, Dolomit u.a. Natursteine als Baumaterial vertreten, als Mauermörtel ist Gipsmörtel verwendet worden.
Diese Rohstoffgewinnung war von essentieller Bedeutung für unsere Vorfahren und für die Entwicklung unserer heutigen materiellen Kultur, so wurde es den Teilnehmern der Exkursion deutlich. Man darf gespannt sein auf den 3. Tag des Geotops 2004.
Autor: nnzBei schönstem Wetter wurde gestern auch im Landkreis Nordhausen wahr, was vor einem Jahr noch Wunsch war: Der Tag des Geotops soll eine Tradition werden. Nachdem man sich 2002 an der Langen Wand in Ilfeld traf und auch in das gleichnamige Bergwerk einfuhr, war es dieses Mal die Landschaft zwischen Neustadt und Buchholz, die zu den Geotopen einlud. Eine ansehnliche Zahl Interessierten begab sich unter Führung von Diplom-Geologen Helmut Garleb auf die Exkursion, unter ihnen der Thüringer Minister für Wirtschaft, Jürgen Reinholz, der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Hohnstein/Südharz, Bernd Meyer, und der Bürgermeister Neustadts, Peter Sieckel. Zukünftig soll immer der 3. Sonntag im September den Geotopen gelten.
Für das Konzept im Landkreis zeichneten die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Nordhausen, die Wandergruppe Ilfeld, der Harzclub Zweigverein Neustadt und die Agenda-Stelle von Neustadt verantwortlich. Eingeladen hatte der Verein für Wirtschaftsentwicklung der Region Nordhausen e. V. Zechstein bei Neustadt am Harz – Am Ufer des Zechsteinmeeres, betitelte Helmut Garleb seine Route. Am Stadtberg von Neustadt begann der Rundgang. Dort steht man genau am Ufer des alten Festlandes mit seinen inzwischen eingeebneten Lavaergüssen , dem Porphyrit des Rotliegenden am Strand des Zechsteinmeeres auf den zu Sandstein verfestigten Strandsedimenten, einem Zechsteinkonglomerat.
Der zu einem dünnplattigen Gestein verfestigte metallhaltige Schlamm, der Kupferschiefer, ist wegen seiner geringen Mächtigkeit von ca. 40 cm hier nur gelegentlich zu erblicken, aber die darüber liegenden, zu einem bankigen Kalkstein gewordenen kalkigen Ablagerungen, der Zechsteinkalk, bedeckt fast den ganzen Hang und ist überall auf dem Acker zu sehen. Die zum Inneren des Thüringer Beckens folgenden mächtigen Anhydrite sind hier unter dem Einfluss des Oberflächen- und des Grundwassers in Gips umgewandelt.
Der Kupferschiefer und der Gips sind Bodenschätze, die schon sehr frühzeitig das Interesse der Menschen erweckten und bergmännisch gewonnen wurden. Der Kupferschiefer wurde wegen seines Metallgehaltes wohl schon seit der Bronzezeit abgebaut, zunächst im Tagebau, später im aufwendigen Untertagebetrieb, führte Garleb aus. Der zu dem Erzrevier von Buchholz gehörige ‚Tiefe Harzfelder Stollen’ diente der Wasserlösung dieses Reviers und wurde in 2 Etappen aufgefahren, 1734 bis 1771 auf einer Länge von 1.940 m und von 1845 bis 1859 weiter auf eine Länge von insgesamt 3.121 m. Heute sieht man als Sachzeugen das total verbrochene Stollenmundloch und einige Halden. Aus dem ehemaligen Mundloch fließt immer noch wie aus einer natürlichen Quelle das Grundwasser aus dem Bergbaurevier ab, die Schächte sind durch ihre inzwischen meist baumbestandenen Halden zu erkennen.
Das nächste Ziel war die Harzfelder Kirche. Dort sind noch Mauerreste zu sehen. Ansonsten ging der Ort Harzfeld bei den Fleglerkriegen 1412 zugrunde. Der als Alabaster bezeichnete Gipswerkstein wurde hier am Brandberg und im Harzfelder Holz im Untertagebetrieb abgebaut. Die Stollen sind zu einem großen Teil noch erhalten, aber im Interesse der Sicherheit und weil sie leider vermüllt waren, Anfang der 90er Jahre verschlossen worden. Eine Öffnung wurde gelassen, so dass Tiere, z. B. verschiedene Fledermausarten, dort beheimatet bleiben können. Der Abbau des Alabasters, den man z. B. zu Epitaphien, Schreibzeuggarnituren, Schnupftabakdosen verarbeitete, meist drechselte, kam erst nach dem II. Weltkrieg zum Erliegen. Die Stollen und die zugehörigen Halden sind im Wald versteckt und erschließen sich nur dem aufmerksamen Beobachter.
Die Menschen des Mittelalters nutzten alle ihnen verfügbaren natürlichen Rohstoffe als Baustoffe, ein schönes Beispiel bietet die Ruine der Kirche der Gemeinde Harzfeld. Hier sind fast alle heimischen Gesteine, vor allem der Porphyrit, aber auch Gips, Dolomit u.a. Natursteine als Baumaterial vertreten, als Mauermörtel ist Gipsmörtel verwendet worden.
Diese Rohstoffgewinnung war von essentieller Bedeutung für unsere Vorfahren und für die Entwicklung unserer heutigen materiellen Kultur, so wurde es den Teilnehmern der Exkursion deutlich. Man darf gespannt sein auf den 3. Tag des Geotops 2004.

